Rücktrittsforderungen werden immer lauter: Zur Auseinandersetzung um den Bischof von Limburg, Tebartz-van Elst: Schweißperlen auf der Stirn der Bischöfe : Die Augen nicht vor Tatsachen verschließen : In eine Wand gestiegen, aus der es kein Zurück gibt : U

Die Causa Bischof Tebartz-van Elst lässt dem deutschen Episkopat die Schweißperlen auf die Stirn treten. Längst hat man erkannt, dass diese Welle sich zu einem wahren Tsunami für die katholische Kirche in Deutschland auswachsen könnte. Der von Papst Benedikt XVI. geprägte und von Papst Franziskus mit Leben gefüllte Begriff der Entweltlichung könnte, befeuert durch die von den Medien zu einem unglaublichen Skandal aufgeblasenen Vorgänge in Limburg, in Deutschland schon bald dramatische Realität werden. Noch sind die medialen Spots nur auf den Limburger Domberg gerichtet. Doch das ist nur der erste Akt. Danach wird man auch anderen Bistümern in die Bücher schauen und weitere Fälle von Verschwendung der Kirchengelder kolportieren.

Dabei wird die Frage nach dem vermeintlichen Reichtum der deutschen katholischen Kirche immer lauter durch die Medien schallen. Um es abzukürzen: Der Fall Tebartz-van Elst hat das Zeug, das ganze deutsche Kirchensteuersystem zum Einsturz zu bringen. Mir bleibt mit Blick darauf nur eine Frage: Wäre das wirklich so schlimm oder nicht vielmehr eine Riesenchance für eine Erneuerung im Sinne der von unseren beiden Päpsten geforderten Entweltlichung?

Im Blickpunkt „Offene Fragen in Limburg“ („Tagespost“ vom 12. Oktober 2013) sprechen Sie Probleme an, welche durch die Amtsführung des Bischofs aufgetreten sind. Man kann Ihnen zustimmen, wenn Sie meinen, dass ein Rücktritt des Bischofs nicht automatisch einen Neuanfang ermöglicht und der Bischof nicht für alle bekannt gewordenen Fehler allein verantwortlich ist. Das wird man auch in Rom so sehen, kann aber selbst dort nicht die Augen vor jetzt unstreitig gewordenen Tatsachen verschließen. Das betrifft zum einen den Führungsstil, den zu verbessern der Bischof nach den Gespräche mit dem päpstlichen Beauftragten zugesagt hat. Hier gibt es nach wie vor erhebliche Meinungsverschiedenheiten wie zum Beispiel hinsichtlich der Verwaltung der Finanzen des Bischöflichen Stuhls. Nicht auszuräumen ist auch die strafrechtlich relevante unrichtige eidesstattliche Erklärung des Bischofs, wo Dritte wohl kaum eine Mitverantwortung tragen.

Bei der technischen und finanziellen Abwicklung des Bauvorhabens am Domberg kann man zwar davon ausgehen, dass der Bischof schon aus Zeitgründen sich auf kompetente Fachleute des Ordinariates und den Architekten verlassen musste. Soweit er aber selbst kostensteigernde Alternativen oder Änderungen verursachte, bleibt er verantwortlich, auch wenn Dritte für die Durchführung im Detail sorgten. Die Auswirkung auf die Baukosten dürfte inzwischen feststehen.

Der Bischof hat, wie unschwer zu erkennen, in letzter Zeit an Unterstützung verloren. Das hängt wohl damit zusammen, dass erst seit kurzem die ungewöhnlich hohe Baukostensumme von mindestens 31 Millionen Euro und die Differenzen bei der Verwaltung der Finanzen des Bischöflichen Stuhls bekannt sind, zudem jetzt auch die strafrechtlichen Konsequenzen einer unrichtigen eidesstattlichen Erklärung offenbar wurden. Das hätte auch der Weihbischof durch Loyalitätserklärungen statt des ihm angelasteten „dröhnenden Schweigens“ nicht verhindern können. Bei seiner Nähe zum Bischof – und für diesen eher belastend – wäre von „bestellter Arbeit“ gesprochen worden.

Normalerweise baut ein Bischof kein eigenes Bischofshaus. Er findet es bei seinem Dienstantritt vor. In Limburg war das alles anders. Der Vorgängerbischof hatte sich geweigert, in das traditionelle Bischofshaus in der Stadt einzuziehen. Als früherer Regens eines Priesterseminars wollte er in der Nähe der jungen Leute bleiben. Ob das dem Seminar gut getan hat, kann bezweifelt werden. Das Bischofshaus diente verschiedenen Zwecken und war gegen Ende seines Episkopates für den Nachfolgerbischof nicht mehr verfügbar. Dem Domkapitel fiel zuletzt ein, dass der künftige Bischof auch ein Bischofshaus brauche und kam auf die gute Idee, dies auf der baulich vernachlässigten Westseite des wunderbaren Domberges gegenüber dem Dom zu errichten. Es gibt wohl in ganz Limburg keinen heikleren Ort zum Bauen. Fünf Millionen Euro sollten genügen. Der erste Bauentwurf endete nach einer Affäre im Papierkorb.

