Parsifal in Bayreuth: Zur Diskussion über Sinn und Unsinn der modernen Regietheaters: Muss man das wirklich verstehen wollen?

Alexander Riebels lobende Besprechung der Bayreuther Parsifal-Inszenierung (DT von 12. August) zeigt, dass „Regietheater“ mittlerweile als Normalität angesehen wird. Hans Neuenfels, frühester Verfechter des Regietheaters, formuliert deutlich sein Konzept: Der Inhalt einer Oper muss zerbrochen und wieder neu zusammengesetzt werden. Die Inszenierung ist dann ein Erfolg, wenn die Zuschauer schockiert sind.

Aus diesem Konzept sind einige Schlüsse zu ziehen: Der Regisseur tritt gleichberechtigt oder überlegen dem Textdichter und Komponisten gegenüber. Er versteht Regie als autonome Kunst, die von anderen hinterfragt werden mag, die er aber für sich selbst nicht hinterfragen lässt. Geschichtliche Aspekte des Inhalts und Intentionen des Verfassers oder Komponisten stellen für ihn keine wesentliche Verpflichtung mehr dar, was letztlich einen Zwang zur Verfremdung zur Folge hat. Da die originalen Texte und Kompositionen vom Glauben an menschliche Werte geprägt sind, müssen auch diese verfremdet werden: etwa natürliche Lebensfreude, wie sie aus dem Matrosenlied des Fliegenden Holländers „Steuermann, lass die Wacht“ klingt. In einer Inszenierung von Verena Kerssenbrock (Gut Immling) entkleidet sich eine Stripteasetänzerin vor den Matrosen und lässt sich von ihnen in verdeckter, aber unzweideutiger Weise in die Horizontale bringen.

Wenn nun die Deutung eines historischen Kunstwerks (hier Oper und Schauspiel) nur der autonomen Kunstauffassung des Regisseurs verpflichtet ist, fordert sie für sich den gleichen Rang, die gleiche Geltung und Anerkennung wie die auf Objektivität zielende Wissenschaft von Kunstdeutung.

Ein solche Haltung dehnt sich auch auf andere künstlerische Bereiche aus, wie die Ausstellung im Warschauer Nationalmuseum „Ars Homo Erotica“ (DT vom 10. August) beweist, wo der heilige Sebastian „als wollüstig-nackter Patron der Homosexuellenszene präsentiert wird, der angeblich Verfolgung und Leiden auf sich nehmen muss, wie die Homosexuellen heute“. Ein Versuch modernen Ungeistes, Geschichte zu instrumentalisieren! Wie sieht die Alternative zum Regietheater aus, die sich diejenigen nicht vorstellen können, die sich ihm verschrieben haben? Auch die Alternative bedarf der Deutung und Gestaltung des Regisseurs, aber aus der Wahrheit der Geschichte. Diese kann jedoch nur finden, wer an die Wahrheit selbst glaubt. Auf die Frage „Was ist der Mensch und wie wurde er durch die Jahrhunderte gesehen?“ kann nur der eine interpretierende Antwort geben, der an Gottes Heilswirken in der Geschichte glaubt. Aber welcher Regisseur glaubt daran heute? Muss der Christ wirklich mit aller Gewalt die verquasten Ideen moderner Inszenierungen kennen und verstehen wollen?