Mein junger Glaube im Alltag: Ja sagen zu Gottes Plänen

Neulich im Priesterseminar: Advent heißt: Raus dem Trott

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Für mich ist eine der faszinierendsten Gestalten im alten Testament Hiob. Es ist beinahe unvorstellbar, wie ein Mensch, so von Gott gedemütigt, noch immer an seinem Glauben an die Existenz Gottes festhält. Was für mich diese Person aber vollends unbegreiflich macht, ist das Resumee, das er zieht:„Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“

Ein solches Gottvertrauen können wir in unserer Welt doch beinahe nie mehr erkennen. Alles Gute, das wir in unserem Leben sehen, all das Schöne, das uns widerfährt, all der Erfolg, in dem wir uns sonnen können: Das ist freilich unser Verdienst – das Ergebnis harter Bemühungen.

Erleben wir aber etwas Schlimmes, etwas, das unser Leben aus der bisher gewohnten Bahn lenkt und einen Neubeginn notwendig macht, dann sprechen wir oft nicht mehr von unserem Versagen, unserer Schuld oder nur einer unglücklichen Wendung. Nein, in so vielen Fällen muss Gott als Verursacher des Übels herhalten.

Das Gute nehmen wir aus seiner Hand, das Schlechte aber wollen wir nicht nehmen. Wir möchten gerne, dass Gott nur gibt, nehmen soll er nicht.

Mir ist in der letzten Woche bewusst geworden, wie schwierig für uns das Gebet Jesu am Ölberg ist. Er hat Angst, er weiß, dass ihm der schmerzhafteste und grausamste Tod am Kreuz bevorsteht. Und trotzdem betet er nicht darum, bedingungslos verschont zu werden. Das, worum er betet, ist die Erfüllung des Willens Gottes. Was Gott will, das soll geschehen – egal, ob er geben oder nehmen wird.

Für uns – oder zumindest für mich – sind diese Worte beinahe unmöglich zu beten. Viel zu sehr drängen die eigenen Wünsche und Vorstellungen, Ziele und Pläne in den Vordergrund und lassen alles andere in den Hintergrund treten. Zu sehr stehe ich im Vordergrund, um mit ganzem Herzen „Dein Wille geschehe“ sagen zu können.

Es ist wirklich schwierig, sein ganzes Leben in Gottes Hände zu legen – in allen Einzelheiten seinem Willen zu vertrauen. Sobald wir uns Gott nähern, sobald wir eine Beziehung mit ihm aufnehmen, müsste uns eigentlich deutlich geworden sein, dass wir diesem so fernen Gott trotz aller Distanz in allem vertrauen können. Uns müsste deutlich geworden sein, dass Gott einen Blick auf seine Welt hat und sie nicht vollkommen sich selbst überlässt: Greift er auch nicht direkt ein, beendet er auch nicht den Krieg in Syrien, den Hunger in Afrika und die industrielle Umweltzerstörung, so hat Gott doch einen Plan mit seiner Schöpfung und mit jedem einzelnen Geschöpf, das er aus Liebe heraus entstehen ließ.

„Wir wissen, dass

es Höhen geben

wird und Tiefen

kommen müssen“

Ich glaube, wenn uns das bis ins Letzte bewusst geworden ist, dann können wir unser Leben wirklich mit einer inneren Freiheit führen. Wir wissen, dass es Höhen geben wird und Tiefen kommen müssen, aber letztlich wandern wir einem Ziel entgegen, für das und auf das hin Gott uns geschaffen hat. Wenn wir dies begriffen haben, dann können wir zu jeder Wendung des Lebens sagen: „Der Herr hat gegeben.“ Oder: „Der Herr hat genommen.“ Vor allem aber können wir zu jeder Zeit glauben: „Gelobt sei der Name des Herrn.“

Der Autor studiert Theologie

in Regensburg