Der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war indessen in die Seminarwohnung seines Vorgängers eingezogen, das zu einem Tagungshaus geworden war und für das gilt, was Reinhold Schneider über sein Vaterhaus, das Hotel Messmer in Baden-Baden, sinngemäß sagte: „Wo die Türen nicht geschlossen sind, kann keine familiäre Heimat entstehen.“ Der Bischof litt darunter und nahm den Bau des künftigen Bischofshauses in die eigene Hand, damit es endlich vorwärts ginge. Das Werk ist gelungen, die Stadt Limburg bedankte sich dafür. Eine städtebauliche Leistung, die dem Dom ein würdiges Gegenüber gibt und dem Domberg, der ja Landschaft und Architektur harmonisch verbindet, nun auch auf seiner Rückseite ein gutes Aussehen schenkt.

Auf ganz andere Weise hat sich die Diözese „bedankt“. Das Glück, einen Bischof zu haben, der Tatkraft und einen Sinn für Kultur und Schönheit besitzt, kann man nicht begreifen. Natürlich hat sich der Bischof total übernommen, ist in eine Wand eingestiegen, aus der es kein Zurück gab. Er hatte nicht die Zeit, die sein Vorgänger, Bischof Franz Kamphaus, ungenutzt verstreichen ließ, um ein solches Haus gründlich zu planen, zu kommunizieren und zu bauen. Sein größter Fehler allerdings war es, dass er das Fehlen eines Bischofshauses falsch gedeutet hat.

Es war der Mangel an Glauben in unserem Bistum, dass der Bischof ein Nachfolger der Apostel ist und dass unser inkarnatorischer Glaube Gestalt finden will. Ein Superintendent zum Beispiel braucht keinen Bischofssitz, keinen Bischofsstuhl, keine Bischofsinsignien und keine Bischofsliturgie.

Das Gemetzel um den Bischof von Limburg geht weiter. Die „Frankfurter Allgemeine“, der moralische Zeigefinger der Nation, und andere nicht weniger, haben ihr Urteil bereits gefällt. Die Öffentlichkeit ist jedenfalls einen Schritt weiter in der Einsicht, dass viel Geld der Kirche nicht gut tut beziehungsweise dass sie besser kontrolliert werden sollte ...

Dabei steht uns im Falle Limburg kein Urteil zu, solange keine Untersuchungsergebnisse vorliegen! Zu widersprüchlich und unseriös ist das Rauschen im Blätterwald. Die genannte Bausumme hört sich in der Tat ungehörig an. Vielleicht sie es auch. Aber, im Vergleich dazu: Vor einiger Zeit wurde in einer süddeutschen Diözese ein neues Ordinariatsgebäude errichtet. Endsumme: 40 000 000 Euro. Es ist davon auszugehen, dass alles regulär abgelaufen ist, und dass vor allem Kirchensteuermittel zur Anwendung kamen. Aber merkwürdig ist doch, was die enorme Bausumme angeht: Argumente wie in Limburg waren dort nicht zu hören: Verschwendung von Kirchensteuermitteln, Schlag ins Gesicht der Harz IV-Empfänger und so weiter. Es gibt einen geringfügigen Unterschied zwischen den respektiven Bischöfen: Der süddeutsche ist alles andere als konservativ, und der Limburger ist mit diesem Makel behaftet.

In einer Ausgabe der „Welt“ war die Rede von der auffälligen Pilgerbewegung von Linken, vor allem von Ex-Stasi-Mitarbeitern, zum Amtsgericht Hamburg. Allem Anschein nach gibt es da Schützenhilfe für Gysi cum suis, sie kommen dort besser weg als anderswo. Da kann man gespannt sein, was im Fall Limburg noch alles aus dieser Ecke kommt. Wie immer die Dinge weitergehen, der Bischof von Limburg wird sich der Situation mit Konsequenzen in der einen oder anderen Richtung stellen müssen. Aber, wir reißen das Maul nicht gegen ihn auf, wir beten für ihn.

Wer sich in der Bibel auskennt, weiß, dass auch Männer Gottes (Abraham, Jakob, Mose, David, Petrus) alle ihre Schwachstellen hatten. Bei Bischof Tebartz-van Elst ist es offensichtlich der zu sorglose Umgang mit Geld. Er hätte schon mal fragen sollen: „Können wir uns das auch leisten?“ Wobei bis jetzt keine einzige Meldung besagt, er habe das Bischofshaus auf Pump gebaut. Es ist doch gut, wenn vorhandenes Geld investiert wird. Allerdings könnten die Gemeinden unseres Bistums den einen oder anderen Euro gut selber gebrauchen.

Das andere ist der Umgang mit der Wahrheit. Es wird Bischof Tebartz-van Elst vorgeworfen, er hätte gelogen. Er hatte gesagt, dass er Business Class geflogen sei und er hatte damit gemeint, dass er Business Class bezahlt habe. Ich meine, dass er mit dieser Formulierung nicht die Unwahrheit gesagt hat. Natürlich wäre es weniger missverständlich gewesen, wenn er gesagt hätte: „Ich habe Business Class bezahlt und bin in der 1. Klasse gesessen. Wie dem auch sei: Es ist gut, dass Bischof Tebartz-van Elst die ganze Sache jetzt dem Papst anheimstellt. Ich vertraue Papst Franziskus, dass er eine gute und hilfreiche Entscheidung fällt.