Mein junger Glaube im Alltag: Nicht Staub sondern Leben: Auf das Amt des Diakons setzen: Ein todkranker Patient?: Liebe umsonst

Mein junger Glaube im Alltag: Stets verbunden: Verstehen lernen: Um 180 Grad

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Gleich in der ersten seiner berühmten 95 Ablassthesen von 1517 machte Martin Luther deutlich, dass „das ganze Leben der Gläubigen Buße sei“. Aller Wertschätzung des Wittenberger Reformators zum Trotz: „In den Jahrhunderten danach hat die Einzelbeichte im evangelischen Raum an Bedeutung verloren“, konstatiert der Redemptorist Hans Schalk in seinem jüngst wieder aufgelegten Bändchen „Beichten – warum und wie?“. Doch nicht nur im evangelischen, auch im katholischen Raum trifft man immer seltener eine authentisch gelebte Bußpraxis an. Extreme Kritik lancierte jüngst der Journalist John Cornwell, der die – in manchen Punkten gewiss nicht zu leugnende – „dunkle Geschichte“ der Beichtstühle thematisierte. Im „Instrument der Beichte“ meint er die Ursache und das Übel einer Sexualobsession und der Misshandlung von Schutzzöglingen im kirchlichen Rahmen gefunden zu haben.

Daneben gibt es jedoch auch eine andere Geschichte des Bußsakramentes, die bei Licht besehen wohl eher der Realität entspricht. Diese scheint aber leider nur allzu oft unter den Missbrauchsberichten unterzugehen. Es ist die Geschichte von der befreienden und wohltuenden Wirkung der Beichte. Pater Schalks Kleinschrift „Beichten – warum und wie?“ ist hierzu nicht nur ein notwendiges Korrektiv, sondern weist auch ganz praktisch ein, die Buße in ihrer eigentlichen, guten Funktion wieder neu zu entdecken.

In einem ersten Teil geht Schalk der Frage nach, wozu denn Beichten überhaupt gut sei. „Es ist gut für mich!“, ruft er seinen Lesern entgegen. Es sei die „Erfahrung der befreienden Liebe Gottes“. Andererseits lasse die Beichte auch den Menschen zu Wort kommen: Wir haben unser Tun zu verantworten und müssen uns auch gefallen lassen, dass unser Fehl und Tadel ins rechte Licht gerückt werden. Im Raum der Kirche ist das Geschehen zwischen Reue und Lossprechung auch Begegnung und setzt somit einen Gegenakzent wider die Sünde der eigenen Nabelschau, des Egoismus.

Daneben führt der zweite Teil in angenehmer, leicht verständlicher Sprache ein, wie man denn überhaupt beichtet. Es ist sehr angenehm, dass Schalk hier nicht moralisierend einen Sündenkatalog vorgelegt hat, der dann doch nur zu einer recht oberflächlichen Gewissenserforschung führen kann. Im Gegenteil, er legt die Finger auf die Wunde selbst: Die Schuld selbst muss in den Blick genommen werden. Dabei kann der abgedruckte Gewissensspiegel für Anfänger und Wiederentdecker des Bußsakramentes sehr hilfreich sein. Angeglichen sind die Angaben bereits an die neuen Gotteslobnummern. Bedenkenswert sind auch die Impulstexte, die für die vorliegende Ausgabe aktualisiert und erweitert wurden. Die Gedanken von Papst Franziskus über die „Gnade der Scham“ sind hier besonders hervorzuheben.

Neben diesen eher praktischen Tipps wird man in einem separaten Anhang in überblickender Kürze über die Geschichte des Bußsakramentes informiert. Auch hier bedient sich Schalk einer klaren und einfachen Sprache und gerade die große Schrift lässt auch Ältere am „Wunder seiner Barmherzigkeit“ teilhaben. Pater Schalks Beichtbüchlein darf somit auch nach über 60 000 gedruckten Exemplaren in dieser neuen Auflage als ein lebendiger Klassiker gelten, ideal für den Schriftenstand einer Pfarrei!

