Katholische Erwartungen an die nächste Bundesregierung: Finger in der offenen Wunde: Kann uneingeschränkt zustimmen

Hubert Gindert hat mit seinem vortrefflichen Beitrag „Politik mit Zukunft“ den Finger in die offene Wunde einer zerrissenen Gesellschaft gelegt (DT vom 18. Oktober). Wenn die Politiker doch begreifen würden, dass sich der Mensch nicht logisch entwickelt, sondern seine Emotionalität eine entscheidende Rolle spielt, dann könnten eigentlich alle Politiker den Vorschlägen von Hubert Gindert jenseits von allen ideologischen Voreingenommenheiten zustimmen. Viele Probleme würden sich dann von alleine lösen, besonders das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung in Kita und Schule würde sich auflösen. Nur elf Prozent der jungen Familien führen die unzureichenden frühkindlichen Betreuungsmöglichkeiten als Grund gegen ein Kind an; die Politiker verkaufen das in den Medien als den Hauptgrund. Hoffen wir auf eine familienfreundliche Revolution im Sinne des Beitrags von Hubert Gindert.

Den Erwartungen des „Forums Deutscher Katholiken“ kann man uneingeschränkt zustimmen. So plädiert das Forum etwa für einen Lastenausgleich zwischen Kita und Erziehung durch Eltern. Ein Anfang war das Betreuungsgeld, für das jedoch die Länder zuständig sind, wie das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat. Was wäre näherliegend und selbstverständlicher gewesen, wenn daraufhin zumindest seitens der Bischöfe diese Forderung nach einem angemessenen Betreuungsgeld bei allen Landtagswahlen, so auch in Nordrhein-Westfalen, unmissverständlich und konkret aufgegriffen würde, um diesem skandalösen Zustand zumindest teilweise zu begegnen? Die NRW-Bischöfe forderten zwar, „die Armut von Kindern zu überwinden und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“. In diesem Zusammenhang halten dann die Bischöfe „ein qualitativ hochwertiges und zu diesem Zweck ausfinanziertes Angebot an Kindertageseinrichtungen und Kindertagesbetreuung“ (s. DT vom 5.5.2017) für unverzichtbar. Unbedingt notwendig sei eine gesetzliche Grundlage, die die Finanzierung einschließlich der Kostensteigerungen sichere.

Weder unbedingt notwendig noch unverzichtbar scheint den Bischöfen ganz offensichtlich die Unterstützung der Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen und dabei derzeit in verfassungswidriger Weise benachteiligt werden. Doch wenn es um Geld für kirchliche Einrichtungen geht, haben sie detaillierte und sogar in die Zukunft weisende Vorschläge parat. Selbsterziehende Eltern sind ihnen ganz offenbar gleichgültig. Und dann sollen sich nach Meinung des „Forums Deutscher Katholiken“ Politiker darum mühen? Da scheint es dringend notwendig, ein Duplikat des Forderungskataloges an die Bischöfe zu senden.