Mein junger Glaube im Alltag: Wenn ein Papst klagt

Examen unterm Marienbild: Über die Tapferkeit:  Warten auf eine Ewigkeit

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Klagt ein Papst zivilrechtlich gegen eine Zeitschrift, so lässt das Medienecho nicht lange auf sich warten. In der Juli-Ausgabe des Satiremagazins „Titanic“ wurde Benedikt XVI. in Anspielung auf die „Vatileaks“-Affäre mit einer besudelten Soutane dargestellt. Die daraufhin erwirkte Einstweilige Verfügung auf einen Verkaufsstopp vor einem Hamburger Gericht war die Reaktion aus Rom. Doch der Rechtsstreit nahm vergangenen Donnerstag ein unerwartetes Ende: Papst Benedikt zog die Klage zurück.

Um die Ereignisse rund um das Verfahren zu verstehen, muss man den Fall genauer betrachten und dabei stößt man auf ein paar gravierende Fehler der Papstberater. Es scheint so, als habe man im Vatikan nicht nur eine undichte Stelle, sondern auch lange Wege. Denn die Misere beginnt für den Papst mit einem offensichtlich viel zu späten Einschreiten gegen die Veröffentlichung des Titelblatts. Mehr als zehn Tage dauerte es, bis die rechtlichen Schritte ergriffen wurden. Eine Zeitspanne, die weder eine Zeitschrift, geschweige denn das Internet verzeiht. Die Abonnenten hatten das umstrittene Cover längst im Briefkasten, während man im Vatikan schlichtweg den rechtzeitigen Moment verschlief. Und so nahm das Übel seinen Lauf.

Der zweite Fehler liegt in der schlechten Kommunikation der zuständigen Kirchenvertreter. Die Klage selbst bezog sich – vollkommen nachvollziehbar – auf die Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Papstes. Ob man den tiefschwarzen Humor des Satiremagazins teilt oder nicht sei dahingestellt. Dennoch ist es das Recht eines jeden, sich rechtlicher Mittel zu bedienen, wenn er sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlt. Doch muss man an dieser Stelle im vorliegenden Fall klar differenzieren. Das Persönlichkeitsrecht bezieht sich auf die Person Ratzinger und nicht auf den Heiligen Vater als Stellvertreter Gottes auf Erden. Ebenso ist auch das Titelbild eine Anspielung auf den Skandal in der Institution Kirche. Wäre es gelungen, diesen Unterschied auch gegenüber den Medien klar zu kommunizieren, hätte man sich viel Ärger erspart. Durch das Zusammenwürfeln und Vermischen von Angriff auf die Religion, besudelter Papst und Persönlichkeitsrechtsverletzung, bot man Kritikern eine gewaltige Angriffsfläche. Plötzlich wurde diskutiert, was schwerer wiege, Religions- oder Pressefreiheit. Und eben darum ging es diesmal nicht, sondern um Persönlichkeitsrechte und Pressefreiheit. Und in letzterem Fall sahen die Chancen für Papst Benedikt XVI. gar nicht so schlecht aus.

Aller guten Dinge sind drei. Und wen wundert es schon, dass von dem bisherigen Wirbel um die Papstklage lediglich eine Seite von der ganzen Sache profitierte. Das Satiremagazin erzielte Rekordumsätze und erfreute sich der öffentlichen Aufmerksamkeit, während man in Rom zum nächsten Fehlschlag ansetzte. Denn bevor es zur Gerichtsverhandlung kam, die auf vergangenen Freitag terminiert war, machte man einen Rückzieher. Vermutlich wollte man sich weitere Negativschlagzeilen und der „Titanic“ weitere Werbung ersparen. Dabei wäre das Einzige, was die missliche mediale Vermischung von Verletzung religiöser Gefühle und Persönlichkeitsrechtsverletzung richtiggestellt hätte, ein Urteil des Hamburger Gerichts gewesen.

Es ist nicht ratsam, seine Gefühle und Empfindungen in eine rechtliche Auseinandersetzung mit einzubringen. Hätte man in diesem einen Fall auf die „Glaubenskeule“ verzichtet und sachlich den Medien geschildert, dass sich der Papst in diesem Fall persönlich gekränkt gefühlt habe, statt die Verunglimpfung sofort auf die Weltkirche und Religionsgefühle auszuweiten, hätte man sich auch unliebsame Stimmen erspart, die von dem Satiremagazin anschließend Mohammed-Karikaturen forderten.

Der Autor, 23, studiert Jura in Würzburg