Jesuitengeneral Pedro Arrupe: Zwischen Charisma und Amt

Vielen Dank für den Artikel von Nicolas Schnall über das Buch von Martin Maier SJ über den früheren Jesuitengeneral Pedro Arrupe. Die Überschrift „Er lebte, was er verkündigte“ (DT vom 17. Januar) trifft sehr gut das persönliche Charisma von Pedro Arrupe. Vor kurzem habe ich einen Artikel von P. Lothar Groppe SJ gelesen, wo dieser aus den „Erinnerungen“ Arrupes eine Episode erzählt. Dabei geht es um den amerikanischen Atombombenangriff auf Hiroshima, den Arrupe als Missionar in Japan miterlebte. Ich möchte aus diesem Artikel einen Abschnitt zitieren: „Als Pater Arrupe sich einige Zeit nach dem Angriff auf die Suche nach seinen Gemeindemitgliedern machte, fand er die junge Nakamura auf einem rohen Brett. Ihr Leib war eine einzige Wunde, schien nur mehr aus Wunden und Knochen zu bestehen. Schon fünfzehn Tage lag Nakamura so da, ohne sich helfen zu können. Der ganze Rücken war brandig, da sie unfähig war, ihre Lage zu verändern. P. Arrupe, der Medizin studiert hatte, versuchte, die Wunden zu reinigen. Aber die Muskeln waren eine einzige eitrige Masse. Erschüttert von diesem Anblick vermochte er kein Wort hervorzubringen. Nach einer Weile öffnete Nakamura die Augen. Als P. Arrupe ihr zulächelte, schaute sie ihn mit tränenerfüllten Augen an und versuchte, ihm die Hand zu geben. Sie war nur ein eitriger Stumpf. In einem Ton, den er zeitlebens nie vergaß, fragte sie: Pater, haben Sie mir die Kommunion gebracht?“

Erlebnisse wie diese haben Arrupe geprägt. Man kann sich vorstellen, dass solche Erlebnisse auch seine politischen Ansichten beeinflusst haben. Eine Rechtfertigung irgend eines Krieges ist auf so einem Hintergrund kaum noch möglich. Arrupe hat als Jesuitengeneral in einer schwierigen Umbruchszeit den richtigen Weg für seinen Orden gesucht zwischen Charisma und Amt, wie Martin Maier SJ schreibt. Dadurch hat er sich Anfeindungen eingehandelt. Aber niemand kann bestreiten, dass er eine charakterlich hochstehende Persönlichkeit war mit einer tiefen Spiritualität.