Kardinal Walter Kasper sprach bei der Katholischen Akademie in Bayern : Den Weg aus der Krise finden

Ich danke Frau Regina Einig für den Bericht über die Abendveranstaltung mit Kurienkardinal Walter Kasper am 21. November in der Katholischen Akademie in Bayern mit der bemerkenswerten Zahl von 400 Teilnehmern, zu denen auch ich gehörte. Ich möchte auf folgende Ergänzungen hinweisen und kurz von einem Vortrag von Alois Glück berichten:

Zentrale Aussage von Kardinal Kasper war, dass die Kirche sich in einer Krise befinde; er weist aber auch darauf hin, dass sich die Kirche zu allen Zeiten in der Krise befunden habe. In diesem Zusammenhang erwähnt er den Beginn der Säkularisierung, das heißt das Ende der feudalen Reichskirche mit Verlust der politischen und wirtschaftlichen Macht. In seinem Vortrag sprach er bewusst über die Kirche in Europa und nicht über die Kirche der restlichen Welt. Er fügte hinzu, dass der Kirche in all ihren Krisen immer wieder ein Neuanfang gelungen sei. Die sogenannte Volkskirche des 19. Jahrhunderts und dem Anfang der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehöre einer Epoche an, die jetzt zu Ende gehe. Als Beispiel nannte er den Mitgliederschwund der beiden großen christlichen Kirchen.

In der ehemals katholischsten Stadt Deutschlands, München, gebe es nur noch 50 Prozent (evangelische und katholische) Christen, weiterhin mit einem Trend nach unten. Es fehle ein christliches Milieu in der Gesellschaft und dies sieht er als eine bedrohliche Zeitbombe für die Kirche.

In seinem Optimismus geht er davon aus, dass es wie in der ganzen Kirchengeschichte auch diesmal eine Erneuerung der Kirche geben wird. Aus dieser Krise der Kirche werde eine kreative Minderheit des Christentums resultieren. Auf keinen Fall dürfe man sich den Zeittrends anpassen. Man müsse sich wieder bei der apostolischen Einfachheit finden. Das sei auch die Aussage des Heiligen Vaters, wenn er von der Notwendigkeit der Entweltlichung der Kirche spricht.

Das Ziel sei eine einfache Kirche. In diesem Zusammenhang hat er auf die besondere Situation des Verhältnisses von Staat und Kirche in Deutschland und Österreich und auf die Kirchensteuer hingewiesen, was man in der restlichen Welt fast nicht erklären könne. Bei der Weltkirche wies er darauf hin, dass die deutsche Kirche, aber auch die deutsche Sprache in Rom keine große Rolle mehr spiele. In den Kongregationen sitze kein Deutscher mehr in der ersten Reihe. Die Bischöfe müssten gute Leute nach Rom schicken.

Die Freude an Gott sei und bleibe die Stärke der Kirche und der Gläubigen. Eine positive Entwicklung könne nur unter dem Einfluss des Heiligen Geistes und des Gebetes erfolgen. Nicht die Kirche, sondern Christus sei das Licht der Welt und werde es auch bleiben. Die Gottesfrage wird für den Menschen auch weiter an erster Stelle stehen. Sollte Gott in der Gesellschaft fallen, würde alles anders werden.

Am Rande ging Kardinal Kasper auf den Dialogprozess in Deutschland ein. Er bezeichnete ihn als Insiderstreit, unter anderem infolge des sogenannten antirömischen Affektes. Bezüglich der Ökumene habe man seiner Meinung nach wesentliche Fortschritte erreicht.

Am Folgetag konnte ich dann das Forum der Jesuiten in München mit dem Referenten Alois Glück, dem Vorsitzenden des ZdK, erleben. Die DT hat darüber jedoch nicht berichtet. Die bekannten Inkohärenzen hierzu machten auch eine Berichterstattung nicht notwendig.

Für mich war diese Veranstaltung im Anschluss an den Vortrag von Kardinal Kasper sehr interessant. Herr Alois Glück gab eine Zwischenbilanz bezüglich des Dialogprozesses in der katholischen Kirche Deutschlands. Zudem berichtete er von dem resultierenden Vertrauensverlust und dem Mitgliederschwund in der Kirche infolge des Missbrauchs in der Kirche. Dies stellte die Hauptgründe für die Zustimmung der Bischofskonferenz und den Ausgangspunkt für die Etablierung des Dialogprozesses dar. Ohne diese Erschütterung der katholischen Kirche gäbe es keinen Dialogprozess. Dieser Missbrauch, insbesondere aber der Umgang der Kirche mit diesem Geschehen und auch der Umfang der Missbräuche sei für ihn ein Schock gewesen. Um wieder Vertrauen und Transparenz in der Kirche herzustellen, fordert er einen Kulturwandel, einen neuen Aufbruch und Strukturreformen in der Kirche. Er sprach auch die Abläufe und die Vor- und Nachbereitungen des Dialogprozesses an. Interessant ist, dass die Bischöfe zugesagt hätten, bei der Fortführung des Dialogprozesses einen eigenen Studientag bezüglich des Diakonates der Frau durchzuführen.

Herr Glück ist Politiker. Bei diesen Gesprächen steht das Vorgehen nach Regeln politischer Taktik im Vordergrund, wobei ein nächster Schritt die Forderung nach Auflösung des Zölibats und die Frauenordination sein wird. Ich kann nur hoffen, dass die Bischöfe hier einen Riegel vorschieben. Ich fühle mich durch das ZdK nicht vertreten.