Kardinal Döpfner, die „Königsteiner Erklärung“ und die Bemühungen von Kardinal Bengsch: Mit Argumenten hinter den Papst gestellt

Im Symposion zum 100. Geburtstag Kardinal Döpfners rückte Kardinal Lehmann den Einsatz Döpfners für die „Königsteiner Erklärung“ in den Blick (DT vom 4. Juli). Zu den Vorgängen in Königstein sind jedoch entscheidende Informationen weithin unbekannt. Anhand von Dokumenten aus dem Bistumsarchiv belegte in einer Veröffentlichung im Jahre 1994 Th. Schmitz, damals Generalvikar für den Ostteil des Berliner Bistums, was sich bei der Sonderkonferenz der westdeutschen Bischöfe in Königstein abgespielt hat; wie der Berliner Kardinal Bengsch „in Tag- und Nachtarbeit“ mit dem ihm erst kurz vorher zugesandten Entwurf zur Königsteiner Erklärung – ausgearbeitet von Moraltheologen – ins Gericht ging und selber Gesichtspunkte zu einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zur Enzyklika Humanae vitae zusammenstellte. Es ist tief beeindruckend, wie sich der Kardinal mit einleuchtenden Argumenten ohne Wenn und Aber zur Lehre der Kirche und des Papstes stellte; wie er, um schwierige Situationen von Eheleuten wohl wissend, Mut zum Kreuz und, bei Versagen, zur Versöhnung mit Gott machte. „Man kann nicht einfach argumentieren: Weil dies schwer oder sehr schwer durchzuführen ist, deshalb könne es nicht Gesetz und Norm Gottes sein. Denn man muss bedenken, dass man sich mit diesem Argument grundsätzlich der christlichen Ethik verschließt... Die Kirche kann den Preis nicht zahlen, dass Böses gut genannt wird... Das Lehramt der Kirche kann keine Wege anbieten, die sich zuletzt als schädlich, und, obwohl sie im Augenblick helfen, auf die Dauer als zerstörerisch erweisen.“

Leider wurden die beiden Papiere – die Auseinandersetzung von Kardinal Bengsch mit dem Moraltheologenentwurf und seine positive Stellungnahme zu Humanae vitae – die er seinem damaligen Generalvikar Adolph mitgegeben hatte und die nach seinem Willen an die in Königstein anwesenden Bischöfe verteilt werden sollten –, von Kardinal Döpfner unbegreiflicherweise abgelehnt und sie kamen auch nicht zur Verteilung. Dies war eine große Enttäuschung für Kardinal Bengsch, der später Briefe westdeutscher Bischöfe erhielt mit dem Tenor: „Hätten wir Ihren Entwurf in Königstein gehabt, hätten wir den gern übernommen.“ Die Berliner Ordinarkonferenz brachte dann am 9. September 1968 eigene Hinweise zur pastoralen Besinnung nach der Enzyklika Humanae vitae mit den Gedanken Kardinal Bengschs heraus. – Die umfangreiche Dokumentation steht im Buch „Adnotationes in iure canonico“ (Bistumskonsistorium Berlin 1994). Wie Kardinal Döpfner später über Humanae vitae dachte? Wenige Tage vor seinem Tod sagte er zum Eichstätter Moraltheologen Alfons Fleischmann: „Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung: Der Papst hatte doch recht.“ (Erzbischof Josef Stimpfle, Dienst am Evangelium, Donauwörth 1988, S. 215)