Umsonst, aber nicht vergeblich

Marias Milch (II)
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Man muss schon ganz schön aufpassen, dass alles seine Richtigkeit hat und man selbst nicht zu kurz kommt. Das ist wohl eine menschliche Grundeinstellung, die scheinbar jedem in die Wiege gelegt ist. Immer nachrechnen, was für mich selbst rausspringen könnte. Schon mal im Voraus planen, was unterm Strich für mich rauskommt. Ob es sich überhaupt rentiert, sich die Hände schmutzig zu machen oder ob es doch nicht sinnvoller ist, nichts zu machen. Es lohnt sich ja doch nicht. Man hat nur Scherereien, unnötigen Aufwand und am Ende gibt es nicht einmal ein „Dankeschön“. Um solche Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man schon vorher planen und nachrechnen, damit die ganze Arbeit nicht umsonst war.

Das Wort „umsonst“ kennen wir im Deutschen in zwei verschiedenen Bedeutungen: Einerseits „umsonst“ im Sinne von gratis, geschenkt, etwas, das man ohne Bezahlung erhält. Und andererseits „umsonst“ als etwas, das vergeblich war und sich nicht ausgezahlt hat. Umsonst gibt es Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten, umsonst war aber auch so manche Mühe, die wir uns gemacht haben und die am Ende ohne den erwarteten Zuspruch geblieben ist.

Auch in unserer Kirche und im Leben so mancher christlichen Gemeinde sind manche Dinge scheinbar umsonst (und zwar im Sinne der zweiten Wortbedeutung). Da fragen sich viele Gemeindemitglieder, ob sich Gottesdienste überhaupt noch lohnen, wenn der Zuspruch immer geringer wird. Da rechnen Menschen, ob es sich rentiert, sich in der Gemeinde als Mesner, Organist oder Lektor zu engagieren und wieviel am Ende für sie rausspringt. Wäre ja auch schade, wenn man so viel Mühe und Liebe in eine Sache investiert und schließlich muss man einsehen, dass es umsonst war. Die erwartete Bewunderung bleibt oft aus, gerade auch bei ehrenamtlichen Tätigkeiten. Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt noch? Wäre es nicht angemessener, das Angebot zu reduzieren, sich zu verkleinern und manches aufzugeben?

Jesus legt den Jüngern und somit auch uns eine andere Einstellung ans Herz. Er sagt seinen Jüngern: „Umsonst hat ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Nicht vergeblich. Nein, vergeblich sollen die Jünger nicht empfangen und vergeblich sollen sie auch nicht geben. Denn sonst würde Jesus sie gar nicht erst aussenden. Wenn er schon im Vorhinein weiß, dass die Verkündigung der Jünger nichts bringt, könnte er sie auch zuhause sitzen lassen. Aber die Mühe der Jünger lohnt sich.

Was die Jünger an die Menschen weitergeben, das geben sie nicht

vergeblich

Was sie an die Menschen weitergeben, das geben sie nicht vergeblich. Aber sie geben es kostenlos, gratis, umsonst. So nämlich sollen wir den Menschen das Wort Gottes verkünden: Nicht rechnend, was es uns einbringt und nicht ständig fragend, was wohl für uns dabei rausspringt. Wir sollen den Menschen das Evangelium schenken, ihnen von Jesus erzählen – ohne Erwartungshaltung.

Ob sich unsere Mühen lohnen, das brauchen wir nicht selbst zu entscheiden. Das liegt allein in Gottes Hand. Unser Auftrag, den wir von Jesus erhalten haben, ist ein anderer: Den Menschen immer wieder und immer neu Zeugnis von der Hoffnung geben, die uns erfüllt. Nicht vergeblich, aber umsonst.

Der Autor, 26, studiert Katholische Theologie in Würzburg