Maria ist die Kirche!

Letztens beim Rosenkranz vor dem nackten Kreuz über dem Tabernakel, als ich immer wieder den Blick davon weg zur Marienstatue wendete, kam mir schon der Gedanke, ob das so in dieser Art sinnvoll sei, ob nicht doch die Kritiker und „Aufklärer“ innerhalb (!) der Kirche Recht hätten, wenn sie sagen, dass Rosenkranz und Eucharistie, Muttergottes und Messopfer, nicht zusammenpassten. Die Muttergottes ist mit Leib und Seele im Himmel wegen ihrer Gnadenfülle und Gottesmutterschaft. Gut, aber was hat das mit Eucharistie und Messopfer zu tun?

Als die Frauen nach der Kreuzigung zum Grabe kamen, wollten sie den Leichnam mit wohlriechenden Salben verehren und ihrem Herrn einen Liebesdienst erweisen. Das war allerdings nicht nötig, da der verklärte Leib bekanntermaßen in Herrlichkeit auferstand und sicher auch so großen Wohlgeruch verströmte. Daher darf der Leib Mariens, der Jesus ohne Makel der Erbsünde empfangen hat, sogleich nach dem irdischen Leben die körperliche Herrlichkeit verkosten.

Wenn Maria von der Folge der Erbsünde frei ist, dann ist sie eine total heile und unverdorbene Schöpfung, dann ist sie auch selbst als reinstes und heilstes Geschöpf Gottes ein „Heilmittel“. Was liegt da näher, als an Mariä Himmelfahrt Kräuter zu weihen, das Sinnbild für die heilende und nach dem Kreuzestod geheiligte Schöpfung? Doch Mariä Himmelfahrt ist nach der Oktav nicht vorbei, der Frauendreißiger geht mindestens bis zum Fest „Mariä Geburt“ am 8. September.

Der oft vergessene Tag „Darstellung des Herrn“ oder „Mariä Lichtmess“ (2. Februar) ist eigentlich ein Marienfest und von seinem Inhalt her ein Fest DER heiligen Kirche! Maria opfert ihren Erstgeborenen im Tempel dem ewigen Vater auf. Was tut nun die Kirche? Sie opfert bei jeder Messe den Gottessohn auf dem Altar des Neuen Bundes. Wenn aber alle Getauften, das heißt die Kirche, der „Leib Christi“ sind, wie Paulus sagt, Christus aber seinen Leib aus der Jungfrau Maria hat, dann ist Maria nicht das Urbild der Kirche, sondern die Kirche selbst! Wer von Jesus Christus sprechen will, muss von Maria sprechen. Wer von Maria sprechen will, muss von der einen, heiligen katholischen Kirche reden.

Der Autor, 30, verheiratet, ist Lehrer für Latein und Religion in Augsburg