Mein junger Glaube im Alltag: Der wichtigste Moment: der Tod: Jugendvesper im Kloster: Herr, lehre uns beten!

Mein junger Glaube im Alltag:  Gott weiß  alles: Offen sein für Gottes Gnade: „Love is the  new black“

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Organspenderausweis oder nicht? – diese Frage habe ich mir schon öfter gestellt, mich aber nie wirklich entschieden, wie ich dazu stehe. Nach einer Diskussion mit einem guten Freund, der sich kürzlich einen Spenderausweis zugelegt hat und diesen ganz stolz präsentierte, habe ich mich dann doch einmal ernsthafter mit dem Thema auseinandergesetzt, was gar nicht so einfach ist, denn wo bitte findet man in den Medien eine objektive Berichterstattung? Zu viele Interessen, zu viel Geld hängt an dem Geschäft mit den Organen.

Was mir allerdings seit den Diskussionen im Philosophieunterricht in der Oberstufe auf die Nerven geht, ist die Tatsache, dass in jeder Diskussion gerne eine Schäm-dich-Ecke aufgemacht wird, in die jeder geschoben wird, der es wagt mit Argumenten zu kommen wie: ich will aber mit all meinen Organen sterben. So was will man aber gar nicht hören, denn argumentiert wird immer nur aus der Sicht der Organempfänger. Natürlich ist es entsetzlich, jahrelang auf ein Spenderherz warten zu müssen und bis dahin unendlich zu leiden oder gar zu sterben, weil kein Mensch bereit ist, einem zu helfen. Natürlich ist es katastrophal, wenn die verzweifelten Aspiranten auf obskure Geschäfte mit asiatischen Organhändlern zurückgreifen und somit die grausame Ausschlachtung beispielsweise von chinesischen Häftlingen fördern. So soll sich unser Gewissen im Namen der Nächstenliebe auf die Option einlassen, die so einfach scheint: Sag ja zur Organspende, besorg dir einen Spenderausweis, denn wenn man eh tot ist, warum nicht wenigstens dann noch Gutes tun und ein Organ verschenken und so ein Menschenleben retten?

Warum zögert da überhaupt noch jemand, sind wir solche Unmenschen oder ist das Ganze vielleicht doch nicht so schön wie es aussieht? Voraussetzung für eine Organentnahme ist eine Hirntod-Diagnose. Das mag zwar ein Zwischenstadium zwischen Leben und Tod sein, aber Tatsache ist, dass ein Hirntoter noch keine Leiche ist, da der Körper selbst nach einem diagnostizierten Hirntod nach Abschalten der Geräte noch gut und gerne zwei Wochen weiterlebt.

Es ist klar, dass mit abgestorbenen Organen nichts mehr zu machen ist und ein Organ für eine Transplantation frisch sein muss. Das heißt im Klartext: Habe ich einen Organspenderausweis, dann werden die Ärzte, die extrem gut an Organtransplantationen verdienen, sobald ich entweder Unfallpatient bin oder sonst auf irgendeine Weise mit einem Fuß im Jenseits stehe, sehr großzügig diagnostizieren, dass bei mir nichts mehr zu machen ist. Man wird also beginnen, mich auf die Organentnahme vorzubereiten. Statt den Körper auf den baldigen Tod hin zu behandeln und beispielsweise schmerzlindernde Mittel zu geben oder den Körper ganz einfach in Frieden sterben zu lassen, wird alles getan, um optimale Durchblutung und Sauerstoffversorgung zu garantieren, damit die Organe schön gesund bleiben. Das heißt, der Todeskampf wird in Folge dessen künstlich verlängert und der Körper leidet, nur dass so etwas gerne übersehen wird, weil sich der hirntote Patient natürlich nicht wehren kann. Es gibt aber Menschen, die nach der Hirntoddiagnose wieder zurück ins Leben kamen, aber das passiert eher selten, weil der Körper ja durch die Organentnahme in der Regel lebensbeendend betroffen ist.

