Menschenbrücke als Friedenszeichen

Menschenbrücke als Friedenszeichen
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Mit der bewegenden geistlichen und frohen Erfahrung von katholischer Weltkirche als einer großen Familie um Papst Franziskus ist der XXXI. Weltjugendtag in Krakau zu Ende gegangen. Bereits am Samstag früh brachen alle 260 Jugendliche aus dem Bistum Fulda von Myslowice nach Krakau zum Campus Misericordiae auf. Der Weg zum Abschlussgelände war beschwerlich, da nach der über zweistündigen Fahrt mit mehreren Sonderzügen noch ein Fußmarsch von über 15 Kilometer bei heißem Sonnenschein zu überwinden war.

Doch mit frohen Gesängen und Gesprächen unter den Jugendlichen aus aller Welt wurde der Pilgerweg zu einem Erlebnis. Auf dem Campus Misericordiae angekommen, wurden die vorgegebenen Sektoren im Bereich B belegt. Zum Teil waren diese, trotz Einlasskontrollen, schon überbelegt, so dass einige Fuldaer Kleingruppen in anderen Sektoren waren als vorher geplant. Aber alle Jugendlichen hatten einen Blick auf die Altarbühne, wenngleich auch in einiger Entfernung, so dass die wenigen Großbildschirme helfen mussten.

Hanna Madloch aus Fritzlar war traurig, dass der nächste Bildschirm so weit entfernt war und so das Mitverfolgen der Vigil mit dem Papst schwierig war. „Dafür aber war es ein einmaliges Erlebnis für unsere Kleingruppe. Wir haben durch die gemeinsame Nacht unter freien Himmel auf dem Feld unsere Gemeinschaft und unseren Zusammenhalt gestärkt. Zudem waren wir mit unserer Gruppe ein Teil einer riesigen weltweiten Familie“, so die 16-Jährige, die zum ersten Mal einen großen Weltjugendtag erlebte. Gerade im gegenseitigen Erbarmen, dem Aushalten von anderen, die einem lästig sind, aber auch dem gegenseitigen Helfen zeige sich für die Schülerin, was Barmherzigkeit sei.

Papst Franziskus forderte in der Vigil die 2,5 Millionen Jugendlichen auf, sich zu einer großen Menschenkette im Gebet zu verbinden. Es herrschte eine bewegende Stille, als die Jugendlichen gemeinsam mit dem Papst, den Bischöfen und Priestern für den Frieden in der Welt und besonders in Syrien beteten. Zuvor hatte eines von drei Lebenszeugnissen die Situation in Syrien vor Augen gestellt.

Wir besiegen Terror nicht mit Terror. Unsere Antwort heißt Brüderlichkeit, geistliche Geschwisterlichkeit, Familie

„Nichts rechtfertigt das Blut eines Bruders“, machte Papst Franziskus deutlich in einer Menschenmenge, in der auch Nationen friedlich miteinander vereint feierten, die politisch in Krieg und Feindschaft miteinander lebten. Nach der Gebetsstille dankte der Papst den Jugendlichen für ihre Freude und ihr Engagement. „Wir besiegen den Terror nicht mit Terror. Unsere Antwort heißt Brüderlichkeit, heißt geistliche Geschwisterlichkeit, heißt Familie“, betonte Papst Franziskus.

Vor der Anbetung, bei der die Jugendlichen mit Kerzen in den Händen Jesus Christus in Stille anbeteten, rief der Papst die jungen Pilger auf, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Die heutige Zeit brauche keine Jugendlichen, die sich auf das Sofa setzen und dort das Glück in PC oder Smartphone suchen, „dahinvegetieren und einschlafen.“ Wer in Bequemlichkeit und Konsum sein Glück suche, verliere seine Freiheit, so der Papst. „Gott dagegen erwartet etwas von dir. Er wartet auf dich und kommt, um Türen unseres Lebens zu öffnen.“ Zugleich nahm er die Jugendlichen in die Pflicht: „Ihr seid eine Chance für uns ältere Menschen. Habt den Mut uns zu lehren, Brücken zu bauen, anstatt Mauern aufzubauen. Ihr seid unsere Ankläger auf der Straße der Brüderlichkeit“, so Franziskus.

