„Marsch für das Leben“ in Berlin : Kann denn kein einziger Bischof mitgehen? : Worte, die selbst Störer zum Schweigen brachten

Der „Marsch für das Leben“ in Berlin am 21. September (siehe Berichterstattung in der „Tagespost vom 24. und 26. September) war das, was er auch in den vergangenen Jahren war: ein mutiges und eindrucksvolles Eintreten zahlreicher Menschen für den Schutz des Lebens, für christliche Ehe und Familie. Die zum Vorjahr deutlich gesteigerte Zahl der Teilnehmer – die Polizei hat 4 500 geschätzt – lässt für die nächsten Jahre hoffen. Die immer aggressiveren Gegendemonstranten, deren Parolen an Widerwärtigkeit, Primitivität und Blasphemie kaum zu steigern sind, lässt Schlimmes befürchten. Wer setzt sich diesem Hass schon freiwillig aus? Es ist gut, die Solidarität aller während des Marsches zu spüren.

Trotzdem fühlte ich mich schmerzlich alleingelassen – von meiner Kirche und meinen Bischöfen. Ich war auch in diesem Jahr wieder enttäuscht, dass kein einziger unserer Oberhirten den Demonstrationszug angeführt hat. Ja, ich komme mir vor wie Teil einer Randgruppe, die fromme Thesen vertritt, zwar wahrgenommen von den Offiziellen, aber nicht einer echten Unterstützung wert. Lebensschützer eben. Freundliche Grußworte, die Gott sei Dank immer zahlreicher aus den Diözesen Deutschlands und vereinzelt aus der Politik eintreffen, stimmen versöhnlich, genügen aber nicht. Die Gegendemonstranten lesen sie nicht.

Kann denn nicht ein einziger Bischof offiziell an dem Marsch teilnehmen? Und ihm damit mehr Gewicht und – auch mediale – Beachtung schenken? Hätte man es gewagt, vor den Teilnehmern des Marsches die Türen des Berliner Domes zu verschließen, wenn Bischöfe um Einlass bitten? Mit Befriedigung habe ich deshalb drei Tage später die Predigt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, anlässlich der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda gelesen. Es sei – so betont er – das Markenzeichen der Christen, sich für das Leben einzusetzen. Eben.

Zum „Marsch für das Leben“ in Berlin: Beeindruckend dieses Glaubenszeichen und die Demonstration von 4 500 Menschen für das Recht auf Leben (siehe DT vom 24. und 26. September). Beeindruckend die Reden, insbesondere von einer Frau mit Trisomie 21, die heute Sekretärin bei Professor Schneider in Erlangen ist. Ihre Worte haben selbst die Störer zum Schweigen gebracht. Ein Lob der Organisation und an die Besonnenheit und Ruhe aller Teilnehmer.

Interessant: Außer der „Berliner Morgenpost“ (mit einer falschen Teilnehmerzahl und einem unbekleideten Protest-Titelbild) hat keine Berliner Tageszeitung vom Marsch berichtet. Ein Schelm, der Böses (Nicht-berichten-Absprache) denkt...