Türkische Taufe

Am Fenster unseres Reisebusses zieht die türkische Landschaft vorbei. Dazu hallt mir der noch nicht ganz so vertraute Klang der türkischen Sprache in den Ohren. Allerdings ist mir der Inhalt bekannt, denn wir beten gerade den Rosenkranz. Wir, das ist die katholische Gemeinde von Izmir und eine Handvoll Gäste. Der Bus ist auf dem Weg zu dem Haus der Jungfrau Maria, das nahe bei Ephesus liegt. Hier soll sich die Jungfrau Maria nach dem Tode Jesu aufgehalten haben. Was gesichert ist, ist dass der Apostel Johannes hier gelebt hat und auch hier begraben liegt. Direkt bei dem Haus der Jungfrau Maria nehmen wir am Vorabend des Pfingstfestes an einer Vigil teil. Betend und singend ziehen wir schließlich zu dem Haus, um dort auch die heilige Messe zu feiern. Begleitet werden wir dabei von schwer bewaffneten Soldaten, die für unseren Schutz sorgen.

Die Vigil dient als Vorbereitung für etwas noch Größeres. Denn am Tag darauf wird in Izmir am Pfingstsonntag nicht nur die Ausgießung des heiligen Geistes gefeiert, sondern es finden auch zehn Erwachsenentaufen mit Firmung und Erstkommunion statt. Mit dabei der 19-jährige Pfadfinder Serkan, auf dessen Einladung einige deutsche Pfadfinder und ich nach Izmir gekommen sind. Ganze fünf Jahre hat sich Serkan im Katechumenat auf diesen Moment vorbereitet. Für ihn als Moslem ist dieser Schritt nicht ganz einfach, nicht nur weil gerade mal 0,2 Prozent der türkischen Bevölkerung Christen sind. Die hohen Mauern um die Kirche und die zerstörten Statuen im Vorhof sprechen für sich. Von den Schwierigkeiten lässt sich Serkan aber nichts anmerken, ganz im Gegenteil, er sprüht nur so vor Freude. Der Bischof selbst ist gekommen, um den Katechumenen das „Sakrament der Wiedergeburt durch das Wasser im Wort“ (vgl. Katechismus) zu spenden. Serkan hat als Taufnamen den Namen des großen heiligen Papstes Johannes Paul II. gewählt. Nach der Taufe zieht die Gemeinde vom Taufbecken wieder in den vorderen Teil der Kirche. Von der Empore regnet es dabei Rosenblätter, die, ähnlich wie im Pantheon in Rom, die Feuerzungen des heiligen Geistes symbolisieren sollen.

Bewegt und beeindruckt bin ich nicht nur von der schönen Liturgie, sondern auch von dem großen Einsatz und der Begeisterung, mit der sich Serkan und die anderen Katechumenen um ihre Taufe bemüht haben. Die Christen dort sind nur eine kleine Herde, und doch zeigt sich, dass ihnen der Glauben wichtig und Christus in ihrer Mitte ist. Eine Begeisterung, die ansteckt. Reich beschenkt kehre ich nach Deutschland zurück.

Der Autor, 30, arbeitet als Softwareentwickler und engagiert sich für die Katholische Pfadfinderschaft Europa in Nürnberg