Mensch! Maria!

Zwischen dem 31. Mai und dem 11. Juni fand in meiner schönen Heimatstadt Kevelaer die Festwoche anlässlich des 375-jährigen Wallfahrtsjubiläums unter dem Titel „Mit Maria – Gottes Wort leben“ statt. Deshalb gab es ein vielfältiges Angebot an Programmpunkten, die ich glücklicherweise zum großen Teil miterleben durfte. So wurden meine Familie und ich Zuschauer der Welturaufführung „Mensch! Maria! – Ein Mysterienspiel zu einem ganz normal-besonderen Menschen“, die in dreizehn Akten das Leben Mariens erzählte und es gleichzeitig auf kunstvolle Weise in die heutige Zeit transportierte.

Gleich zu Beginn des Mysterienspiels wurde der Zuschauer aufgefordert, sich auf die Anfänge des Seins zu besinnen. So, wie Maria am Anfang ihres Lebens vor wichtigen Fragen steht, sollte auch der Zuschauer offen werden für die Fragen, die sich auftun, wenn ein Weg noch nicht gegangen wurde. Offenheit für Neues zu bewahren, war hier die Botschaft. Und Maria war offen für die Botschaft. Eine Botschaft, wie sie größer nicht hätte sein können: Sie würde Gottes Mutter werden. Maria gab ihr Ja-Wort. Dennoch blieben auch bei ihr viele Fragen ungeklärt. Wie solle das gehen? Könnte sie es wirklich werden – Gottesmutter? Warum sie? Warum ich? Das fragen auch wir Gott immer wieder. Manchmal können wir nicht verstehen, warum Gott uns auf die ein oder andere Weise beruft, ihm nachzufolgen, ihn in die Welt zu bringen. Und doch zeigt uns Maria, dass Gott Großes bewirken kann, wenn wir ihm vertrauen. Immer wieder wurde diese Haltung Mariens im Festspiel deutlich. Es war unglaublich mutmachend, im Verlauf des Abends eine Maria kennen zu lernen, die als ganz normale Frau ihre Fragen und Zweifel vor Gott bringt, die aber gleichzeitig ein besonderes, vollkommenes Vertrauen in Gottes Entscheidungen für ihr Leben hat.

Besonders eindrücklich war für mich die Szene der Geburt Jesu. Viele Darsteller brachten weiße Rosen auf die Bühne und legten sie in eine Krippe. Kurz darauf erklang die phantastische Stimme der Mezzosopranistin Annette Gutjahr alias Maria, die nun die Rosen als Strauß in ihre Arme legte und sie wie ein Kind wiegte. Das Jesuskind wurde durch einen Strauß Rosen symbolisiert. Welch tiefgründiges Bild! Und dann führte Maria ihren Auftrag aus: Sie brachte das Jesuskind zur Welt, indem sie die Rosen im Publikum verschenkte. Ich war sehr berührt von dieser Inszenierung. Wann immer wir den Mitmenschen die Liebe weiterschenken, die wir durch Gott empfangen, können wir ihn zur Welt bringen.

Meiner Meinung nach ist allen Verantwortlichen mit dem Mysterienspiel ein großartiges Werk gelungen, das nun in regelmäßigen Abständen aufgeführt werden soll, um den Zuschauer mit wichtigen Lebensfragen zu konfrontieren und Maria als normalen und besonderen Menschen kennenlernen zu können. Somit wünsche ich uns allen, dass wir in unserem Alltag Momente des Vertrauens finden, um Gott in die Welt zu bringen und ihm unser Lob zu singen.

Die Autorin, 25, studiert an der Universität Trier