Mein junger Glaube im Alltag: Johannes vom Kreuz, Vorbild: Wer alles mein Haus mitbaut: Gegen den Strom schwimmen

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben an dieser Stelle jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben, was sie bewegt, ärgert, freut, stutzig macht oder staunen lässt.

Als ich vor elf Jahren angefangen habe zu ministrieren, wunderte ich mich, dass in der Karmelitenkirche das Fest des Heiligen Johannes vom Kreuz so besonders gefeiert wird.

Auf die Frage, wer dieser Heilige sei, antwortete man mir, dass er sich als Reformator sehr für seinen Orden eingesetzt hat. Manche mögen ihn nur als diesen ansehen, andere vielleicht nur als Gedichte- und Schriftenschreiber. Jetzt studiere ich Theologie und wohne im Gästehaus der Karmelitinnen in Mayerling. Die Schwestern des Klosters leben in einer päpstlichen Klausur. Man kann sie also nur durch ein Gitter getrennt antreffen. Selbstverständlich hat man sich aber nicht gescheut, auch hier dem Ordensheiligen ein ehrwürdiges Fest zu bereiten. Sie schmückten die Kirche mit den schönsten Blumen und achteten darauf, dass alles würdevoll aussah. Die heilige Messe hielt Abt Christian Feurstein vom Stift Rein und natürlich auch die Predigt. Sie handelte von dem Leben des Reformators.

Mit meiner damaligen Ministrantengruppe war ich vor einiger Zeit in Spanien auf den Spuren der Heiligen Teresa von Ávila und des Heiligen „Juan de la Cruz“ unterwegs. Ich konnte während der Predigt seine Lebensstationen im Kopf mitgehen. Mich wunderte dabei, dass in Hollywood noch niemand auf die Idee kam, aus seiner Biografie einen Kinofilm zu drehen. Kein Drehbuchautor könnte eine Lebensgeschichte spannender schreiben, selbst wenn sie erfunden wäre. Welches Genre herauskommen würde? Ganz klar: Action!

Der Heilige Johannes vom Kreuz wurde entführt. Im Ordensgefängnis wurde er von seinen Mitbrüdern misshandelt und gedemütigt. Für sie war er nur ein Revoluzzer – jemand, der dem Karmel nur geschadet hätte. Dort schrieb er sein berühmtestes Gedicht: Die dunkle Nacht. Es wurde nicht nur zu einen der schönsten Gedichte für uns Katholiken, sondern auch für die ganze spanische Literatur. Die Stelle, an der er in Toledo aus dem Fenster des Kerkers ausgebrochen und auf die Stadtmauer gesprungen ist, habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen. Unter den Mystikern gehört er sicherlich zu den mutigsten! Für mich ist er mehr als ein Reformator.

Der Autor, 19, studiert an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz Theologie.

Ich baue mit meiner Familie gerade ein Haus. Zufällig, oder wie ich sage: gottgelenkt, war der Festtag des Heiligen Josef am 19. März unser Baubeginn. Wohl dank seiner Hilfe und den tatkräftigen Bauarbeitern wuchs das massive Haus mit eineinhalb Geschossen und Keller in gut einem Monat. Ende April feierten wir Richtfest und nun ist schon alles unter „Dach und Fach“. Die Kinder sind „ganz aus dem Häuschen“ und wollen natürlich täglich zur Baustelle. Gerade unser fünfjähriger Matthäus hat einen besonderen Bezug: Seit Wochen sind alle Legosteine unter Beschlag und er baut kräftig Häuser mit Mauern, Fenstern und Treppen. Auch die Maurer liebten ihn und begrüßten ihn jedes Mal mit einem kräftigen „Hallo Matthäus, wie geht's?“. Am Tag, als die Rohbauer mit dem Kran abzogen, präsentierte er ihnen stolz sein Lego-Haus und weinte zum Abschied, da es doch seine Freunde seien. Unser gemauertes Haus tröstete dann aber über den Schmerz hinweg. Mir fiel „ein Stein vom Herzen“, dass wir so gute und tüchtige Maurer hatten.

