Mein junger Glaube im Alltag: Viva Schönstatt: Im Zeitraffer

Unbequemer Glaube

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Ein ganzer Pavillon voller Geschenke. Fast jeder der 10 000 Gäste hat etwas mitgebracht. Es ist eine Geburtstagsfeier der Superlative. Doch der Jubilar ist kein Prominenter, sondern eine 100 Jahre alte Idee. Eine Lieblingsidee, wie Pater Josef Kentenich – der Vater des Gedankens – die Idee zur Schönstattbewegung nannte. Aus allen Ecken der Welt kamen am 18. Oktober Pilger zum ehemaligen Friedhofskapellchen nach Vallendar bei Koblenz, wo vor hundert Jahren die Geschichte der Schönstattbewegung ihren Anfang nahm. Und so bunt wie die Gäste waren auch die Feierlichkeiten. So wich auch schnell die anfängliche Skepsis ob der vielen organisatorischen Unwägbarkeiten, die eine solche Großveranstaltung mit sich bringt. Von Weltjugendtagen und Events dieser Größenordnung ist man es gewohnt, eher passiver Zaungast zu sein.

Doch bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Schönstatt war das anders; Gute Bands, die mit Liedern aufwarteten, bei denen alle mitsingen konnten, und Gebetstexte, die, trotz verschiedener Sprachen, gemeinsam über die Lippen kamen. So wurden die Programmpunkte wie die Vigilfeier der Jugend, der große Festgottesdienst und die zentrale Liebesbündnisfeier zu lebendigen Höhepunkten, bei denen die Gläubigen zu aktiven Zeugen ihres Glaubens wurden. Die Stimmung und Atmosphäre verglichen viele Teilnehmer der Jubiläumsfeier mit den Weltjugendtagen.

Trotz aller akribischer Vorbereitungen und Planungen war die Beobachtung einer Teilnehmerin bezeichnend, die bei der etwas chaotisch verlaufenden Essensausgabe feststellte: „Hier trifft eben deutsche Planung auf ausländische Mentalität.“ Doch neben kleinen Verständigungsschwierigkeiten und dem teilweise mangelnden Verständnis ausländischer Pilger für Flaschenpfand und Warteschlangen waren alle gut gelaunt und nahmen auch diese kleinen Hürden mit Humor.

An diesem Wochenende in Schönstatt wurde einmal mehr deutlich, wie sehr eine hundert Jahre alte Idee die Menschen begeistern kann. Man spürte, wie bunt, international und jung die Kirche ist. Und eben diese Eindrücke der Jubiläumsfeierlichkeiten wirken nach. Bereits kurze Zeit nach dem Abschlussgottesdienst berichten die ersten Teilnehmer im Internet davon, was sie vom Ursprungsort der Bewegung mit nach Hause nehmen. So auch Pater Frank Riedel, der über Facebook verlauten lässt: „Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, 100 zu werden. Von Gebrechlichkeit keine Spur. Schönstatt ist und bleibt jung und dynamisch. Das war / ist in diesen Tagen zu spüren. Viva Schönstatt!“

Der Autor, 25, promoviert im Fach Jura in Würzburg

Manchmal will man die Zeit festhalten. Wenn Schönes und Erlebnisreiches wieder einmal sehr schnell vorübergeht, stellt man sich häufig die Frage, warum dies oder jenes schon zu Ende gegangen ist, obwohl es doch gerade erst begonnen hat. Die Subjektivität der Zeit tritt in den Vordergrund und die Kategorien von Lang- und Kurzweilig bezeichnen unseren jeweiligen Gefühlszustand.

Zurzeit befinde ich mich in Jerusalem und verbringe hier ein Auslandsstudienjahr. Weil ich hier so vieles erleben und Menschen sowie Orten begegnen darf, denke ich darüber nach, wie ich die zahlreichen positiven Erfahrungen einordnen kann und wohin mich diese Überlegungen am Ende führen. Ein ganzes Jahr, weg von Heimat und allem, was sonst das Leben (er-)füllt. Mein Blick auf die Zeit ist einer, der kaum mehr versteht, wo das Gestern geblieben ist. Vermutlich irgendwo hinter all den anderen vergangenen Tagen, die sich so eilends aneinanderreihen. Jeder Tag wird zum fruchtreichen Baum, dessen Ernte Körbe voll von Erlebnissen füllt. Doch wohin diese tragen? Jeder Überfluss führt dazu, dass das Einzelne nicht mehr geschätzt wird. All die Augenblicke, die für sich stehen, und in denen sich das Geschenk des Lebens offenbaren kann. Augenblicke, die mich mit der Welt und ihren Menschen verbinden. Die Geschwindigkeit des Schönen winkt somit als Gefahr: Alles zu vermengen und stets anspruchsvoller zu werden.

„Das Leben verläuft

nicht geradlinig“

Dem Ersten kann man entgegnen: Sich selbst anzuhalten und an das Schöne immer wieder bewusst herangehen. Wie an eine Blume, die im Blumenfeld zum bunten Farbfleck wird. Dem Zweiten zu begegnen mag ungleich schwerer sein: Wer Höhepunkte erlebt, der fällt auch unweigerlich wieder zurück. Kein Mensch kann ein Leben führen, das in sich von einer andauernden Erfüllung gespeist wird. Das Leben verläuft nicht geradlinig. So wird auch das Schöne erst als Höhepunkt sichtbar. Diese Höhepunkte verweisen deshalb auf etwas Größeres: Im Blick zurück auf die sich aufgetanen Täler und auf die zu erwartenden Durststrecken des Lebens wird dadurch der sichtbar, der nach Hiob der Geber von Beidem ist: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ Gott ist in diesem Kontext nicht als Ursache von Schlechtem anzusehen. Die Sichtweise muss sich konsequent auf den größten Höhepunkt unserer Lebensgeschichte richten, egal ob ein Leben gelingt, ob es in den eigenen Augen schön oder traurig ist, oder ob es von allem etwas enthält. Der nicht zu überbietende Höhepunkt ist unser Dasein selbst und damit der Urgrund positiver und negativer Erfahrungen des irdischen Lebens. Und letztendlich machen weder Quantität noch Qualität unseres Lebens und unserer Lebensfülle darin einen Unterschied. Das Geschenk unserer je individuellen Existenz, das kommt von Gott. Durch sie wird Leben möglich, seine Erfüllung erst vollkommen, wenn wir in die ewige Heimat einkehren, zurück zu dem, der uns alle in sein Dasein gerufen hat.

Der Autor, 24, studiert Katholische Theologie in Regensburg