Wenn das Glaubenswissen verdunstet, sind die Priester besonders gefordert: Viel erwarten, aber auch viel beten

Herzlich danke ich Ihnen für die Übersetzung der Ansprache des Heiligen Vaters bei der Generalaudienz am 30. Dezember „Den Katechismus aufmerksam lesen“ (DT vom 5. Januar). Wie schon oft stellt uns der Heilige Vater wieder das Leben und Werk eines bedeutenden Theologen vor. Diesmal ist es Petrus Lombardus, dessen Verdienst es war, das Glaubenswissen seiner Zeit neu zu ordnen und in den „Sentenzen“ in einer Gesamtschau darzustellen. Der Heilige Vater kennt den eklatanten Mangel an Glaubenswissen und die Gefahr, Glaubensinhalte selektiv zu betrachten. Mangelndes Glaubenswissen fördert auch die Ablehnung mancher subjektiv unangenehm empfundener wichtiger Glaubensaussagen.

Der Heilige Vater lädt alle Theologen und Priester, die ja den Glauben vollständig und unverfälscht weitergeben sollen, dazu ein, nach dem Beispiel des Petrus Lombardus „sich ... gegen die Gefahren der Fragmentierung oder der Entwertung einzelner Wahrheiten immer die Gesamtschau der christlichen Lehre vor Augen zu halten. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) sowie auch das Kompendium bieten uns eben dieses vollständige Bild der christlichen Offenbarung, die glaubend und dankbar angenommen werden muss.“ In Deutsch ergänzte er noch: „Die aufmerksame Lektüre des Katechismus der Katholischen Kirche und der regelmäßige Empfang der Sakramente begleiten und stärken uns auf diesem Weg.“

Der Papst verweist besonders auf die Wichtigkeit der Sakramente, die Petrus Lombardus besonders klar definiert hat. Die Sakramente „haben die Fähigkeit, das göttliche Leben wirklich mitzuteilen“. Durch die Sakramente haben wir die Sicherheit der göttlichen Gnade, zum Beispiel die Vergebung der Sünden durch die heilige Beichte. Man kann sie nicht mit einem Bußakt beim Bußgottesdienst gleichsetzen, der vor Weihnachten und vor Ostern überall angeboten wird. Allein schon die Positionierung vor diesen Hochfesten führt in die Irre. Die gleiche Problematik besteht bei der zu schnellen und selbstverständlichen Anbietung von Wortgottesdiensten als Ersatz für die heilige Messe an Sonntagen.

Ich bin der Überzeugung, dass der größte Teil der Katholiken in unserem Land zentrale Glaubensinhalte entweder nur oberflächlich oder überhaupt nicht mehr kennt. Damit verbindet sich auch die mangelnde Bewusstheit, welche große Gnadengaben unser Glaube uns anbietet und die Notwendigkeit, diese im täglichen Leben auch in Anspruch zu nehmen.

Wichtigster Vermittler ist der Priester und in vieler Hinsicht nur er, wie der heilige Pfarrer von Ars betont. Diese besondere Stellung des Priesters verlangt aber auch die klare, unverfälschte und mutige Verkündigung des Glaubens durch vielfältige Möglichkeiten der Information, besonders auch in der sonntäglichen Homilie. Bischof Mariano Crociata, Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz, macht darauf aufmerksam, wie dürftig, inhaltsleer und für das praktische Leben unbedeutend Predigten in der Regel heute sind. Er geht mit Predigern hart ins Gericht. So sagt er, dass die Ansprachen heute oft nur ein „süßlicher und bedeutungsloser Brei“ sind. Sie seien „ungenießbar und wenig nahrhaft“. Eine gute Predigt sei eine Frage der Lebenshaltung und nicht der Worte. Es ist abgeschmackt, wenn unsere Worte sich „auf ein armseliges Sammelsurium von allgemeinen Ermahnungen und universalem Gutmenschentum beschränken“ (DT vom 5. Januar). Wir dürfen und sollen viel von einem Priester erwarten. Wir müssen aber auch viel für die Priester und alle, die in der Glaubensweitergabe stehen – dazu gehören auch die Eltern und Lehrer – beten.