Liebe nur nach Leistung?

Was gehört eigentlich – so ist man geneigt zu fragen – zu den zentralsten Glaubenswahrheiten des Christentums? Zunächst einmal steht da die simple Aussage: Gott ist, das heißt Gott existiert. Für den gläubigen Christen kommt allerdings eine weitere genauso wichtige Tatsache hinzu: Nämlich, dass Gott die Liebe ist.

Freilich ist das für uns nichts Neues und es mag in unseren Ohren schon fast abgedroschen klingen, doch kann man es in unserer heutigen Zeit nicht oft genug wiederholen. In der Moderne ist das Denken vorherrschend, dass nur, wer etwas leistet, auch etwas wert ist. Gepaart mit den verbreiteten, aber falschen philosophischen Dogmen zurückgehend auf Kant, dass man (vereinfacht gesprochen) sich alles von Wert selbst verdienen muss und nichts geschenkt bekommt und die Tugendhaftigkeit einer Sache in ihrer Schwere und nicht im Guten selbst zu suchen ist, ergibt sich daraus ein toxisches Gemisch, vor dem Christen sich hüten müssen. Denn wer meint, er müsse sich die Liebe Gottes selbst verdienen und je schwerer seine Mühe dabei sei, desto tugendhafter, der wird nicht nur sicher unglücklich, sondern auch sicher scheitern. Gottes unendliche Liebe lässt sich nicht mit endlichen Bemühungen einfangen. Diese Anstrengung erinnert an eine berühmte Geschichte über den heiligen Augustinus: An einem Strand trifft er einen Jungen, der mit einer Muschel versucht, das ganze Meer in ein kleines Loch am Strand zu schaufeln.

Gottes Liebe steht am Anfang als unverdientes Geschenk. Seine Liebe geht unserer Liebe voraus, ja sie muss der unsern vorausgehen. Mit Recht sagt man, dass es Menschen schwerfällt zu lieben, wenn sie selbst von ihrem sozialem Umfeld keine Liebe erfahren haben. Würde der Mensch aber von Gott selbst keine Liebe erfahren, wäre es für ihn schlicht unmöglich, zu lieben. All unser Lieben kann immer nur eine Antwort auf seine Liebe sein. Selbstverständlich erhofft sich Gott, wie ein Liebender von seiner Geliebten, auch eine positive Antwort, und je inniger unsere Antwort ausfällt, desto besser. Als Maßstab für die Tugend der Liebe sollte man aber nicht irrigerweise die Schwere und Mühe nehmen, wie es Kant fordert, sondern es besser mit Thomas von Aquin halten, der in der Summa schreibt: „Das Wesen der Tugend liegt mehr im Guten als im Schweren.“ Der Mensch hat seinen unbedingten Wert also nicht von einer wie auch immer gearteten Leistung her, sondern von der bedingungslosen Annahme Gottes. Und selbst im Scheitern darf der Mensch bekennend und bereuend eine Zusage erhoffen, wie sie Christus dem Schächer am Kreuz gegeben hat: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“

Der Autor, 30, arbeitet als Softwareentwickler in Nürnberg