Wo machen Katholiken in Amerika ihr Kreuz?: Soziallehre contra Moraltheologie

Professor Michael Hochgeschwender „Wo machen Katholiken ihr Kreuz?“ (DT vom 30. Oktober) liegt in der Darstellung der Geschichte der katholischen Kirche in den USA richtig. Der Deutung mancher Phänomene seit 1960 kann man allerdings nicht ohne weiteres zustimmen. Das Dilemma praktizierender Katholiken bei der jetzigen Wahl war folgendes: Die Republikaner tendieren eher dazu, Positionen der katholischen Moraltheologie zu unterstützen, während Demokraten eher jene der katholischen Soziallehre vertreten. Sowohl Republikaner wie Demokraten begründen diese jeweils nicht mit den richtigen Argumenten. Gemeinsam mit orthodoxen Mitchristen und Juden ist das Weltbild der Katholiken vom Naturrecht geprägt. Dies wird aber von der protestantischen Bevölkerungsmehrheit abgelehnt – und dies, obwohl die Unabhängigkeitserklärung von 1776 stark vom Naturrecht beeinflusst war. Beiden Kandidaten der Wahlen trauten viele nicht zu, ein Weltbild, mit dem sie sich identifizieren könnten, verlässlich zu vertreten.