Kaiser Wilhelm II. und sein Verhältnis zur Kirche: Aussöhnung erst am Krankenbett

Zum Artikel „Des Kaisers Katholiken“ von Reinhard Nixdorf („Die Tagespost“ vom 27. Januar): Autor Reinhard Nixdorf kommt zu Beginn seines Beitrags auf die sehr unterschiedlichen Deutungen über den letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. innerhalb der Geschichtswissenschaft zu sprechen und beleuchtet in der Folge das Verhältnis des protestantischen Monarchen zur katholischen Kirche.

Es darf dabei die Frage gestellt werden, ob Kaiser Wilhelm II. wirklich die Absicht hatte, zur katholischen Kirche zu konvertieren – und sei es auch nur zeitweilig. Der Fuldaer Franziskaner P. Dr. Kapistran Romeis zitiert in seinem Buch „Prinzessin Anna von Preußen Landgräfin von Hessen Ihr Weg zur katholischen Kirche“ (Freiburg i.B. 1926 zweite und dritte Auflage, S. 42ff) ein Telegramm des Kaisers aus Molden (Norwegen) an seine Großnichte, die Landgräfin von Hessen Prinzessin Anna von Preußen, vom 24. Januar 1901 – zu diesem Zeitpunkt gab es bereits widersprüchliche Nachrichten über eine bevorstehende oder bereits vollzogene Konversion: „Wenn Du bei Deinem Vorhaben des Religionswechsels beharrst, so teile ich Dir als Chef des Hauses Hohenzollern mit, dessen Mitglied Du noch zu sein die Ehre hast, dass Du nicht mehr zu demselben gehören wirst und alle Familienmitglieder sofort auf immer den Verkehr mit Dir abzubrechen haben werden. Wilhelm I. R. [Imperator Rex]“.

In ihrem Antwortschreiben vom 28. Juli 1901 legt sie dem Kaiser gegenüber ihre Gründe dar und bittet darum, ihrem Schritt eine andere Beurteilung zuteil werden zu lassen. Am 7. August ließ der Kaiser ihr als Antwort ein Handschreiben überbringen, in dem er sie förmlich aus dem Hause Hohenzollern ausstößt. Damit war der Bruch vollzogen.

Beide Schreiben werden von Romeis wörtlich zitiert. Ihre Aufnahme in die katholische Kirche fand am 10. Oktober 1910 statt. Eine Aussöhnung des Kaisers mit ihr fand erst 1918 statt, als er sie an ihrem Krankenbett besuchte. Sie starb am 12. Juni 1918. Vor ihr hatte es seit 1825 bereits drei weitere Konversionen von Mitgliedern des preußischen Hauses Hohenzollern gegeben, die Romeis auch namentlich beschreibt.