Liturgische Eigenmächtigkeiten verunsichern die Gläubigen: Mitunter erkennt man die Messfeier nicht wieder

Zu den Leserbriefen von Herrn Kießig (DT vom 31. Januar) und P. Ganter (DT vom 9. Februar): Auch ich habe mich, wie Herr Kießig, schon gefragt, ob ich mich wirklich in einer katholischen Eucharistiefeier befinde oder eher in einer Art selbstgestaltetem Gottesdienst, in dem uns ein Priester bzw. andere Mitwirkende ihren Privatglauben aufnötigen. Ich nenne, wie von P. Ganter gewünscht, drei Beispiele:

Der erste Priester benutzte kein Messbuch. Das eucharistische Hochgebet wurde zu einer Mischung seiner eigenen Gebete und Liedversen aus dem Gotteslob, welche wir singen sollten. Manche Elemente des Hochgebets waren noch als solche zu erkennen, andere nicht. Auch die Reihenfolge war verändert: zum Beispiel betete er zuerst seine eigene Version des Einsetzungsberichts, einige Lieder und Gebete später dann seine eigene Version der Epiklese. Er bezeichnete Brot und Wein also erst als Leib und Blut Christi und bat anschließend darum, dass sie Leib und Blut Christi werden mögen.

Als ich mit ihm sprach, erklärte er mir, dass ihm die normale Liturgie und die Gebete der Kirche zu „legalistisch“ seien. Er wies mich darauf hin, dass Priester früher ihre eigenen Hochgebete formuliert hätten. Die Wandlung erfolge seiner Ansicht nach nicht mit dem Einsetzungsbericht, sondern erst nach Abschluss des gesamten eucharistischen Hochgebets, daher könne die Bitte um Heiligung der Gaben ruhig nach hinten verlegt werden.

Der zweite Priester erfand ebenfalls Teile des Hochgebets neu, allerdings nicht so umfassend, wie der erste. Er vermied es jedoch, für und in Gemeinschaft mit dem Papst, dem Bischof und den anderen Hirten der Kirche zu beten und wählte stattdessen eine ökumenische Formulierung, die alle Christen und Kirchen einschloss, die Hirten der Kirche aber unerwähnt ließ. Ich hatte leider keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, aber mir scheint, dass eine Eucharistiefeier, in der man nicht in Gemeinschaft mit dem Papst und den anderen Hirten der Kirche beten kann, eigentlich nicht mehr katholisch sein kann.

Der dritte Priester sagte, er werde gedrängt, der Gemeindereferentin die Leitung der Heiligen Messe zu überlassen. Diese predigte regelmäßig und gestaltete an manchen Sonntagen den Wortgottesdienst völlig frei als Unterhaltungsveranstaltung für Kinder und Erwachsene, manchmal einschließlich eines extra dafür aufgebauten Bühnenbildes. Der Priester las das Evangelium und betete das Eucharistische Hochgebet. Als er versuchte, die Liturgie langsam so zu verändern, dass sie mehr der Liturgie der Kirche entsprach, wurde er weggemobbt, denn die Einflussreichen der Gemeinde waren der Meinung, ein Priester habe den Gottesdienst so zu feiern und den Glauben so zu verkünden, wie „die Gemeinde“ es sich vorstelle. Ich erwähne dies ausdrücklich, denn es ist meiner Ansicht nach falsch, die Schuld für liturgische Verirrungen ausschließlich den Priestern zuzuschreiben. Manche fühlen sich massiv unter Druck gesetzt.

Die Instruktion Redemptionis sacramentum stellt liturgische Missbräuche dar, erklärt aber nicht, wann diese so umfassend sind, dass es sich nicht mehr um eine katholische Eucharistiefeier handelt. Die Frage, was sozusagen die ,Minimalanforderungen‘ an eine katholische Eucharistiefeier sind und ab welchem Punkt ein Priester diese nur noch simuliert, weil keine Wandlung mehr stattfindet, habe ich mehreren Priestern gestellt und entweder widersprüchliche oder überhaupt keine Antwort erhalten. Kann sie mir jemand im Sinne der Kirche beantworten?