Mein junger Glaube im Alltag: Umwertung durch Kopfstand: Betet, Brüder und Schwestern!

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Das Schwurgericht von Bayonne im französischen Baskenland hat den Notfallarzt Nicolas Bonnemaison freigesprochen. Er war des Mordes in sieben Fällen angeklagt, weil er todkranke, meist bewusstlose Patienten ohne Rücksprache mit den Familien und Kollegen tötete, um sie „von ihren Leiden zu erlösen“. Er war in einer Person Richter über den Wert dieser Leben und Henker, der das Todesurteil vollstreckte. Der Palliativmediziner Vincent Morel meinte im Interview mit der Zeitung „La Croix“, dass der „Prozess von Nicolas Bonnemaison nicht der Prozess der Euthanasie ist.“ Damit wollte er einer Verallgemeinerung des Urteils vorbeugen. Tatsächlich haben aber sowohl Medien als auch Politiker nach der Urteilsverkündigung eine Gesetzesänderung in Richtung Euthanasie gefordert. Ein Freispruch in sieben Einzelfällen öffnet nun einer allgemeinen Veränderung der Rechtslage das Tor. Diese Rechtsakrobatik gleicht einem Kopfstand.

Tatsächlich geht es im Fall Bonnemaison nicht in erster Linie um ein Pro und Contra zur Euthanasie. Was hier mit Füßen getreten wird, ist die Aufgabe des Gesetzes, die Willkür des Einzelnen einzuschränken und den Schwächeren vor dem Stärkeren zu schützen. Mit diesem Urteil kündigt die Justiz den Gesellschaftsvertrag auf. Mit diesem Vertrag verzichten die Individuen in der liberalen politischen Philosophie auf das Recht, selbst Recht zu setzen und zu vollstrecken. Mit der Übertragung dieser Souveränität auf den Staat und seine Rechtsordnung verlässt die Menschheit den Naturzustand und schafft die Grundlagen einer Gesellschaft, einer Kultur des Lebens, wenn man so will. In seinem Plädoyer vor dem Schwurgericht ließ der Staatsanwalt erkennen, dass er die fünf Jahre Haft nur forderte, weil es das Gesetz so wolle, denn „das Gesetz schützt das Leben“. Er persönlich sehe in Bonnemaison immer noch einen Arzt. Das ist regelrecht skandalös, da dieser im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden der Fälle sofort als Arzt suspendiert wurde. Im Prozess saß die autistische Souveränität eines Gottes in Weiß auf der Anklagebank. Der Freispruch ist der Dammbruch für die Euthanasie. Der Staatsanwalt sieht in Bonnemaison „einen Arzt, der sich getäuscht hat“. Diese Täuschung hat den Tod von mindestens sieben Menschen nach sich gezogen. Sie war nur möglich, weil er systematisch ohne Konsultation von Patienten, Kollegen und Familien handelte. Für seinen Anwalt folgte er darin seinem „Gewissen“. Der Staatsanwalt, der den Schutz des Lebens nur gelten lässt, weil es in seiner Sicht positives Recht ist und der Anwalt, der den Gewissensentscheid für die Tötung gegen das naturrechtliche Prinzip „Niemandem zu schaden“ anführt, sind beide Symptome einer geistigen Verirrung. Sie sind Opfer einer (Selbst-)Täuschung, die eine völlige Unkenntnis über das, was Recht und Unrecht ist, offenbart. Der Schutz des Lebens ist Teil des positiven Rechts, weil es aus der naturrechtlichen Ordnung entstammt. Das Gewissen nimmt an der lex naturalis Maß und findet nicht in meiner eigenen Willkür seinen Ursprung. Und der Einzelfall ist nicht Grundlage einer allgemeinen Rechtsordnung. Die Kultur des Todes ist eine Umwertung aller Werte durch einen Kopfstand.

Der Autor, 27, studiert Politikwissenschaften in Lyon

Beten bewirkt keine Wunder. So könnte die Konsequenz eines christlichen oder nicht-christlichen Beter-Lebens lauten. Wie oft bitten wir? Und wie oft erhalten wir? Ist es nicht viel eher so, dass unser Gebet in der Leere verstummt und Gott sich nicht um die Sorgen und Nöte, um Trauer und Angst der Menschen kümmert? Was also soll man für Israel und Palästina beten? Nutzt dieses Gebet oder wäre es nicht viel konstruktiver, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, humanitäre Organisationen zu unterstützen und an Friedenskonzepten zu arbeiten? Auch das ist wichtig. Es ist auch wichtig zu tun, was man selbst tun kann. Der Hass aber, der im Heiligen Land herrscht, ist nichts, was so einfach beseitigt werden wird. Er ist über Generationen gewachsen, jede abgeschossene Rakete reißt ein weiteres Loch in die Friedenshoffnungen der Menschen. Das, was wir also tun können, ist tatsächlich das Gebet. Denn das Gebet hat die Macht, die Realität zu verändern. Indem wir beten, wird uns das, was wir erbitten, vielleicht nicht sofort zur Verfügung gestellt. Schließlich ist Gott auch kein Automat, der für die entsprechenden Gebete die richtigen Güter zu Verfügung stellt. Aber dennoch: Das Gebet kann uns selbst verändern. Indem wir um etwas bitten, verwandeln wir uns. Wo wir beten, da sendet Gott seinen Geist aus, der das Antlitz der Erde zu verändern vermag, der die Welt neu machen kann.

So ist es auch mit dem Frieden. Wenn wir um Frieden in Israel und Palästina beten, werden wir selbst immer mehr, Schritt für Schritt, zu Wesen des Friedens, mit jedem Tag mehr. Krieg existiert nicht nur in Israel. Frieden herrscht nicht dort, wo nur die Waffen ruhen, der Krieg aber in den Herzen weiter tobt. Auch Israel wird keinen Frieden erreichen, wenn nur die kriegerischen Handlungen ruhen, der Hass aber bleibt. Wo wir beten, da wird Gott gegenwärtig, wo Gott ist, da ist auch Liebe. Beten wir um den Frieden in Israel. Das Gebet wird kein Wunder vollbringen, aber es kann täglich neu eine Gesellschaft des Friedens errichten, bei uns genauso wie in Israel oder anderen Orten der Welt.

Wir müssen das Gebet wiederentdecken. Es reicht doch schon ein Stoßgebet. Wir müssen beten für diese Welt der Zerstörung und des Hasses, des Unfriedens und der Machtgier. Nur dann werden wir zu einem lebendigen Mahnmal, das immer wieder zeigt, was Gott für seine Welt vorhergesehen hatte: Friede statt Krieg, Liebe statt Hass, Demut statt Machtgier, Aufbau statt Zerstörung. Nur dann wird unsere Stimme auch gehört werden, weil sie aus dem Herzen kommt. Nur dann wird Friede gelingen, bei uns, in Israel, in Syrien, auf der ganzen Welt. Wenn der Friede vom Herzen kommt. So kann das Gebet Wunder bewirken.

Der Autor, 19, studiert Katholische Theologie in Regensburg