Mein junger Glaube im Alltag: Von Anfang und Ende: Jesus – ein Spießer?

Mein junger Glaube im Alltag:  Wunsch an den Katholikentag: Sonntagspflicht als Recht: Brücken bauen, Berge versetzen

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Zeugnis, Ende des Schuljahres; Prüfungen, Ende des Semesters; Urlaub, Ende des Arbeitsalltags; das Enden kann einerseits froh, mutig und gelassen machen, andererseits kann sich Trauer und Wehmut breitmachen. Enden und (Neu-) Anfangen sind hier die Stichworte: Eine Selbstverständlichkeit stellt es dar, dass alles Menschliche anfängt und endet. Besonders treffend aber formuliert Romano Guardini zu dieser Thematik in einer Meditation, dass das Anfangen und Enden eben nicht nur bei Geburt und Tod Aufbruch bedeutet, sondern dass der Mensch jeden Augenblick seines Lebens neu aufbrechen und beginnen muss:

Zugleich habe das Enden noch einen anderen Charakter, wenn wir sagen: „Das ist vollendet.“ Es sei im Enden voll geworden. Worum es gehe, sei herausgekommen und habe seine Gestalt gefunden. In der Unerbittlichkeit des Zu-Ende-Gehens liege auch die Größe, dass sich etwas erfülle – vorausgesetzt, dass dieses Leben sich bemüht habe, voll zu werden.

Sollten wir uns am Ende des Schul-/ Studiums-/ Arbeitsalltags nicht genau darüber verstärkt Gedanken machen? Geht das nicht in unserer Hektik: Prüfung, Noten, Urlaubsplanung, oft verloren? So liege in jedem Enden ein letzter formender Abschluss, ein Voll-Werden. Und auch das sei eine große Kraft: fertig machen zu können; die Arbeit ganz zu machen, das Schicksal zu seinem Sinn zu bringen. Wirkliches Enden verlange irgendeine Art von Rückblick, von Prüfen und Wägen, eine Art von Rechenschaft, vor dem Gewissen, vor Gott. Denn nur so ist der Neuanfang möglich. Bedeutungsvoll ist für mich bei diesem „Rückblick“ besonders auch das Gleichnis von den anvertrauten Talenten aus dem 25. Kapitel des Matthäusevangeliums: Denn es ist nicht wichtig, was sich ergeben hat, ob aus fünf zehn Talente wurden oder aus zwei vier, sondern wichtig ist, dass ich mich nach bestem Wissen und Gewissen ohne Angst bemüht und eingesetzt habe, um das Beste daraus zu machen.

Wieder Mut und Kraft zu finden für den Neubeginn: das ist das Entscheidende. Die Rückschau auf das vergangene Jahr/das vergangene Semester: Was habe ich persönlich mit meinem Talent/meinen Talenten angefangen, wie habe ich sie benutzt, richtig eingesetzt; diese ist es, die den menschlichen Neubeginn möglich macht, auch wenn nicht alles so gelungen ist und funktioniert hat, wie man es sich gewünscht oder vorgestellt hat.

Der Autor, 18, studiert Geodäsie und Geoinformation in München

Er hat mit 30 noch bei seiner Mutter gewohnt. Das lass ich gelten. Aber mal im Ernst: War Jesus Christus echt so spießig, wie man uns weismachen will? Der „historische“ Jesus ist in den Augen Vieler ein Sozialreformer, der in Hippie-Latschen und mit Blumen im Haar in sanfter Säuselstimme sein „Make Love, Not War“ an den Mann – und besonders an die Frau – bringen wollte, um die Welt besser zu machen.

Jesus war lieb. Lieb zu den Menschen, lieb zu den Tieren, lieb zu den Pflanzen. Er ist für sie der nette Junge von Nebenan, der Missverstandene, einer, der an den grausamen „gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit“ gescheitert ist. Gäbe es diese nicht, wäre Jesus sicherlich Vegetarier und Greenpeace-Mitglied gewesen, hätte Frösche über die Straße getragen und seinen Aposteln gesagt, dass Priester heiraten dürfen. Haha. Wenn diese Erde jemals eine Person beherbergen durfte, die sich um „gesellschaftliche Konventionen“ einen Dreck gekümmert hat, dann war es jener Jesus von Nazareth. Er setzte er sich immer wieder über sie hinweg. Damals (schon) wurden viele Gesetze nur noch um ihrer selbst willen erfüllt, der tiefe, göttliche Sinn, der dahintersteht, im Nebel der Wortklauberei und Pedanterie verschwunden. Dann kam Jesus, aber nicht, um die Gesetze einfach abzuschaffen, sondern um sie zu erfüllen (Mt 5,17f) – ohne sich dem spießigen Rechtspositivismus seiner Mitmenschen anzupassen.

Frech bezeichnete er sich als „Herr über den Sabbat“ (Mt 12,8) und heilte Leute an diesem von den Pharisäern so ausgelegten „Krümm ja keinen Finger, sonst bist du verdammt“-Tag (Mt 12,9–13). Einer Ehebrecherin, die nach jüdischer, „gesellschaftlicher Konvention“ hätte gesteinigt werden müssen, verzieh er und schickt sie weg mit den Worten: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ (Joh 8,1–11)

Jesus wusste genau, was die Leute dachten (Mk 8,17) und dennoch ließ er sich dadurch nicht davon abhalten, mit Zöllnern, Prostituierten und anderen aus der Gesellschaft Verstoßenen zu essen.

Jemand, den die Leute als „Fresser und Säufer“ bezeichnen (Lk 7,34), der sich weigert, zur Volksbelustigung Wunder zu vollbringen, der sich politisch nicht instrumentalisieren lassen will, der selbst seinen eigenen Mördern vergibt – dieser Jesus Christus soll ein Spießer gewesen sein?

Angeblich hat man ihn nur gekreuzigt, weil die Leute ihn komplett missverstanden hätten. Huch, wie grausam! Da wendet sich das aufgeklärte Bildungsbürger-Auge erschrocken ab. Dass der Kreuzestod die Folge unserer Sünden war, die Grundvoraussetzung für die Auferstehung, ja letztlich für unsere Erlösung, kommt ihnen nicht in den Sinn. Auch nicht, dass Jesus keine Blumen im Haar hatte, sondern eine Dornenkrone.

Er war – und das ist gar nicht so unerheblich – ganz Mensch und ganz Gott. Er kam nicht, um das Ozonloch zu schließen, sondern um uns den Himmel zu öffnen. Seine Botschaft ist so radikal, dass wir ihn damals ans Kreuz schlugen. Nicht, weil man ihn missverstanden hatte. Sondern weil man ihn damals sehr wohl verstanden hat.

Der Autor, 19, macht ein Praktikum

in der Pfarrei St. Josef der Arbeiter in Senden (Iller)