Der Autor, 22, studiert Theologie in München

Manchmal könnte man glauben, unsere Kirche hat kein Problem. Aber unsere Kirche hat ein Problem, und leider Gottes nicht nur eines. Unsere Strukturen ändern sich und dem muss die Kirche Rechnung tragen. Wir dürfen nicht mehr in Strukturen verharren, die längst vergangenen Zeiten entsprechen. Wir dürfen auch nicht mehr hoffen, dass sich die Zahl der Gläubigen und die Zahl der Kirchenbesuche innerhalb der kommenden Jahre vervielfachen wird. Ohne in prophetische Rede zu verfallen: Aber das wird meiner Meinung nach nicht sein.

Also dürfen wir auch nicht darauf vertrauen, dass wir einfach Stück für Stück Pfarreien zusammenlegen und Stück für Stück die Pfarrverbände vergrößern. Auch das wird eines Tages nicht mehr reichen. Wir haben in der heutigen Zeit als Christen die Aufgabe, aktiv mitzuarbeiten an neuen Formen des Gemeindelebens.

Umso mehr verwundert mich, welch geringe Stellung der Diakon in unserer Kirche zu haben scheint. Wie viele Männer im geeigneten Alter gibt es, die bereit wären, ehrenamtlich den Dienst des Diakons zu übernehmen und sich für dieses Amt von ihrem Bischof weihen zu lassen? Beinahe jede Pfarrei hat ihn, diesen einen Mann, der ohnehin schon vielfältige Aufgaben im Gottesdienst, in der Pastoral oder in verschiedenen Gremien erledigt. Wäre er Diakon, könnte er dem Priester noch tiefer, noch intensiver zur Seite stehen – ohne dabei direkt seinen Beruf aufzugeben und hauptamtlich für die Kirche zu arbeiten.

Natürlich will ich nicht fordern, dass sich ab sofort alle engagierten Männer der Kirche zu Diakonen weihen lassen. Aber es ist doch an uns als Glieder am Leib Christi, vermehrt über das Amt des Diakons nachzudenken. Ist es zeitgemäß, dass Diakone erst mit 35 Jahren geweiht werden können? Während Priester und Pastoralreferenten zehn Jahre jünger sein dürfen? Trägt das wirklich der kirchenpolitisch aktuellen Situation Rechnung? Kann das aufgehen? In meinen Augen nicht. Kein Theologiestudent kann das Ziel haben, Diakon zu werden – ist er nicht zum Priester berufen und will er nicht Pastoralreferent werden, gibt es für ihn keinen adäquaten Beruf in der pastoralen Tätigkeit seiner Kirche – oder zumindest kaum einen.

Sicherlich ist es nicht die einzige Lösung, auf das Amt des Diakons zu setzen und sein Amt erneut in den Mittelpunkt zu stellen. Aber es kann ein erster, wichtiger Schritt sein. Für die Zukunft der Kirche in unserem Land wird es wichtig sein, welche Schritte wir in den kommenden Jahren gehen. Dazu muss auch gehören, das Engagement der Laien in unseren Pfarreien zu fördern, um in der Pastoral auch vermehrt auf sie zu setzen. Vor allem gehört dazu, dass wir uns Gedanken machen und diese Gedanken auch umsetzen. Dann wird es auch möglich sein, dass wir unsere Probleme in den Griff kriegen, ja vielleicht auch aus der Welt schaffen können.

Der Autor, 20, studiert Katholische Theologie in Regensburg

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis versuchen durch ihren Kleidungsstil einen frischen Regierungsstil zu verkörpern, der das Land aus der Krise bringen soll. Aber angesichts der großen Probleme hilft nur eine neue politische Garderobe nicht. Es braucht finanzpolitische Kreativität und politische Tatkraft nach innen und außen, gepaart mit Leidensfähigkeit und Ausdauer.

Griechenlands Verhalten erinnert an einen Patienten, dem es nach einem ersten Therapieerfolg wieder besser geht. Er springt umher, freut sich über die Luft, die er wieder zum Atmen hat, sieht aber nicht, dass die Krankheit noch nicht geheilt ist. Der Patient droht noch schwerer zu erkranken, weil er sich der notwendigen Therapie verschließt, in der Meinung, es besser zu wissen: Ein Patient, dem die Todesnachricht verkündet wurde und der die fünf Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross durchläuft.

