Papst Franziskus kritisiert Krankheiten der Kurie : Wir alle müssen uns an die eigene Brust schlagen

Als die Meldung, Papst Franziskus habe seiner Kurie „die Leviten gelesen“, genüsslich in den Medien breitgetreten wurde, war ich zunächst erstaunt bis verärgert. Denn ich sagte mir: „Wenn ich meinen Mitarbeitern den Kopf waschen muss, dann tue ich das unter vier Augen oder im kleinen Kreis. Ich gehe damit nicht gleich an die Öffentlichkeit.“

Als ich den authentischen Text in Händen hielt (erschienen in der„Tagespost“ vom 24. Dezember), habe ich meine Meinung geändert. Denn der Papst ruft seine engsten Mitarbeiter zur Gewissenserforschung auf und er mahnt zum Empfang des Bußsakramentes. Er schließt sich selbst in die Gewissenserforschung mit ein. Und er bittet um Vergebung für die Fehler, die er begangen hat, wie er sich immer wieder selbst auch als Sünder bezeichnet hat.

Ein ähnliches Schuldbekenntnis habe ich aus dem Mund seiner Kardinäle noch nie vernommen. Und vor allem, der Papst macht deutlich: Die Krankheiten, die er aufzählt, betreffen nicht nur die Kurie, sondern sie sind eine Gefahr auch für „jede Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei, kirchliche Bewegung“. Die 15 Krankheiten, die 15 Versuchungen, die er nennt, sind also allgegenwärtig.

Wenn man diesen Hinweis ernst nimmt, besteht kein Anlass zu Häme, kein Anlass, auf die Kurie mit dem Finger zu zeigen. Sondern wir alle müssen uns an die eigene Brust schlagen. Und ich ergänze gerne die Aufzählung des Papstes: Es müssten sich eigentlich auch Domkapitel und Laienräte, und mutatis mutandis auch Parteien, Gewerkschaften, Regierungen, Verbände und Betriebe, alle Großorganisationen bis hin zum ADAC und anderen die Worte von Papst Franziskus zu Herzen nehmen.