Slowenien: Der Erzdiözese Maribor droht nach Finanzspekulationen der Konkurs – Zum Artikel „Das Geld ist weg, das Vertrauen noch mehr“: Die Kirche ist keine Wirtschaftsorganisation

Mit Interesse habe ich den Bericht von Stephan Baier über die Vorgänge im slowenischen Erzbistum Maribor verfolgt (DT vom 10. September). Innerhalb von zwei Jahren hat der Vatikan drei slowenische Erzbischöfe wegen Misswirtschaft um ihren Amtsverzicht gebeten. Was haben die hohen kirchlichen Geistlichen, die persönlich äußerst bescheiden leben, falsch gemacht? Sie strebten nach einer vom Staat unabhängigen Finanzierung kirchlicher Einrichtungen wie Schulen, Altersheimen oder Kindergärten. Ihre Pläne scheiterten an ihren offenbar unfähigen ökonomischen Beratern wie auch an der allgemeinen weltweiten Wirtschaftskrise. Dafür übernahmen sie die Verantwortung und besinnen sich jetzt in Gebet und Buße. „Die katholische Kirche ist keine Wirtschaftsorganisation“, betont Papst Franziskus. Und er hat recht damit.

Dieser schmerzliche Skandal zeigt ein Defizit an effektiver Machtkontrolle in der katholischen Kirche. Verwunderlich ist nur, dass bis dato noch kein Nuntius oder anderer hoher vatikanischer Würdenträger, die doch von diesen offenbar so riskanten Finanzspekulationen schon seit mindestens zehn Jahren Kenntnis haben mussten, wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflichten in diesem und anderen Fällen ihr Amt aufgaben oder es ihnen auch nur nahegelegt wurde. Ebenso eigenartig ist, dass nur die kleine benachbarte Diözese Graz-Seckau mit ihrem Know-how und ihren Finanzen eine solidarische Hilfe leistet. Die deutschen Bischöfe, die das Erzbistum Berlin vor dem Bankrott bewahrten, halten sich auffallend zurück. Auch die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) schwieg. Der Rettungsschirm ist anscheinend nur für den EURO angebracht, aber nicht für die Rettung eines kirchlichen Gymnasiums, das mit großer Mühe in 20 Jahren aufgebaut wurde.

Alle drei Erzbischöfe sind exzellente Theologen und waren in Slowenien als hervorragende Seelsorger beliebt. Als Beispiel sei hier nur Erzbischof Stres erwähnt, der unter anderem über 25 Jahre Präsident der Kommission Iustitia et Pax war und bis heute von der slowenischen Bevölkerung wegen seines mutigen und klaren Eintretens, vor allem in den Zeiten der kommunistischen Diktatur, bis zum heutigen Tage eine hohe Wertschätzung erfährt. Gerade in seinem Fall erhebt sich ein anderer, schwerwiegenderer Verdacht: Sollte hier ein verdienter Mann der Kirche, der für sein energisches und konsequentes Vorgehen gegen innerkirchliche Missstände bekannt ist, auf diese Weise abgestraft werden? Ob an ihnen nur ein Exempel statuiert werden sollte, oder ob die Abberufung der slowenischen Erzbischöfe ein echtes Signal des neuen Kurses des Vatikans, der ein strenges Vorgehen gegen jegliches Fehlverhalten seiner Amtsträger beinhaltet, ist und daher in einem größeren Kontext steht, bleibt abzuwarten.