Skandalöse Behandlung des Grazer Psychiaters Raphael Bonelli: Schnell und voll rehabilitieren

Die Tatsache, wie man mit einem engagierten jungen Kollegen umgeht und wie man fähig ist, den Erfolg seiner wissenschaftlichen Aktivitäten und auch seine Karriere zu ruinieren, ist für mich als ehemaligen Dekan der Medizinischen Fakultät ein Albtraum („Die Tagespost“ berichtete am 26. August auf Seite 3). Dozent Bonelli hat bislang die Anklageschrift des Klinikvorstands nicht ausgehändigt erhalten, zu der er hätte Stellung nehmen können; im „vorläufigen Endbericht“ vom 31.07. werden viele Vorwürfe nur ohne Konkretisierung ausgesprochen. Es wurde eine sicherlich nicht objektive Kommission gebildet, ist ja auch der Klinikvorstand und Hauptankläger Mitglied dieser Kommission (wenn auch ohne „Stimmrecht“). Es bestehen daher Zweifel an der Aufrichtigkeit der Kommission und wohl auch die berechtigen Befürchtungen, dass die Kommission undemokratisch und unkollegial vorgehen würde.

Diese Befürchtungen sind bestätigt worden, da der „vorläufige Endbericht“ weder den Standpunkt Bonellis enthält, noch in irgendeinem Punkt für die Zukunft diese Absicht erkennen lässt. Der klassische Rechtsgrundsatz aus dem Römischen Recht „Audiatur et altera pars“ ist hier schlichtweg ignoriert worden. Es ist in einem Rechtsstaat völlig unverständlich, dass es seit zwei Monaten keine Möglichkeit für Dozent Bonelli gibt, sich gegen konkrete Vorwürfe zu verteidigen.

Zu vermerken ist auch, dass ein renommierter Rechtsanwalt nach der Schilderung der Vorwürfe gesagt hat, selbst wenn die Vorwürfe zuträfen, handle es sich eigentlich um „peanuts“. In Anbetracht der Tatsache, dass Dozent Bonelli durch seine unermüdliche Aktivität größere Geldsummen für wissenschaftliche Projekte, von denen eine ganze Anzahl von Mitarbeitern sowohl wissenschaftlich als auch finanziell profitiert haben, akquirieren konnte, erscheint es nun lächerlich, von ihm die Zahlung eines Teils der Blutuntersuchungen aus privaten Mitteln zu verlangen. Übrigens konnte nachgewiesen werden, dass die Ergebnisse der inkriminierten zusätzlichen Blutuntersuchungen auch ohne Projektbezug für die Beurteilung der Patienten nützlich waren und dass der Klinikvorstand über dieses Projekt sehr wohl informiert war und an Publikationen darüber als Mitautor teilgenommen hat.

Man hat die wissenschaftliche Karriere von Bonelli in einer selten brutalen Weise unterbrochen. Es besteht leider kein Zweifel, dass die Vorgänge in Graz dem Ruf des Spitals und der Medizinischen Universität schaden, insbesondere weil Bonelli durch seine Arbeiten weltweit bekannt ist und geschätzt wird. Es wird die Universitätsklinik für Psychiatrie wohl kaum mehr einen Mitarbeiter haben, der in so kurzer Zeit so viele qualifizierte Publikationen vorweisen kann.

Ich bin der Meinung, dass es dringend notwendig ist, Dozent Raphael Bonelli schnellstens und vollständig zu rehabilitieren. Es erscheint mir vollkommen klar, dass anderenfalls anstelle des Falles Bonelli ein für die Universität viel unangenehmerer Skandal tritt. Schon jetzt lässt sich absehen, dass die Intrige nach hinten losgeht.