Mein junger Glaube im Alltag: Ein Lob auf den Heiligen Rock: „Ostern pur“ nach der Virusschlacht: Eine Busfahrt, die ist lustig ...: „Tu es nicht“ – Stimmen im Kopf

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben an dieser Stelle jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben, was sie bewegt, ärgert, freut, stutzig macht oder staunen lässt.

Die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier ist eröffnet. Unter dem Leitspruch „Und führe zusammen was getrennt ist“ und im Hinweis auf das Johannesevangelium 19,23 steht sie besonders unter dem Zeichen der Ökumene. Nicht erspart bleibt im Zuge der Ökumene leider auch die immer wieder auftretende Diskussion um den Reliquienkult. So unterstellte ein evangelischer Pfarrer aus Trier uns Katholiken zum Beispiel, dass wir uns vom Anbeten eines Stücks Stoffs tatsächlich Heil erhoffen. Die evangelische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph konnte nach Verlesung der Papstbotschaft im Eröffnungsgottesdienst noch nicht mal applaudieren. So viel zu meinen Eindrücken, was die Ökumene angeht. Nein, das Motto „Und führe zusammen was getrennt ist“ hat für mich eine ganz andere Bedeutung! Nach den schweren Beschädigungen der katholischen Kirche durch die Missbrauchsfälle im Jahr des Priesters liegt mir momentan vor allem viel an der Begegnung mit meinen gleichgesinnten Mitbrüdern und Mitschwestern. Durch das Vordringen des Bösen bis in den Kern unseres Leibes, der Kirche, sind wir Gläubigen verunsichert und irritiert. Für mich dient die diesjährige Wallfahrt dazu, sich zu begegnen und vor allem sich im richtigen Glauben an den einen wahrhaftigen, auferstandenen und lebendigen Herrn Jesus Christus gegenseitig zu stärken und wiederzufinden. So führt der Heilige Rock für mich nicht zuerst Gläubige verschiedener Konfessionen, sondern Gläubige verschiedener Glaubenszustände zusammen. Dass ein großes Verlangen nach mehr Orientierung vorhanden ist, haben mir die Begegnungen in Trier rund um den Heiligen Rock bereits gezeigt. Und ist das nicht der eigentliche Sinn einer Reliquie – sich in einem gemeinsamen Namen auf den Weg zu machen und an einem Ort zu etwas zusammengeführt zu werden, das man zuvor nur getrennt und alleine empfand und erlebte? Das kann beispielsweise die Angst um unsere Mutter Kirche sein, die Angst vor einem Bekenntnis zu der so in Misskredit geratenen Kirche. Ein absoluter Höhepunkt der Wallfahrt für mich ist das tägliche Abendlob um 21 Uhr im Trierer Dom. Dabei verwandelt sich der Dom in ein prall gefülltes Konzerthaus, in dem eine Mischung aus biblischen und musikalischen Meditationen präsentiert wird. Nach dem Segen steht der Bischof dabei oft noch einige Minuten alleine vor dem Schrein des Heiligen Rocks. Und ich weiß, dass er, so wie jeder vernünftige Christ, dabei nicht das Stück Stoff, sondern den Gott und Menschen, der es getragen hat, anbetet.

Der Autor ist 19 Jahre alt, Abiturient und kommt aus Trier.

Bereits vor der Karwoche kämpfte meine Tochter Josefine als erste von uns mit Husten und Fieber. Dann ging der „virale Wanderpokal“ nacheinander an Cyprian, Matthäus, meine Frau und zuletzt mich selbst über. Irgendwie war dann schließlich Ostern. Am zweiten Feiertag wollten wir in die Steiermark nach Österreich fahren. Der Urlaub mit einem befreundeten Zisterzienserpater war seit einem halben Jahr verabredet. Zögerlich und noch entkräftet fuhren wir viel zu spät los. Bereits nach einer halben Stunde der siebenstündigen Fahrt fragte Josefine, wann wir endlich da seien. Wenig später wurde es Matthäus schlecht – und wir waren noch nicht einmal auf der Autobahn. Die Nerven lagen blank, die Stimmung katastrophal.

