Mein junger Glaube im Alltag: Christus als König: Mehr an Christus!

Mein junger Glaube im Alltag: Christus als König: Mehr an Christus!

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Es kommt in unseren Breitengraden nicht so oft vor, dass Kirchen bis zum letzten Platz gefüllt sind. Noch weniger, wenn es Jugendliche sind, die teilweise auf dem roten Teppich einer 1 600 Jahre alten Klosterkirche Platz nehmen. Aber an diesem Wochenende waren es ein paar Hundert, die sich an einem Ort verdichteter benediktinischer Spiritualität trafen: im Stift Kremsmünster. Die prächtigen barocken Gemälde und Verzierungen und die in buntes Scheinwerferlicht getauchten Deckengewölbe trugen ihren Teil zur stimmungsvollen Atmosphäre bei. Die ersten Klänge des Musikteams lassen eine Tiefe erahnen, in der die Gegenwart Gottes spürbar wird. Die Chorleiterin ist eine Musikstudentin Anfang Zwanzig mit brennendem Herzen und unschwer erkennbarem Talent. Nach der gestalteten Vesper mit Abtprimas Notker Wolf, der extra aus Rom angereist kam, taucht nun vorne eine korpulente Schwester auf, ihr Name: Sr. Teresa Zukic. Beeindruckend erzählt sie, wie sie vom Leistungssport ins Kloster wechselte und als „Skateboard-Schwester“ durch die Medien ging. Mit ihrer begeisternden Art gewinnt sie die Aufmerksamkeit der Jugend sofort. Hinten kniet ein Kameramann, der vor Rührung mal kurz von seinem Job pausiert. Eine Stunde später wird ein Priester mit dem Allerheiligsten durch die Reihen ziehen, während in den Seitenschiffen die Jugendlichen vor den Beichtpriestern Schlange stehen. Ich beobachte die Burschen und Mädchen, die an diesem Abend eine existenzielle Entscheidung treffen: Jesus Christus als ihrem König nachzufolgen.

Diese Jugendlichen feiern also ihren König. Und sie feiern leidenschaftlich. Mittlerweile fand das Christkönig-Jugendfestival das siebte Mal statt. Organisiert und getragen wurde es von Jugendlichen, die ihre Zeit und Energie verschwenden, um Gleichaltrigen eine Begegnung mit dem lebendigen Gott zu ermöglichen und sie mit dem König bekannt zu machen.

Und wissen Sie was: Ich gehöre auch zu dieser Generation, die König Jesus folgt. Mit 14, eingeladen von einer Freundin, traf ich bei einem internationalen Jugendfestival eine existenzielle Entscheidung für Gott. Die gute Botschaft dabei: Ich habe es keine Sekunde bereut. Ganz im Gegenteil: Ich liebe es, zu dieser jungen Generation in der Kirche zu gehören, die aufsteht und der Welt zuruft: Es ist Zeit, groß zu träumen! Gott träumt unglaublich viel größer von uns! Er sammelt ein Volk, das ihn als König leidenschaftlich liebt. Diese jungen Freaks, die die alten Gemäuer unserer Tradition neu mit Leben erfüllen, die begeistert ihren Freunden von Gott erzählen, die still und verborgen nachts vor dem eucharistischen Herrn knien, die sich vor dem Reichtum der Kirche verbeugen, sie sind die Zukunft der Kirche. Davon bin ich fest überzeugt und freue mich, mit ihnen Christus als König zu feiern.

Die Autorin, 23, studiert Fachtheologie in Salzburg

Seit Wochen beschäftigt die außerordentliche Bischofssynode über Ehe und Familie viele Katholiken in Deutschland. In erster Linie wird gestritten über eine Öffnung der Kirche für wiederverheiratete Geschiedene und homosexuell veranlagte Personen. Zu diesen Themen haben sich Kardinäle in Rom regelrecht die Köpfe eingeschlagen: Dürfen wir Personen, die nach gescheiterter sakramentaler Ehe in einer zweiten Zivilehe zusammenleben und gemeinsam ihre Kinder erziehen, die sich wirklich darum bemühen, nach der kirchlichen Lehre zu leben, die Kommunion verweigern? Wie wollen wir homosexuell empfindenden Personen begegnen, die ihre sexuelle Orientierung als Wesensmerkmal ihrer Person entdecken, diese Identität annehmen und sich darum bemühen, ein Leben nach dem Evangelium zu führen? Wie wollen wir mit gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern umgehen, die treu füreinander Verantwortung übernehmen und in schweren Lebenslagen füreinander einstehen?

Fragen über Fragen. Die wirklich spannende Frage ist die nach den Motiven: Warum kämpfen viele Katholiken so vehement für eine Öffnung der Kirche gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften? Geht es hier um eine sorgfältig abgewogene pastorale Antwort? Oder steht letztlich doch nur allgemeines Reformstreben im Vordergrund – a la „Wir müssen endlich die Realitäten ernst nehmen“ oder „Wenn wir daran festhalten, laufen uns doch nur die Leute davon“?

Ich frage mich, ob unsere Kirchen wirklich voller wären, wenn wir uns – so die Forderung des „Mainstreams“ – in einigen Punkten weiter „öffnen“ würden. Führt eine neue Sprachregelung im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen wirklich dazu, dass Menschen wieder mehr mit Christus in Berührung kommen? Oder müssten wir nicht an ganz anderen Punkten arbeiten und ansetzen – damit unsere Kirchen wieder voller, unsere Gemeinden wieder lebendiger und wir als Christen wieder missionarischer und glaubwürdiger werden? Sind es wirklich solch „banale“ Streitthemen wie die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion, das Zölibat oder die Frauenordination, die unsere Kirche in Deutschland erneuern und nach vorne bringen können? Oder sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr?

Eine wirkliche Erneuerung der Kirche kann immer nur mit einem Mehr an Christus und nicht mit einem Weniger gelingen. Besinnen wir uns zurück auf das Evangelium – die frohe Botschaft, die das Leben dessen, der es hört und in sein Herz lässt, radikal verändert. Was die Kirche wirklich voranbringt, sind jene kleinen Aufbrüche, die medial oft gar nicht wahrgenommen werden: Familien und Hauskirchen, die die befreiende Botschaft des Evangeliums für ihren Alltag entdecken möchten, Glaubens- und Gebetsgemeinschaften, die wirklich näher zu Christus führen, apostolische Initiativen, Priester, die Laien in der geistlichen Leitung an die Hand nehmen. Theologische Debatten sind wichtig. Doch wir müssen den Glauben mehr leben als bloß über ihn zu reden. Papst Franziskus gibt uns mit auf den Weg: „Verkündet das Evangelium, notfalls auch mit Worten!“

Der Autor, 22, studiert Rechtswissenschaften in Köln