Sieferle und sein Buch „Finis Germania“: War Jesus kein ethischer Universalist?

Zu „Unbeachtete kulturpessimistische Quintessenz“ (DT vom 9. September): Die Bücher von Rolf Peter Sieferle sind zweifellos einer ernsthaften Auseinandersetzung wert. Sie können nachdenklich machen und sollten nicht totgeschwiegen werden. Deswegen habe ich mich sehr über die Rezension von Felix Dirsch gefreut. Ich bin jedoch enttäuscht, dass der Rezensent an keiner einzigen Stelle einen betont christlichen Standpunkt einnimmt und die Thesen von Sieferle nirgends vom christlichen Glauben her kritisiert oder zumindest problematisiert. Dies darf man eigentlich in einer katholischen Zeitung erwarten.

Rolf Peter Sieferle wütet zum Beispiel permanent gegen einen „humanitären Universalismus“, der „im Grunde nur Menschen kennt, die in ihrer Substanz gleich sind“ („Das Migrationsproblem“, S. 87). Oder er teilt die Welt sogar ein in „zivilisierte Länder“ und „Barbarengebiete“ (ebenda, S. 40). Das – und einiges Andere – kann man meines Erachtens als Christ nicht unkommentiert lassen.

Hat Jesus etwa keinen „ethischen Universalismus“ vertreten? Hat er jemals gefragt: Was hast du für die Angehörigen deines eigenen Volkes getan? Hat er nicht vielmehr gefragt: Was hast du für den geringsten Menschen getan?

Erich Schmitt, Pfarrer i.R.,

66994 Dahn