Falls der arme Organspender aber fast bis zuletzt bei Bewusstsein ist, dann muss man sich doch fragen, wie so ein Tod wohl aussieht: während des Todeskampfes an Maschinen angeschlossen dazuliegen – also in den entscheidenden Momenten unseres Lebens. Den Momenten, wo wir uns als Christen darauf vorbereiten sollten, endgültig vor Gott zu treten. Hinsichtlich gesetzlicher Regelungen zum Thema Organspende wird sicher noch einiges auf uns zukommen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir irgendwann an dem Punkt sind, wo diejenigen öffentlich angefeindet werden, die sich weigern, ihre Organe herzugeben. Aber wem seine Sterbestunde am Herzen liegt, der sollte sich gut überlegen, was er mit sich machen lässt. Wie mit Sterbenden umgegangen wird zeigt das Menschenbild einer Gesellschaft. Menschenwürde, Respekt und Nächstenliebe, damit ist im lukrativen Organgeschäft rasch bei der Hand, aber wie sieht es für die Spender aus? Der entscheidende Punkt ist unser Umgang mit dem Tod.

Nicht derjenige ist der Böse, der kein Organ spenden will. Wer ein Spenderorgan braucht, um nicht zu sterben, sollte sich fragen, ob nicht vielleicht sein Leben hier auf Erden jetzt ganz einfach an sein Ende gelangt ist. Das ist natürlich schwer zu akzeptieren, wenn man keine Hoffnung auf ein Jenseits hat, aber das Problem haben wir Christen Gott sei Dank nicht. Der wichtigste Moment im Leben ist der Tod! Wie wollen wir unserem Schöpfer in diesem Moment entgegentreten? Halb ausgenommen?

Die Autorin (20) studiert Kunstgeschichte und Theologie in München

Am Wochenende durfte ich bei der Jugendvesper im Kloster Wechselburg teilnehmen. Weit mehr als hundert Jugendliche aus ganz Sachsen und aus Ettal treffen sich mehrmals im Jahr, um gemeinsam zu beten, zu feiern und über ein Thema des Glaubens nachzudenken und zu diskutieren. Einer der Workshops zum Thema „Tradition im Advent“ durfte ich leiten.

In einer kleiner Runde konnten wir diskutieren, inwiefern Traditionen gerade uns Christen Halt geben. Die Fülle der christlichen Traditionen gibt uns die Möglichkeit, uns immer im Glauben zu Hause zu fühlen, immer Rituale vorzufinden, die es uns ermöglichen, christliche Glaubensinhalte zu vertiefen und angemessen zu feiern. Die in jedem Jahr wieder brennenden Kerzen des Adventskranzes geben uns die Möglichkeit, zur Ruhe zur kommen. Die sich in jedem Jahr wiederholende Feier der Osternacht hilft uns, uns in der Liturgie zurechtzufinden und den Höhepunkt unseres Kirchenlebens tief und intensiv zu begehen. Die immer gleiche Form der Messfeier erlaubt es, die Begegnung mit Christus in der Eucharistie als Konstante unseres Lebens zu erfahren.

Und dennoch haben wir alle während unserer Diskussion die Erfahrung gemacht, dass Traditionen auch einengen können. Wo wir immer wieder Traditionen wiederholen, sind sie für uns nichts Besonderes mehr. Sie gehören dazu, weil es schon immer so war. An jedem Aschermittwoch wird uns das Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet – weil es immer schon so war. Das Öffnen der Adventskalendertüren kann allzu leicht ein gewöhnlicher und gewohnter Vorgang werden und nicht mehr Ausdruck des Wartens und der wirklichen Vorfreude auf Weihnachten sein. Die jährliche Ostereiersuche wird zur Tradition und hindert uns so daran, zu verstehen oder zu fragen, welcher Sinn eigentlich hinter diesem Vorgang steht. Und schließlich müssen wir allzu oft feststellen, dass Traditionen auch vom Markt übernommen und banalisiert werden. Denken wir nur an den knallroten Coca-Cola-Weihnachtsmann.

Nach all diesen Gedanken, bei denen wir auch in unserer Diskussion keine eindeutige oder einfache Lösung fanden, wurde in der dunklen, nur vom Schein vereinzelt brennender Kerzen erleuchteten Kirche die nächtliche Vigil gefeiert. Für mich war es besonders bewegend, dass inmitten dieser vielen Menschen in beinahe greifbarer Besinnung der adventliche Psalm 24 gebetet wurde, in dessen Zentrum der Ruf „Ihr Tore hebt euch nach oben, hebt euch ihr uralten Pforten; denn es kommt der Herr der Herrlichkeit“ steht. Mir war selten vorher so bewusst, dass auch unsere Kirche heute auf ihren Erlöser wartet, dass wir Weihnachten erwarten. Und mir wurde bewusst, dass das der Sinn aller Traditionen ist: Uns eine Hilfe darin zu sein, den Blick wirklich auf unseren Gott zu richten und unseren Glauben in unseren Alltag hereinzuholen. Wenn wir die Traditionen bewusst begehen, können sie unsere Herzen öffnen und können daran beteiligt sein, die „uralten Pforten“ unserer Seele zu öffnen und für Gott bereit zu machen.

