Papst Benedikt XVI. befasst sich im dritten Teil seines Jesus-Buches mit der Kindheitsgeschichte : Seid dankbar – und feiert Weihnachten

Die „Tagespost“ hat immer treu über die publizistischen Erfolge des Heiligen Vaters berichtet, so jetzt wieder. Der Prolog zum Jesuswerk von Joseph Ratzinger/ Papst Benedikt, eigentlich Teil 3, ist für die Christenheit vielleicht noch wichtiger als die vorausgegangenen Bände, die uns von Jesu Taufe zur Auferstehung führten. Es weihnachtet: und der Heilige Vater ruft uns zu – freut Euch, das Christfest ist nicht nur nah, es ist auch wahr.

Er steigt nicht so tief in theologische Fachfragen ein wie streckenweise in Teil I und Teil II, aber zu allen markanten Punkten spricht er Klartext. Maria ist glaubwürdig, Lukas auch, Matthäus und die Jungfrauengeburt, Betlehem, die Magier aus dem Osten, die Flucht nach Ägypten, die Gestalt des heiligen Joseph. Wo kämen wir hin, wäre das Evangelium nicht im Wesentlichen glaubhaft?

Nirgendwo zwingt sich der Verfasser dazu, etwas zu „retten“ aus der Überlieferung, was theologisch nicht zu retten ist. Er argumentiert auf der Höhe der Zeit. Er macht auch einige Konzessionen an den Stand der Forschung seiner Jugendzeit, die der Rezensent persönlich nur ungern hinnehmen will. Immer wieder scheint ja bei Joseph Ratzinger das Kriterium auf: Nicht künstlich „dementieren“, was aus der Schrift heraus plausibel ist, also zustimmungsfähig. Oft lässt die Fachtheologie das nötige Einfühlungsvermögen vermissen, wie eine heilige Familie lebt, deren Zentrum nunmal von der Immakulata bestimmt wird. Sie war für den heiligen Joseph keineswegs Versuchung, sondern Vorfreude auf das Himmelreich. Die „Dunkel“ der Gottesmutter (S. 132f.) also hell zeichnen, wiewohl das Werk des Papstes auch für die stimmige Deutung des zwölfjährigen Jesus sich höchstes Lob verdient. Predigten dazu hört man von Predigern kaum je, als sei das alles schon im stillen Konsens ins Reich der Mythen verwiesen. Allerdings wird der aktuell ansteigende Trend, hin zur Frühdatierung der Evangelien, hier für Umkehr sorgen.

Es spricht sehr viel dafür, dass der Evangelist Lukas, wie auch der Apostel und Evangelist Johannes, und selbstverständlich der Apostel Jakobus minor, der Vetter des Herrn („Herrenbruder“), wohl zugleich Urheber des Jakobusbriefs, die Gottesmutter gekannt hat und „interviewt“, wie auch Guitton annimmt. Die Familientradition zu Nazareth, das ist in erster Linie sie selber. So kann man mit einigem Recht zusammenfassen, dass die Evangelien des Lukas und Johannes „marianischer“ Quelle sind, wie Markus und Matthäus „petrinisch“ geprägt. Aber das wird quasi-politisch bestritten, damit die Bibel nicht katholisch erscheint.

Hier hat uns der Heilige Vater einen „Brief mit Siegel“ ausgestellt, der in die Fachwelt, vor allem aber in die Welt ausruft: Vertraut den Quellen! Wir haben keine besseren, von Bethlehem bis Golgotha und Pfingsten. Die offenen Baustellen, die Joseph Ratzinger den Kollegen hinterlässt, werden fleißig bearbeitet werden. In noch manchem Detail wird eine ältere Lesart wieder vor einer jüngeren Deutung den Vorzug finden, vor allem bei den leiblichen Fakten beider Anfänge des Herrn Christus, aus der Jungfrau geboren wie aus dem Grabe auferstanden. Denn diese Welt ist seine, aller Scheinwissenschaft zum Trotz. Die Gnosis dieser Tage kann uns nicht ausreden, dass Christkönig aufgefahren ist, um unserem armen Fleische eine Herrlichkeit zu bereiten. Seid also dankbar – und feiert Weihnachten.