Über die Äußerungen von Erzbischof Zollitsch zum Zölibat: Die Kirche krankt an Aktionismus: Problem geistlicher Sprachlosigkeit

Der Leserbrief „Geistliche Leere in unserer Kirche“ von Prof. Dr. Lothar Wehr, Eichstätt (DT vom 6. März), findet meine volle Zustimmung. Ich darf vielleicht aus meiner Sicht ergänzen:

Die ganze Diskussion um den Zölibat, die interessanterweise mehrheitlich von vielen thematisiert wird, die persönlich damit überhaupt nichts zu tun haben, hat nur Vordergründigkeitscharakter! In Wahrheit geht es, wie in der Thematik des Leserbriefes formuliert, um das Ärgernis der geistlichen Leere! Dagegen steht der Versuch, mit einem überproportionalen Aktionismus eine Lebendigkeit zu erzeugen, deren Grund nur in einer Glaubensspiritualität zu finden ist. Sie aber entsteht aus geistlichen Berufungen. Sie sind nicht abhängig von äußeren Fakten, die man anbietet wie moderate Arbeitsplätze mit entsprechenden Tarifverträgen und äußeren Modalitäten, sondern von dem Ruf, den jemand innerlich verspürt und dem man nicht ausweichen kann, es sei denn, man nimmt ihn an.

Wenn Kirche nur als Konstrukt mit Rechtscharakter einer juristischen Person wahrgenommen wird, dann ist sie nichts anderes als eine Firma, deren Angehörige mit ihnen zugesprochenen Rechten und abverlangten Pflichten zum Wohl der Firma und zu ihrem eigenen Wohl tätig sind. Verstehe ich Kirche aber als das, was sie sein soll und sein kann, dann kann ihre inhaltliche Voraussetzung nur „Fülle des Geistes“ sein.

Wo der Geist aber schwindet, an seine Stelle bloße Funktion tritt, die den Betrieb aufrechterhalten soll, da darf man sich über leere Räume (Kirchenräume) nicht wundern. Sie werden auch mit einer Aufhebung des Zölibats nicht gefüllt. Kirche krankt an einem Aktionismus, der sich in allen möglichen Räten und Macher-Ideen darstellt, ohne das zu bewirken, was den „Leib“ lebendig macht: Glaube und Glaubensgeist!

Anstelle der allzu vielen Reden in allzu vielen Räten und selbstgemachten Ausschüssen von sich wissend dünkenden oder ratlos suchenden Mitgliedern, bräuchten wir Beter, denen der Hl. Geist kein Integrationsproblem innerhalb der Kirche ist. Eine Kirche ohne ihn ist wie eine Firma, deren Gründer zwar bekannt ist, die auch seinen Namen trägt, die aber Absatzschwierigkeiten hat, weil das, was sie herstellt, von Leuten verkauft wird, die nicht mehr wissen, warum die Firma gegründet wurde und warum sie ausgerechnet ihre Ware den Menschen anbietet. Gekauft wird dann eben nur, was gefällt oder was für notwendig erachtet wird.

In diese Firma bewerben sich dann nur noch jene, die für sie akzeptable Tarifverträge vorfinden. Vorausgesetzt, der Arbeitsmarkt ist gesättigt. Aber selbst davon kann keine Rede sein. Es heißt immer noch: „Die Ernte ist groß, aber es sind nur wenig Arbeiter. Sende Arbeiter in deinen Weinberg!“

Die Hoffnung stirbt jedenfalls nicht, die in der 4. Strophe des Pfingstliedes zum Ausdruck kommt: „Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig“. Kirche ist auch in der Welt, aber nicht von der Welt.

Sehr vorsichtig nimmt der Kommentar „Denkgebote“ in der „Tagespost“ (DT vom vom 19. Februar) zu dem Stellung, was der neue Vorsitzende losgetreten hat. Auch auf S. 5 dieser Ausgabe liest man sehr Ausgewogenes dazu.

Ist es so wichtig, dass die katholische Kirche gegen „Denkverbote“ angeht? Beim Denken funktioniert das beliebte Prinzip der Beliebigkeit nicht. Was der Schnäppchenjäger auf der Rolltreppe denkt und was Thomas von Aquin gedacht hat, entspricht nicht dem gleichen Vorgang.

Muss sich ein Bischof auf Kosten eines anderen profilieren, indem er sich über dessen Wortwahl erhebt? Die „Gebärmaschine“ war ja als Kritik an einer materialistichen Haltung der Linken gemeint, an einem durchaus maschinengemäßen Denken aus antireligiöser Sicht auf das Kind, das der Gebärerin nach dem noch nicht technisch machbaren Vorgang des Gebärens baldigst weggenommen werden soll, damit sich die ihre Funktion erfüllt habende Frau möglichst schnell wieder in den Produktionsprozess einklinken kann und das Kind schnellstens von Staats wegen sozialistisch konditioniert wird.

Es fällt auf, wie eilig sich ein an exponierte Stelle Gewählter den Medien an die Brust wirft. Und zwar durchaus zweckmäßig denkend: kann er doch bald in allen Talkshows auftreten und eine Art von nicht ganz protestantischer, aber doch protestierender Kirche in nicht ganz vollumfassendem Sinne vertreten.

Gerade damit aber wird eine Leerstelle deutlich, nämlich die Stelle, an der ein beseeltes Wort stehen sollte, ein Wort, das einen Abglanz des Spirituellen vermittelt. Derlei hat man nicht vernommen, aber dafür sind Priester zuständig. Wieder zeigt sich, dass das geistliche Wort nur sehr, sehr wenigen gelingt. Unser Papst beweist gerade darin seine Einzigartigkeit.

Die gequetschten Laute, die zur Wahl Benedikts XVI. aus der deutschen Amtskirche zu hören waren, ließen schon nichts Gutes ahnen; jetzt geht es im selben Stil weiter. Das Wohlwollen des libertär-sozialistischen Lagers kann aber doch nicht die echte Seelennahrung sein. Noch weniger begleitet es fördernd die Neu-Evangelisierung.

Es wäre gut, wenn Sie sich einmal mit dem Problem der geistlichen Sprachlosigkeit befassen würden sowie mit der dazugehörigen Frage, ob libertär-tolerantes Mitsingen im Chor der Gegenseite Ersatz dafür sein soll.