Die erste Phase des „Nicht-wahr-haben-wollens“ war der griechische Wahlkampf. Es wurden von den beiden heutigen Regierungsparteien vollmundige Versprechen gemacht, als ob die griechische Finanzmisere eine Erzählung aus der antiken Sagenwelt sei. Viele Politiker und Wähler schoben das Problem auf Europa und die Troika.

Die zweite Phase ist die des „Zorns“. Griechische Demonstranten zeigten ihre Wut auf Europa und besonders auf die Deutschen. Darauf folgt die Phase des „Verhandelns“. Jene Phase bezeichnen Mediziner als sehr kurz. Mit Blick in die Reaktionen Griechenlands nach den Hilfspaketverhandlungen fühlt sich der Beobachter bestätigt. Kaum ist das Geld auf dem Konto und die nächsten Verbindlichkeiten können abgelöst werden, schon ist die Phase der Verhandlung vorbei.

Die entscheidende Frage wird sein, ob im Krankheitsbild des Patienten „Griechenland“ nun die Phase der Depression einsetzt. Wirtschaftlich hat sie das Land gewiss schon erreicht. Auch bei vielen Griechen sind Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit Alltag. Ob nun auch die politisch Handelnden „den Kopf“ verlieren? Fakt ist, dass eine fünfte Phase der „Akzeptanz“ Griechenland in der gegenwärtigen Situation am Besten stehen würde. Denn so menschlich nachvollziehbar die erläuterten Phasen sind, desto wirtschaftlich unausweichlicher ist ein Annehmen der Situation. Nur im Einhalten der getroffenen Vereinbarungen kann Vertrauen entstehen, ohne das Griechenland wirtschaftlich und politisch ruiniert wäre – egal ob innerhalb oder außerhalb der Euro-Zone.

Was derzeit im politischen Dialog zwischen Griechenland und der EU fehlt, ist das gegenseitige Vertrauen in den jeweils anderen Partner und in seine guten Absichten. Beeindruckendes Beispiel für das Vertrauen in schier auswegloser Lage ist die biblische Erzählung von Abraham und seinem Sohn Isaak (Gen 22,1–19). Der Stammvater soll seinen einzigen Sohn opfern – eine Forderung von Gott, die für mich unmenschlich und nicht nachzuvollziehen ist. Aber Abraham nimmt diese ausweglose Situation im festen Vertrauen auf Gott an. Er ist sich sicher, dass Gott es gut mit ihm meint, obwohl er ihm etwas solch Hartes zumutet. Griechenland braucht eben jenes Vertrauen wie bei Abraham, der trotz aller unmöglichen Forderungen an die gute Absicht seines (Vertrags-)Partners glaubt.

Der Autor, 31, ist Schülerseelsorger

in Fulda

Vor kurzem durfte ich wieder einmal mit einem weisen alten Mann telefonieren. Das Lebensthema des „alten Pilgerbruders von Jesus", wie er sich selbst nennt, ist die „Liebe umsonst“. In den Augen der Welt ist sie umsonst, nutzlos, Mist (er verwendet immer ganz eindrückliche Bilder). Bei Gott heißt aber umsonst: gratis, geschenkt. Genauso ist es mit dem Überflüssig-Sein. In den Augen der Welt heißt überflüssig: umsonst, nutzlos, Mist. Bei Gott heißt überflüssig: überfließend sein, so voll sein von seiner Liebe, dass sie auf andere überströmt. Seine Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen (Römer 5,5). Ich will es ertragen, „überflüssig“ zu sein, damit Seine Liebe überfließen kann. Ich will es ertragen, „umsonst“ zu sein, damit ich umsonst und zweckfrei lieben kann.

Die Autorin, 28, ist Pastoralpraktikantin im Pfarrverband Graz Liebenau

Einkaufen an Heiligabend
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Unterwegs auf dem Jakobsweg
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