Martyrium für den barmherzigen Gott

Alexander Ertl
Alexander Ertl, 24, freier Autor "Junge Federn" und studiert Theologie in München
Alexander Ertl
Alexander Ertl, 24, freier Autor "Junge Federn" und studiert Theologie in München

In wenigen Tagen beginnt der Weltjugendtag in Polen. Noch nie wurden solch intensive Sicherheitsvorkehrungen getroffen wie bei diesem mittlerweile 31. Glaubenstreffen. Dennoch ließ vergangene Woche eine Nachricht aufhorchen: Die Polizei habe mehr als 150 kg Chemikalien entdeckt, mehr als nötig wären zur Sprengung eines Dorfes. Meldungen wie diese verunsichern: Wird es einen Terroranschlag geben? Ist es riskant, sich dieser Gefahr auszusetzen?

Defensives und

offensives Märtyrertum

Wir haben ein Problem mit Selbstmordattentaten. Diese werden vom sogenannten „Islamischen Staat“ oft instrumentalisiert als eine Tat zur Ehre des Einzigen Gottes. Die Täter sind so nurmehr Werkzeuge, die den Willen des Allmächtigen ausführen, und besitzen in bestimmten Kreisen Märtyrerstatus. Der Publizist Michael Wolffsohn spricht von einem defensiven und einem offensiven Märtyrertum, die er voneinander unterscheidet. Das Christentum sieht er eher auf das defensive Verständnis hin ausgerichtet. Märtyrer ist, wer sich selbst um des Glaubens willen opfert und nicht, wer andere opfert und dabei seinen eigenen Tod in Kauf nimmt. Offensive Gewalttäter legen nicht Zeugnis über ihren Glauben ab (was das griechische „martyrion“ meint), sondern wollen Unschuldige mit in den Tod reißen. „Das ist der fundamentale Unterschied von Mohammed, der ein Prophet des Schwertes war, zu Jesus Christus, der den Kreuzestod gestorben ist“, so Wolffssohn. Der eine lebte Vergebung und Verzeihung vor, bei dem anderen finden wir sehr viele gewalttätige und unbarmherzige Wesenszüge.

Zeugin des Glaubens an den barmherzigen Gott

Eine echte Zeugin des Glaubens an den gütigen, barmherzigen Gott war Schwester Maria Faustina, die „Patronin“ des diesjährigen Weltjugendtags. In ihrem Tagebuch zeigt sie uns, was es heißt, christlich Zeugnis abzulegen: „Ich empfinde furchtbaren Schmerz, wenn ich auf die Leiden meiner Nächsten schaue. Alle Leiden meiner Nächsten finden in meinem Herzen einen Widerschein. Ich wünschte, dass alle Qualen über mich kämen, um meinen Nächsten dadurch Linderung zu verschaffen.“

Das ist das Zeugnis, das wir Christen geben sollen: Bei den anderen Menschen sein, für sie da sein, ihnen dienen und zur Not auch die Unannehmlichkeiten des Lebens auf uns nehmen, aber nicht den Mitmenschen aus der Welt reißen. Kurz: Mitleid statt Gewalt. Ich wünsche mir einen friedlichen Weltjugendtag, voll guter Gespräche und Atmosphäre – und natürlich viel Zeit zum Gebet.

Der Autor, 23, studiert Katholische Theologie in München