Am Morgen fuhr Papst Franziskus durch die Menschenmenge. Auch einige Jugendliche aus dem Bistum Fulda standen am Fahrweg des Papstes und jubelten ihm zu. Das Evangelium des Tages stellte in der anschließenden Heiligen Messe die Person von Zachäus in den Mittelpunkt. In seiner Predigt warnte der Papst die Jugendlichen davor, mit einem niedrigen Selbstwertgefühl nach Hause zu fahren. „Wir sind Kinder Gottes. Sein Herz wird sich nie von uns lösen. Die Traurigkeit dagegen ist ein Virus, der jede Tür schließt“, sagte der Papst. Zudem sei Zachäus mit einer lähmenden Scham geschlagen gewesen, aus Angst vor den Menschen. „Aber die Attraktivität von Jesus war größer und er bekannte ihm seine Sünden.“ Die dritte Herausforderung lag darin, dass sich Zachäus erst der Menge und schließlich ihrer Kritik stellen musste. Der Papst sagte dazu: „Jesus lädt dich ein zu wahrem Mut bis hin zur Liebe deiner Feinde. Habt keine Furcht. Gebt die Freude Gottes weiter. Behütet das Gute, was ihr hier erfahren habt.“ Nach der Abschlussmesse verkündete Papst Franziskus den Ort des nächsten großen Weltjugendtages, der im Sommer 2019 in Panama stattfinden wird. Markus Blömer aus Schönneck-Kilianstätten weiß noch nicht, ob er da wieder mit dabei ist. Den Weltjugendtag in Krakau jedenfalls bezeichnet der 24-Jährige trotz des anstrengenden Rückmarschs, bei dem zwei starke Gewitter viele Jugendliche aus dem Bistum voll erwischte, als wertvolles Ereignis. „Die Stimmung auf dem Platz war einmalig und etwas ganz Besonderes. Diese Gemeinschaft und den Frieden zu erleben, haben mich berührt“, so der junge Pilger, der bereits schon beim Weltjugendtag in Madrid im Jahr 2011 mit dabei war. Im Vergleich dazu waren die Katechsen in Krakau besser. „Sie haben mir diesmal mehr gefallen. Barmherzigkeit als Thema ist mir dadurch viel klarer geworden“, sagte Blömer.

Es hat mit den Teilnehmern so viel Spaß gemacht, dass ich gleich schon Lust habe, nach Panama zu fahren.

Am Montag verabschiedete sich ein Großteil der heimischen Pilger. Die Gruppe der Langfahrt verbringt nun noch vier Tage in Krakau und Umgebung mit touristischen und geistlichen Highlights. Die Gruppe des Marianums und die Gruppen der Kurzfahrt brachen ihre Rückreise nach Fulda an. Nach einem gemeinsamen Reisesegen verabschiedeten sich die Jugendlichen von ihren Gastgebern in Mislowice. Viele Gasteltern kamen noch einmal mit zu den vier wartenden Bussen. Stellvertretend für die vielen Freiwilligen in der Pfarrei überreichte Jugendpfarrer Thomas Renze dem Cheforganisator eine Elisabethfigur, einen deutschen Pilgerhut und ein Fuldaer Weltjugendtagsshirt. Andrea Koob, Referentin für religiöse Bildung im Bischöflichen Jugendamt, äußert sich zufrieden: „Ich bin so froh und stolz auf unsere Gruppen. Sie haben die Strapazen mit dem langen Fußmarsch und den mehrstündigen Zugfahrten überwunden und dennoch verlief alles so harmonisch. Es hat mir mit diesen Teilnehmern so viel Spaß gemacht, dass ich gleich schon Lust habe, nach Panama zu fahren.“ Die Organisatorin der Fahrt ist sich auch sicher, dass viele Jugendliche viele neue Freunde kennengelernt und für ihr geistliches Leben wichtige Impulse mitgenommen haben. „ Die Freude und Gemeinschaft im Glauben an Jesus Christus macht die Weltjugendtage zu einem unvergesslichen Erlebnis. Besonders die Katechesen gingen inhaltlich in die Tiefe. Der Fuldaer Abend der Barmherzigkeit und die Vigil mit dem Papst auf dem Campus Misericordiae bleiben auch mir persönlich als wertvolle Erinnerung im Herzen“, sagte Koob.

Der Autor, 34, Schülerseelsorger in Fulda, ist verheiratet und hat drei Kinder