Werden die „C“–Parteien zu hart kritisiert?: Merkel erfüllt ihre Aufgabe gut: Unionspolitiker kommen zu Wort

In Ihren Kommentaren und auch in sehr vielen von Ihnen veröffentlichten Leserbriefen wird immer wieder die Wählbarkeit der Unionsparteien für Christen in Frage gestellt. Weiter wird die Gründung einer streng christlichen Partei in Erwägung gezogen. Zusätzlich wird die Bundeskanzlerin, Frau Merkel, laufend meines Erachtens unberechtigt heftig angegriffen.

Als Gründe werden unter anderem die Zustimmung eines namhaften Teils der Union zur Verschiebung des Entstehungsdatums der Embryonen für die Stammzellforschung genannt. Weiterer Kritikpunkt ist die Familienpolitik dieser Partei. Außerdem die Kritik von Frau Merkel am Papst.

Da kann man wohl mit Recht befürchten, dass eine solche neue Partei als Splitterpartei antreten würde und gleichzeitig die Union schwächte. Einen wirklichen Einfluss auf politische Entscheidungen hätte sie nicht. Zusätzlich gäbe es dann wahrscheinlich keine Regierung mehr, in der die Unionsparteien wesentlich mitbestimmen könnten. Hier erinnere ich an die Christdemokraten in Italien, die nur noch eine Splitterpartei ohne namhaften Einfluss auf die Regierung sind. Ohne die Unionsparteien in der Regierung werden nach meiner Meinung die christlichen Inhalte und Werte wesentlich weniger vertreten als mit einer starken CDU/CSU. Als Privatmann oder -frau ist es relativ leicht, sich hohe Ideale zu setzen und sie annähernd zu verwirklichen. Bei politischen Entscheidungen muss man einer säkularisierten, globalen gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen.

Aus dieser Sicht finde ich die Kritik an Bundeskanzlerin Merkel und an der Familienministerin, Frau von der Leyen, unberechtigt heftig. Beide erfüllen meines Erachtens ihre Aufgaben gut. Zusätzlich fällt mir auf, dass die Kommentare Ihrer Zeitung, insbesondere aber die meisten Leserbriefe, sehr einseitig religiös konservativ sind. Es kostet wesentlich mehr Kraft, laufend angemessen zu reformieren, als an allem Bisherigen unbeweglich festzuhalten und diese Beharrung noch als Treue zum überlieferten Glauben der Väter zu loben.

Wiederholt wurde in Leserbriefen kritisiert, die DT sei den „C“-Parteien gegenüber zu kritisch. Ich empfinde die kritischen Töne im Meinungsteil der Zeitung für richtig. Überdies gibt es wohl keine Zeitung, die Unionspolitiker derart oft und prominent (Interviews auf Seite 1!) zu Wort kommen lässt. Insofern finde ich die politische Positionierung doch sehr verantwortungsbewusst gelöst.