„Stein vom Herzen“, „Unter Dach und Fach“, „Ganz aus dem Häuschen“ – seitdem ich baue, bin ich ganz sensibel für alle Redewendungen, die mit dem Bauen zu tun haben. Das geht auch Matthäus so. Beim Sonntagsgottesdienst in der Kirche blätterte Matthäus in seinen Kinderbüchern. Ich dachte, er verfolgte die Messe gar nicht, wurde aber eines Besseren belehrt. Mitten in der Lesung schreckte er hoch, tippte mich an und sagte leise: „Das mit dem weggeworfenen Baustein und dass Jesus der Eckstein ist, haben wir schon mal bei Pater Rupert im Urlaub gehört.“ Ich war platt. Er hatte aber recht, denn die Lesung aus der Apostelgeschichte Kapitel vier Vers elf hatte ich am Freitag in der Osteroktav selbst gelesen, als wir bei meinem befreundeten Zisterzienser in der Steiermark zu Besuch waren. Durch meinen Matthäus ist mir die Schriftstelle nun bleibend im Kopf. Sie war und ist für mich in den turbulenten Wochen mit Beruf, Familie und Hausbau eine Mahnung: Christus ist der Eckstein! Wenn ich vor lauter Rechnungen und Entscheidungen hilflos dreinschaue, versuche ich mir immer zu sagen: Werde nicht wie die Bauleute, die den Stein verwerfen, sondern werde zum Bauherren, der auf den Herrn Jesus Christus baut. Er ist und bleibt mein Eckstein im Glauben, im Familienleben und im Beruf, trotz oder gerade wegen des Hausbaus. Das ist Ansporn und Wahrheit zugleich, wie sie auch der Psalm 127 im ersten Vers formuliert: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.“ Gott sei Dank hilft mir dabei mein Matthäus, daran zu denken.

Der Autor, 29, leitet die Schülerseelsorge im Bistum Fulda, verheiratet und hat drei Kinder.

Was einen als Teil einer völlig atheistischen Familie und Umgebung letztlich zur Begegnung mit Jesus Christus bringt, ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Jeder, der so eine geistige Begegnung einmal gehabt hat, kennt dieses Gefühl und den einen Moment, ab dem man weiß, dass man sich am Beginn eines unumkehrbaren Weges befindet, der zu Gott führen muss. Wie es Händel im Messias singt „Heil den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14), ist es Gnade, die uns Menschen zuteil wird, wenn der Herr auf uns zukommt. Das ist das Entscheidende, was unser Christentum auszeichnet. „Denn es ist uns ein Kind geboren. Uns zum Heil ein Sohn gegeben“ (Jes 9,5). Uns ist ein Sohn gegeben. Gott ist in unsere Welt gekommen um uns zu erlösen. Und für uns ist er gestorben. Wie kann man da behaupten, dass Gott sich nicht für seine Schöpfung interessiert? Ich bin voller Überzeugung, dass uns Erkennenden damit Gnade zuteil geworden ist, die „Herrlichkeit des Herrn“ (Jes 40,5), das „lux perpetua“, das ewige Licht zu erblicken – die letzten Worte, die der sterbende Mozart komponierte.

Über diese Gnade, Gottes Volk sein zu dürfen, sind sich die meisten Christen heutzutage natürlich nicht mehr bewusst. Aber wir Jugendlichen haben durch die Gabe der Offenbarung des Herrn an uns auch eine Aufgabe erhalten. Wir müssen bekennen. Wenn wir unser Christsein aufgrund von Ängsten verstecken, werden wir der Gnade, die uns verheißen worden ist, nicht gerecht. Zwar ist „das Geheimnis eines Königs zu wahren“, aber es kommt die Zeit, da wir „die Taten Gottes offen zu rühmen“ haben (Tob 12,11). Wir Jugendlichen können und dürfen uns darauf verlassen, dass der Herr uns bei diesen Bekenntnissen helfen wird. Dafür ausgelacht zu werden ist normal, aber in meinem nicht nur aus strenggläubigen Christen bestehenden Freundeskreis wird das Thema Glaube überraschend ernster genommen als ich gedacht hätte. Allein durch das eigene Vorleben, das Nachfolgen hinter Jesus Christus, erahnen die Mitmenschen, welche Geheimnisse der christliche und katholische Glaube bewahrt, wenn auch in „zerbrechlichen Gefäßen“ (2 Kor 4,7) – denn wie es Joseph Ratzinger in seinem frühen Werk „Glaube und Zukunft“ schreibt, „kommt Gott durch Menschen zu uns Menschen“. So kommen die Menschen in meiner Umgebung durch mich zum Nachdenken und Diskutieren. Das ist mir Grund genug zur Freude. Freude – um die geht es. Wer glaubt, muss unweigerlich gegen den gesellschaftlichen Strom schwimmen. Da fällt es natürlich oft schwer, sich diese Freude zu vergegenwärtigen. Das geht nur im Vertrauen auf den Auferstandenen, den einen Herrn. „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: Freut euch“ (Phil 4,4) Das ist auch das Kernzitat, auf das die Botschaft des Heiligen Vaters zum 27.Weltjugendtag aufbaut. Ich hoffe, dass alle Jugendlichen diese Freude erreichen kann!

Der Autor, 19, ist Abiturient aus Trier.