Hirntod-Kriterium: Deutsche Bischöfe machen sich für die Organspende stark: Wissenschaftlich zweifelhafte Thesen

Zu „Deutsche Bischöfe machen sich für die Organspende stark“ (DT vom 30. Juli): „Weide meine Schafe“, sagte Christus, und so mühen sich Priester, Ordensleute und Bischöfe redlich, alle möglichen Zugänge zum Glauben zu öffnen und sozusagen fette Weidegründe für die hungrigen Seelen der Gläubigen zu finden. Also gibt es immer wieder meist einem speziellen Anlass zugeordnete Hirtenworte. Aber in all den Erzählungen über das verantwortungsvolle und oft gefährliche Leben der Hirten findet sich keine Mär von einem Hirten, der die Schafe versehentlich dem Feind, den Wölfen, in die Fänge getrieben hätte.

Den deutschen Bischöfen aber scheint dieses gelungen zu sein: sie plädieren für die Organspende. Unsere Oberhirten halten laut dem zitierten Artikel „am Hirntod als zuverlässigem Kriterium für den Tod eines Menschen fest“. Das ist nicht nur ein Fehler, das ist Hybris. Sie sind „studierte“ Leute guten Willens, aber keine Spezialisten auf diesem Gebiet. Also dürfen sie nicht eben mal so en passant eine wissenschaftlich höchst zweifelhafte These vertreten, deren Durchsetzung bis in kriminelle Bereiche geht. Sie scheinen völlig uninformiert, sogar ahnungslos zu sein, was die „Freiwilligkeit“ der Organspende angeht, wenn sie „betonen, dass Organspende absolut freiwillig sein muss“. „Absolut freiwillig“ – wie naiv? Klar ist, dass in der extremen Lage, in der sich ein Sterbender befindet, er kaum noch zur Freiwilligkeit der Organspende gefragt werden kann. Die Angehörigen sind durch den Schock meist auch nicht reaktionsfähig. Und abgesehen davon: Mit oder ohne Erlaubnis, es gibt genug Fälle, in denen die Angehörigen zwar gefragt wurden, aber der Wille nicht ausgeführt wurde – wie gesagt, es ist eine Extremsituation.

Deshalb und damit die Entscheidung nicht zu lange dauert, gibt es ja seit längerem den „Organspenderausweis“, sollen möglichst alle erklären, ob sie im Falle des Falles „spenden“ möchten. Nur: Wer sagt uns, dass jemand, der bedrohlich erkrankt ist, es am Ende nicht doch lieber hätte, wenn wirklich alles versucht würde, ihn zu retten oder ihn wenigstens in Frieden sterben zu lassen, statt seinem Körper nur noch die spezielle Pflege angedeihen zu lassen, die die Verwendbarkeit der Organe gewährleistet? Denn ein gläubiger Mensch erwartet im Ernstfall den Pfarrer mit den Sakramenten und nicht ein Transplantationsteam. Wie heißt es im „Vaterunser“: „Und führe uns nicht in Versuchung…“. Unser Leben ist uns von Gott geschenkt, über die Länge ist nichts ausgesagt. Bei der Organverpflanzung wird genau diese Versuchung eine Treibkraft, nämlich die, sein Leben zu Lasten eines Anderen zu verlängern.

Denn machen wir uns nichts vor: Über den genauen Zeitpunkt des Todes wissen wir zu wenig. Wir wissen nicht, ob die Seele, die wahrscheinlich ein wenig länger braucht, nicht in ihrem Ablösungsprozess gestört wird – wie schon die Altvorderen zu spüren meinten und wie Menschen mit „Nahtoderfahrung“ bestätigen.

Es sei noch auf einen anderen, eher merkantilen Umstand hingewiesen, der gerne verschwiegen wird: Wegen der ständigen Gefahr von Infektionen, die den geschwächten Körper befallen können (denn zur Transplantation musste ja sein Immunsystem weitgehend „abgeschaltet“ werden, weil sonst die Implantate abgestoßen worden wären), leidet die Lebensqualität erheblich. Und was auch gerne verschwiegen wird: Hohe Kosten fallen nicht nur zur Transplantation an, sondern auch nach der Transplantation ist eine umfassende Begleitung und Behandlung nötig.

Da wir also nichts wirklich wissen, andererseits aber eingehegt sind von jahrtausendealten Verboten, sollten wir es lieber lassen. Die Transplantationsindustrie, weitgehend ernährt durch unsere Krankenkassen und damit durch die Beiträge aller, ist eine Industrie wie alle andern auch, weckt aber das Begehren nach der Sünde wie kaum eine andere.