„Vom vermutlichen Ende des sozialdemokratische Zeitalters“: Das Fundament wackelt

Zum Beitrag „Vom vermutlichen Ende des sozialdemokratischen Zeitalters“ (DT vom 9. Juni): Ich stimme Herrn Seibel zu, wenn er meint, dass die Ära der sozialdemokratischen Parteien zu Ende geht. Allerdings gilt das ebenso für die sogenannten bürgerlichen Parteien. Beide Parteiengruppen betrifft die Krise des Kapitalismus, weil sie beide vor der globalen Wirtschaftswachstums-Ideologie kapituliert haben. Sie haben sich auf dem Niveau einer vermeintlich sicheren Wirtschafts- und Sozial-Ordnung etabliert. Nun aber steht eben diese Ordnung in Frage. Jetzt geht es nicht mehr um die weitere Ausgestaltung dieser Ordnung, sondern um deren Fundamente.

Diese Fundamente sind unterminiert: Durch die Umweltzerstörung und den Klimawandel; durch die wachsende Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern und – innerhalb der Länder – zwischen Wohlhabenden und Verarmten; durch die steigende Arbeitslosigkeit, die diese Ordnung produziert hat; durch die Überalterung in den Industrieländern und die wachsende Bevölkerung in den Dritte-Welt-Ländern; durch die unvorstellbare Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die den kommenden Generationen eine riesige Last aufbürdet, – wenn sie nicht die Währung im Ganzen ruiniert.

Jetzt rächt es sich, dass die Politik der letzten Jahrzehnte der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher gelaufen ist, statt sie zu moderieren. In kollektiver Verblendung haben die Politiker die Augen vor den Folgen dieser Entwicklung verschlossen. Jedenfalls haben sie es versäumt, den Menschen reinen Wein einzuschenken über das, was passieren wird, wenn wir so weiter produzieren und konsumieren. Aber statt sich mit dieser Situation auseinander zu setzen, fangen sie schon wieder an, sich gegeneinander zu profilieren, statt miteinander nach Lösungen zu suchen. Bei jedem Wahlkampf tun sie das, was einen gesunden Menschen anwidert: Sie machen in Selbstlob und setzen den Gegner herab. Sie verlieren damit jede Glaubwürdigkeit. Leider spielen die Medien dieses böse Spiel mit.