Der Autor studiert katholische

Theologie in Regensburg

Auch wenn im „Jahr des Glaubens“ Glaube und Glaubensinhalte im Vordergrund stehen sollten, dürfen wir nicht vergessen, dass dem Glauben noch eine entscheidende „Grundkompetenz“ vorgelagert ist, die uns erst zum Glauben führt: das Gebet. Während wir uns heute anhand des Katechismus und vielen theologischen Werken Glaubenswissen recht schnell aneignen können, braucht es mit dem Beten seine Zeit. Wir müssen mit dem Herrn erst „warm werden“. Im Beten brauchen wir immer wieder Nachhilfe. Und darum lohnt es sich in dieser vorweihnachtlichen Zeit, noch einmal in die „Vorschule des Betens“ (Romano Guardini) zu gehen.

Beten können wir überall – wenn wir uns nur sammeln. Ein belegter Schreibtisch, ein scharf gestelltes Handy, ein drängender Termin halten uns eher davon ab, mit Gott ins Gespräch zu kommen. Vielleicht nutzen wir ja einmal die Gelegenheit, Christus im Tabernakel zu begegnen, wenn wir an einer nahegelegenen Kirche vorbeigehen. Haben wir keine Hemmungen. Christus wartet auf uns, er lädt uns ein. Wir dürfen seine Einladung annehmen.

Beten ist ein Prozess des Wachsens in der Gegenwart Gottes. Viele Christen haben Startschwierigkeiten mit dem Beten. Manchmal lassen wir das Gebet zum Abspulen von Texten verkommen und meiden das persönliche Gespräch. Manchmal gehen wir verschlossen und hartherzig ins Gebet und meinen, unsere Monologe seien Gottes Antwort auf unsere Fragen. Manchmal bleiben wir auch einfach nur stumm und vergessen, dass auch Gott leise antwortet. Selbst der langjährige Christ muss das Beten immer wieder neu lernen. Seien wir nicht resigniert, wenn Gott uns nicht unmittelbar etwas eingibt, wenn wir vor ihm knien. Hören wir mit dem Beten nicht auf, wenn wir an unserer Gebetsfähigkeit zweifeln. Bitten wir Gott um Hilfe: „Herr, lehre uns beten!“ (Lk 11, 1)

„Besinne Dich auf die Gegenwart Gottes, und kaum dass Du sagst: Herr, ich kann nicht beten – kannst Du gewiss sein, dass Du schon mitten im Gebet bist“, sagte der heilige Josemaría Escrivá einmal. Lassen wir uns von Gott abholen, wenn wir ihm etwas sagen wollen. Besuchen wir ihn aber auch, um einfach nur Danke zu sagen – oder „einfach nur so“.

Beginnen wir in dieser weihnachtlichen Zeit mit einer realistischen Regelmäßigkeit des Gebetes in unserem Alltag – morgens, mittags, abends. Schaffen wir uns jeden Tag mindestens zehn Minuten frei für das intime Gespräch mit Gott. Beziehen wir ihn in die kleinen und großen Entscheidungen unseres Alltages ein. Lassen wir Gott unseren Freund und Berater sein. Warten wir mit großen Entscheidungen etwas ab und bitten zunächst unseren Herrn in der heiligen Eucharistie um Rat. Bitten wir Gott um seine Hilfe – vertrauen wir dann aber auch darauf, dass er uns helfen wird. Bitten wir ihn nicht nur für uns – beten wir auch für unsere Freunde und Feinde. Ein Vorsatz: Wenn morgen früh unser Wecker klingelt, nehmen wir das Dunkel des Morgens mit Freude an. „Ich danke Dir, mein Herr und mein Gott, dass Du mir diesen Tag geschenkt hast. Ich will ihn Dir opfern.“

Der Autor (20) studiert Rechtswissenschaften und BWL in Köln