Dann kamen die Berge in Sicht. Die Kinder sahen zum ersten Mal die schneebedeckten Alpen live. Verschiedene Tunnel machten die Strecke spannend. Mit der Messfeier am Abend und dem großen Halleluja nahm schließlich eine gnadenreiche Osteroktav ihren Lauf. Gesund spazierten wir mit unserem Pater bei gutem Wetter durch die wunderschöne Landschaft. Wir erlebten Gottes Schöpfung am Ingeringsee, wo wir in der Sonne uns die Neuigkeiten erzählten, während die Kinder Fische und Enten mit Butterkeksen versorgten.

Das schönste war aber das geistliche Auftanken: Die tägliche Heilige Messe, das gemeinsame Stundengebet mit meinem Pater und die Anbetung am Abend brachten unsere aufgescheuchten Seelen zur Ruhe. Josefine und Matthäus ministrierten mit meiner Hilfe zum ersten Mal und waren so süß anzuschauen. Sie waren wie der „Blumenstrauß vor Gottes Thron, an dem sich Gott selbst erfreute“ – wie es in der Novene zur göttlichen Barmherzigkeit heißt. Es war für uns Eltern in der Osteroktav fortan sehr erholsam, dass die beiden ohne großes motivierendes Zureden gern in die Kirche gingen. Der Besuch in Heiligenkreuz mit der Verehrung der Kreuzreliquie und der Begegnung mit Abt Maximilian Heim rundeten die geistliche Stärkung ab. Ich habe noch nie so intensiv die Osteroktav erlebt, in der die Kirche eine Woche wie einen Tag feiert. Für mich schien der Strahl der göttlichen Ewigkeit und Barmherzigkeit in diese Woche hinein. Ich verstand tiefer, dass die Kirche mit der Osteroktav zeigt, dass dank der Auferstehung Jesu die Welt und unsere Zeit hineingenommen sind in die göttliche Ewigkeit. Die Zeit schien still zu stehen, auch für die Kinder. Sie wollten nach einer Woche die Bergwelt noch nicht verlassen. Mit frohen Herzen fuhren wir wieder heim, ein Halleluja auf den Lippen und mit erschöpft schlafenden Kindern im Auto. „Das war Ostern pur!“ Meine Frau brachte es auf den Punkt.

Der Autor ist 29 Jahre alt und Schülerseelsorger im Bistum Fulda.

„Our God is an awesome God he reigns from heaven above, with wisdom, power and love our God is an awesome God ...“ ertönt es im Bus Nummer 46 auf dem Weg zum Petersplatz in Rom. Einige Mädchen, die mit Tüchern und Fahnen mit dem Logo der Schönstattbewegung unterwegs sind – und teilweise im kompletten Bus verteilt stehen – singen diese Ballade des Glaubens mehrstimmig mit festen wohlklingenden Stimmen. Am Ende des Liedes stimmen sie sofort ein neues an. Ihr Repertoire ist groß und geht von christlichen bis hin zu fröhlichen weltlichen Stücken.

Als ich über Palmsonntag eine Woche als Teil dieser Gruppe den Vatikan besuchte, habe ich während den täglich anfallenden Busfahrten zunächst nicht in den teils wunderschönen, teils schrägen Gesang eingestimmt. Auf Weltjugendtagen ist es ganz selbstverständlich, als Gruppe auf Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu singen. Es herrscht überall Begeisterung und man fällt nicht weiter auf. Aber dort in Rom an einem ganz normalen Tag unter ganz normalen Leuten war es mir ziemlich peinlich. Ich befürchtete, komisch angesehen zu werden oder die ohnehin gestressten Mitfahrer zu nerven.

Aber, o wunder: Entgegen meinen Befürchtungen schenkten uns die meisten Busgäste viel Sympathie. Natürlich gab es Ausnahmen: Einmal hat zum Beispiel ein Mann nach einem Lied kurz geklatscht und dann auf Italienisch gesagt, jetzt sei es aber auch genug. Die meiste Zeit über konnte ich aber in lächelnde Gesichter blicken. Einige fragten uns, was für eine Gruppe wir denn seien, ein Mädchen im Rollstuhl tanzte bei dem Gesang mit und ein etwas jüngerer Mann fiel sogar einmal bei „Jesus Christ, you are my life“ ein.

