Mein junger Glaube im Alltag: Schneemänner schaffen: Weihnachten – Und dann?

Mein junger Glaube im Alltag: Stets verbunden: Verstehen lernen: Um 180 Grad

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Nun kam er dann doch noch, der Winter. Ich mag diese Jahreszeit eigentlich nicht sonderlich, auf die Kombination von Schnee, Kälte und Grippe könnte ich gerne verzichten. Doch kam mir wieder in den Sinn, dass es einmal eine Zeit gab, in der mir der Winter sehr gefiel. Stundenlang verbrachte ich als Bub meine Tage damit, mit dem Holzschlitten einen steilen Hang hinabzufahren, Schneebälle zu werfen und Schneemänner zu bauen. Es machte uns Kindern Spaß, so eine Figur zu gestalten. In all dem konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und so selbst eine menschenähnliche Kreatur erschaffen. Man brauchte ja nicht viel für eine solche Gestalt. Karotten, Steine und ein alter Knopf reichten aus, um Nase, Mund und Augen darzustellen und ein alter Kochtopf fand als Hut auch noch Verwendung. Sollte das Männchen besonders elegant aussehen, so wickelten wir ihm noch einen Schal um den Hals. Einige Tage lang konnte man diese Gestalt nun bewundern, erst mildere Temperaturen ließen den Schneemann tauen und seine ganze eisige Schönheit verlor sich im Schmelzwasser.

Auch der Mensch – und das scheint oftmals vergessen zu werden – ist Kreatur. Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen und zur Welt gebracht. Andererseits aber bleibt der Mensch auch nicht bloß tote Materie wie der Schneemann, sondern Gott blies ihm bei seiner Erschaffung „Lebenshauch“ ein und erst „so wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (Gen 2,7). Und so wie wir in unserer kindlichen Spielfreude dem Schneemann menschliche Attribute zugewiesen hatten, erschuf uns Menschen Gott „als sein Abbild“ (Gen 1,27).

Die Lehre von der Gottesebenbildlichkeit wird in heutiger Zeit von vielen Zeitgenossen als „Projektion“ und gefährliche Überhöhung des Menschen abgetan. Eigentlich sei es doch genau anders herum, der Mensch habe nach seinen eigenen Maßstäben Gott erschaffen. Der einfachste Einwand dagegen stellt jedoch schon die Tatsache dar, dass der geoffenbarte Gott kein nach unseren Vorstellungen modellierter Schneemann ist, sondern er auch in seiner Nähe absolut transzendent bleibt.

Früheren Generationen war es vergönnt, dessen gewahr zu werden. Der Reformator Philipp Melanchthon († 1560) etwa staunte über dieses Geheimnis und hielt fest: „Wie groß muss doch die Liebe Gottes zum Menschengeschlecht sein, dass er bei unserer Erschaffung etwas von den guten Eigenschaften in uns einfließen ließ, die in ihm selbst die besten sind. – Was lässt sich Größeres denken?“

Der Autor, 23, studiert Katholische Theologie in Regensburg

Die Weihnachtszeit ist schon schön. Sentimental, heimelig, gemütlich. Darauf wird sie heute von vielen reduziert, auch – leider – von uns Christen. Schöne Lieder, schöner Schmuck, schöne Bibeltexte. Dabei ist das, was uns das Weihnachtsfest verkündet, eigentlich etwas Atemberaubendes, im wörtlichen Sinne. Das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi sollte uns den Atem rauben und uns immer neu vor die Faszination Gottes stellen, vor die Faszination eines Gottes, der all unsere menschlichen Denkstrukturen durchbricht.

Würde Gott heute Mensch, würden wir von ihm vermutlich viel erwarten, ebenso wie die Erwartungen der damaligen Zeit vor 2 000 Jahren. Niemals hätte man damals und niemals würden wir heute einen Gott erwarten, der für uns Mensch wird. Der Ewige wird zeitlich – klingt paradox, ist aber so.

Die Art und Weise, wie er Mensch wird, können wir gleichsam als Kurzform des ganzen Evangeliums begreifen. Der Mittelpunkt der gesamten Welt, des ganzen Alls, wird Mensch am Rand der Gesellschaft.

Er wird geboren in Palästina, am Rande des römischen Imperiums, auf den Feldern vor Bethlehem, zwischen Hirten – Menschen am Rande der Gesellschaft, gemieden oder zumindest nicht sehr hochgeschätzt. Übertragen wir das auf unsere Zeit, dann würde Jesus geboren werden inmitten von Obdachlosen, Asylbewerbern oder Todkranken. Inmitten von Menschen also, die wir nicht in unseren Wohnzimmern haben wollen, wenn die Lichter des Christbaums brennen. Hört sich vielleicht hart an, ist aber so – wenn wir ehrlich sind.

Die ganze Erzählung von der Geburt Jesu Christi, des Retters der Welt, sollte uns immer neu aufwecken, aufrütteln, ja beschämen. Wir können seine Botschaft der Rettung, der Heils und der Liebe nicht nur auf uns beziehen, wir müssen an die denken, die seine erste Anlaufstelle sind, an die Armen, seine „erste Liebe“, wie Benedikt XVI. sagt. Was könnte es Größeres geben, als all jene zu lieben, die zu Gottes erster und sicherlich auch größter Liebe zählen?

All das soll nicht bedeuten, dass wir Weihnachten nicht mehr – oder nicht mehr so prunkvoll – feiern sollen. Natürlich ist es auch unsere Pflicht als Christen, das Licht der Weihnachtsnacht, das Licht von Bethlehem, in die Welt zu tragen und uns zu diesem Jesus, dem Christus, zu bekennen.

Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass wir damit Nachfolger eines armen Fischers sind, eines Armen und Geringen unter vielen anderen Armen und Geringen. Also fordert Weihnachten auch uns selbst heraus, arm und gering zu werden. Wenn schon er, der Gott gleich war, sich erniedrigte, zum Menschen, zum Sklaven, zum Leidenden wurde – um wieviel mehr müssen dann nicht auch wir uns erniedrigen und zum Menschen werden. Unsere Aufgabe als Christen ist es eben auch – und zwar an jedem Tag des Jahres, an jedem Tag unseres Lebens – einzutreten für die, die niemanden anders haben, der für sie eintritt. Das wäre ein erster Schritt zu wirklichem „Frieden auf Erden“.

Der Autor, 20, studiert Katholische Theologie in Regensburg