Mein junger Glaube im Alltag: Verkehrte Mediensicht

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Nach meiner guten Rückkehr vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro durchstöberte ich daheim die weltliche Presse. Das Gefühl, das ich als Ansprechpartner für Mediananfragen auf der Fahrt des Bistums Fuldas in Brasilien schon hatte, bestätigte sich: Da ist vom katholischen Woodstock zu lesen, von einem noch gerade friedlich verlaufenen Kulturkampf und dann natürlich von den „massiven“ Protesten. Die „Tagesschau“ bildet online sogleich vier Demonstrantinnen ab, die gegen die Sexualmoral der Kirche in freizügiger Oberbekleidung protestierten. Mit kritischem Unterton werden dann die Weltjugendtagspilger zitiert, die den Protest lautstark mit „Wir sind die Jugend des Papstes“-Rufen beantworteten.

Diese Art der Berichterstattung ärgert mich, da die Medien, die in Deutschland die öffentliche Meinung bestimmen, klar politisch agieren. Sie berichten nicht objektiv. Wenn 300 Demonstranten gegen den Gouverneur von Rio de Janeiro eine größere Nachricht sind, als drei Millionen friedlich versammelte Jugendliche, nenne ich das eine verkehrte mediale Berichterstattung. Wenn ich einen Jugendlichen zum Interview finde, und dieses dann abgesagt wird, weil die Frauen Europameisterin im Fußball geworden sind und der Redakteur sagt: „Das ist uns jetzt halt wichtiger, als ihr katholisches Treffen da“, macht mich das traurig, weil man so junge Menschen vor den Kopf stößt. Wenn alt gediente Reporter sich nicht trauen, auf den Strand der Copacabana zu gehen und dort mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, sondern nur vom Pressezentrum aus oder von der Pressetribüne am Straßenrand die „Stimmung“ einfangen, bezeichne ich das als nicht lauteren Journalismus. Da werden in Artikeln Vergleiche mit einem Schlachtfeld gezogen, die ich unwürdig und zutiefst verletzend empfinde. Es war eng an der Copacabana und die Toilettensituation war gewiss angespannt. Aber ich erinnere nur an den deutschen Weltjugendtag 2005, bei dem ich über sechs Stunden brauchte, um vom Marienfeld hinunter zu kommen. Ein Schlachtfeld, auf dem Verwundete um Hilfe schreien oder sich Feinde bis aufs Äußerste bekriegen, habe ich an der Copacabana nicht erlebt. Es war ein Trainingsfeld des Gebetes und der missionarischen Nächstenliebe – ein Campus Fidei – wie Papst Franziskus es treffend in seiner Predigt beschrieb. Schade, dass Medienvertreter dies nicht sehen konnten oder nicht sehen wollten. Es war ein Feld der Begegnungen mit Christus und miteinander, getragen vom katholischen Glauben.

Und ein Zweites störte mich: Mehrfach bekundeten mir Redakteure ihr Bedauern, dass die Jugendlichen in ihren Interviews oder Blog-Beiträgen im Internet so wenig auf den Papst eingehen würden. Ich sollte sie dahingehend doch etwas „steuern“. Da wurde mir bewusst, wie sehr die Medien den Papstkult fördern, den sie dann im gleichen Atemzug als falsch brandmarken.

Weltjugendtag ist eben kein Rockkonzert und der Papst kein Popstar, wie er häufig bezeichnet wurde. Er braucht den Jubel der Masse nicht, weil seine Stimme oder sein Talent so toll ist. Franziskus kam, um sich durch den Glauben der Jugendlichen selbst stärken zu lassen, wie er es an der Copacabana formulierte. Er kam als Pilger und reihte sich ein in die vielfältigen Begegnungen, die Christus den Jugendlichen schenkte, natürlich auch durch die Worte des Papstes. Er wurde genauso jubelnd begrüßt, wie wir als Fuldaer Jugendliche im Vorprogramm in Osasco nahe Sao Paulo, wo wir in ein Sportstadion einzogen und wie Helden gefeiert wurden. Es war einfach nur die Freude, weltumspannend im Glauben vereint und beieinander zu sein.

Die befragten Jugendlichen spürten dies und drückten das in verschiedenen Interviews aus. Ich bin der Überzeugung, dass es bei keiner anderen Großveranstaltung auf der Welt, so kurze und sogleich tiefe Begegnungen zwischen Menschen gibt, wie beim Weltjugendtag. Ein Beweis für das Wirken des Heiligen Geistes auf diesem Campus Fidei. Und auf keiner Großveranstaltung beten drei Millionen junge Menschen vor dem Allerheiligsten in Stille, so dass man nur noch das Rauschen des Meeres hört. Das ist meine Erinnerung, wenn ich an die Copacabana vor zwei Wochen denke.

Der Verfasser arbeitet in der Schülerseelsorge im Bistum Fulda, ist verheiratet und hat drei Kinder