Durch diese Reaktionen fand auch bei mir eine Veränderung statt. Ich bemerkte, dass man schon mit kleinen Dingen, wie einfach im Bus zu singen, die Freude des Glaubens weitergeben kann – und umso mehr machte mir dann das Singen Spaß. Besonders schön war es während des Besteigens der Kuppel des Petersdomes. Im Hohlraum zwischen den Wänden gab es einen tollen Klang! Ein junger Chinese, der überhaupt nichts mit dem christlichen Glauben zu tun hat, blieb während des gesamten Aufstiegs bei uns, um die „schönen Lieder zu hören“.

An Palmsonntag kam dann sogar richtiges Weltjugendtagsfeeling auf, als wir beim Warten auf die Palmprozession, bei der wir jede einen Palmzweig tragen durften, neben einer Gruppe der Gemeinschaft Emmanuel standen und gemeinsam mit diesen gesungen haben. Im Nachhinein denke ich oft an diese Augenblicke zurück und bin froh, dass wir ein klein wenig Zeugen von der Liebe Gottes sein konnten.

Die Autorin, 21, studiert Public

Administration in Münster.

„Wie klingt denn eigentlich die Stimme Gottes?“ – Mit dieser Frage brachte mich mal ein Freund in Verlegenheit. Ich hatte ihm erzählt, dass mir im Alltag schon sehr oft Eingebungen des Heiligen Geistes in bestimmten Situationen weitergeholfen hatten oder dass es Momente gab, in denen ich Jesu Stimme hörte, die direkt zu mir sprach. Mein Freund fand das „cool“ und fragte weiter, wie das so ist, mit Gott zu sprechen. Ob Gott feste Gesprächszeiten habe. Was ich ihm sagen konnte, ist, dass er oft ausgerechnet dann zu sprechen beginnt, wenn man am liebsten will, dass er sich raushält. So wie vergangenen Mittwoch bei der Psychologieklausur. Ich hatte nicht genug gelernt und einige Schwierigkeiten. Ich musste dann mal zur Toilette, der Lehrer erlaubte es. Während ich die Treppen hinunterging, fiel mir plötzlich ein, dass im Arbeitsraum noch mein Laptop mit Internetzugang steht. Besonders über Aufgabe zwei ärgerte ich mich, in der wir Kennzeichen der Schizophrenie beschreiben sollten und ich einfach einen Blackout hatte. Aber vielleicht hilft ja ein kleiner Blick ins Word Wide Web meinem Gedächtnis auf die Sprünge?

„Nein, Rudolf, tu es bitte nicht.“ – Ich blieb stehen. Die Stimme klang nicht zornig oder drohend, sie klang gütig. Sie klang so, als würde der Satz mit einem Lächeln auf den Lippen ausgesprochen. „Aber Jesus, betrachte doch mal meine Situation?“, begann ich zu diskutieren und stockte. Irgendwie klang die Stimme auch so, als ob sie enttäuscht sein würde, wenn ich es dennoch täte. Ich schluckte, gab keine Antwort mehr und ging zur Toilette. Da sprach dann wieder eine andere Stimme, eine aufgeregte, hektische und irgendwie schleimige, die mir einreden wollte, wie wichtig es doch sei, die Aufgabe richtig zu lösen und begann an meinem Stolz zu kratzen, indem sie behauptete, ich würde mich wahrscheinlich nur nicht trauen. Jesus schwieg. Er hatte bereits gesagt, was zu sagen war. Es lag nun an mir und meiner von Gott gegebenen Entscheidungsfreiheit.

Als ich die Klausur am Schluss beim Lehrer abgab, hatte ich ein großes Lächeln im Gesicht. Ein tiefes Gefühl von Freude, obwohl die Klausur nun wirklich nicht der Brüller war. Aber ich hatte einen Sieg für die Sache Gottes errungen. Von meinem inneren Kampf mit der Möglichkeit, in der Klausur zu mogeln, habe ich meinem Lehrer nichts erzählt. Denn Stimmen im Kopf – das klingt doch irgendwie schizophren.

Der Autor, 18, ist Schüler und wohnt in Seubrigshausen.