Vor fünfzig Jahren wurde das Zweite Vatikanum eröffnet: Radikale Hinwendung zu Jesus Christus

Verblüfft bin ich über die Selbstverständlichkeit, mit der der 11. Oktober als Eröffnungsdatum des II. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren ständig genannt wird, ohne dass man nachfragt, warum der Heilige Vater diesen Termin festlegte. Ist es doch seit jeher päpstlicher Brauch, kirchliche Großereignisse mit Gedenktagen in Verbindung zu bringen, die in sich schon Orientierung bieten und als Interpretationshilfe für die kommenden Generationen unverzichtbar sind. Auch Papst Johannes XXIII. hat diese Gewohnheit gerne wahrgenommen, um seine Hauptintentionen zu verdeutlichen: Schon die Einberufung des Konzils am 25. Januar 1959, dem „Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus“, enthält die eindeutige Aussage, dass nur eine radikale Hinwendung zu Jesus Christus eine Erneuerung der Kirche bewirkt.

Die Ansprache am Vorabend des „Hochfestes der heiligen Apostel Petrus und Paulus“, am 28. Juni 1961, „über das Aggiornamento der Kirche nach 20 Jahrhunderten“ bedeutet eine Aufforderung, nach einer neuen Inkulturation der Offenbarung zu suchen angesichts einer Menschheit, die der Versuchung zur Selbsterlösung und Selbstverherrlichung zu erliegen droht.

Schließlich ist festzuhalten, dass die Kirche noch 1962 am 11. Oktober das „Fest der Mutterschaft der allerseligsten Jungfrau Maria“ beging. Papst Pius XI. hat diesen Gedenktag 1931 eingeführt anlässlich des 1 500-jährigen Jubiläums des Konzils von Ephesus, das 431 den nizänischen Glauben bestätigte und feierlich verkündigte, dass „der Emmanuel wahrhaft Gott und deshalb die heilige Jungfrau Gottesgebärerin ist“ (DN 252).

Papst Johannes XXIII. wusste um die große Gefahr des modernen Neo-Arianismus. Die Konzisväter sollten sich deshalb vom Geist der Gottesmutter führen lassen; ein Signal also, das Papst Paul VI. im Heiligen Jahr 1975 veranlasste, im wichtigsten nachkonziliaren Dokument „Über die Evangelisierung in der Welt von heute“ Maria als „Leitstern der Evangelisierung“ (EN 82) der Kirche zu präsentieren. Zum anderen weist dieses Fest auf die alles entscheidende Frage hin, wie die Lehre von der Gottheit Jesu Christi dem Menschen von heute und den kommenden Generationen vermittel werden kann; eine Hauptaufgabe der Weltbischofssynode in Rom und für das „Jahr des Glaubens“.