Umworben und gewonnen

Unterwegs auf dem Jakobsweg
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In letzter Zeit sind einige Dinge passiert, die in mir eine Haltung des Misstrauens haben wachsen lassen. Ich fühlte mich rastlos und weit weg vom Herrn. Und dann las ich in dem Buch „Weißt du nicht, wie schön du bist?“, dass das Wesen der Frau darin besteht, die Schönheit Gottes in die Welt zu tragen, und zwar nicht nur rein äußerlich betrachtet, sondern sie tut es, indem sie DA ist, ihr Herz in Seinem Frieden ruhend, sich ganz Ihm hingebend, zu Seinen Füßen sitzend, wie Maria (vgl. Lk 10, 38ff). So spiegelt sich Seine Schönheit auf ihrem Antlitz wieder. Ich habe mir nur gedacht: „Na toll, ich fühle mich gerade alles andere als in Dir ruhend, eher gehetzt und wie in einem Hamsterrad.“ Und ich habe Ihn angefleht, mich da rauszuholen.

Dann bin ich in die Arbeit gefahren, zum 09.00-Uhr-Gottesdienst. Und dann… Dann merkte ich, dass der Gottesdienst erst um 10.30 Uhr ist. Ich habe mich so geärgert über meine Dummheit. Da gäbe es so viel zu erledigen und dann „vergeude“ ich meine Zeit durch so eine Unachtsamkeit!

Und inmitten meines Grolls gingen mir plötzlich die Augen auf und ich musste grinsen. „Geschickt eingefädelt, mein lieber Bräutigam! Da lockst du mich unter dem Vorwand, dass ich arbeiten muss, an einen Ort, an dem ich nichts mithabe, was ich tun könnte, an dem mich kein Mensch ablenkt und lässt als Krönung auch noch die Sonne scheinen, in der die herbstlichen Bäume golden leuchten!“

Er hat alles getan, mich zurückzugewinnen, hat sich sozusagen Zeit mit mir „erschlichen“. So bin ich Seiner Einladung auf einen Spaziergang mit Ihm gefolgt. Wir waren auf abenteuerlichen Wegen unterwegs, von denen ich nicht wusste, ob sie mein Rollstuhl packt, doch Er hat mir zugeflüstert: „Komm, wir schaffen es!“ Ich habe mich gefühlt wie eine kleine Prinzessin an der starken Hand des Königs, der mir sein Reich zeigt. Und es war wunderschön! Von hoch oben der Blick auf weite Felder und bunte Bäume bei strahlend blauem Himmel. Immer wieder habe ich mich jauchzend im knisternden Teppich von buntem Laub gedreht.

Als wir in den Wald einbogen, kamen wir zu einem geheimnisvollen Tunnel mit einem Gitter davor – wahrscheinlich ein Notausgang, denn von Ferne hörte man Autos brummen. Ich begann den Herrn aus vollem Herzen und voller Kehle zu preisen und der Schall kam zehnfach aus dem Tunnel zurück. Danke Jesus, dass du mich zurück nach Hause an dein Herz geholt hast!

Die Autorin, 28, ist Pastoralassistentin in der Pfarrei Graz-Christkönig