Heutige Lebenswelten: Eine von Soziopathen geprägte Gesellschaft

Zu „Neues vom Übermenschen“ (DT vom 29. Juli): Der Text fasst in faszinierender Treffsicherheit unsere derzeitigen Lebensbedingungen zusammen: Immer öfter stößt man auf Soziopathen, welche Gefühle oder menschliche Regungen lediglich heucheln, um sie für sich gewinnbringend auszunutzen. Die Autorin schreibt treffend: „Wenn der Übermensch genug gestritten, gerungen, verleumdet und ausgebootet hat, dann erlangt er mit etwas Glück eine Machtfülle, die ihm die Möglichkeit verschafft, der Mitwelt sein im Grunde gemeines Wesen tief einzubläuen.“ Genau beobachtet und präzise formuliert!

Wenn wir näher hinschauen, haben diese Übermenschen in dieser Gesellschaft genau dies geschafft. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen gibt es bereits ihre stomlinienförmigen, karriereorientierten Abzieh-Bildchen: Oberflächlich eingestellt, finden sie alles „supi“, die unverschämteste Zumutung ist noch eine „spannende Herausforderung“, ihre Pleiten reden sie sich als „wahnsinnig intensive Erfahrung“ schön. Den Optimismus der Autorin, wonach es ausreichend ist, „Ruhe zu bewahren und aus(zu)harren, bis die Gefahr vorüber ist“, vermag ich nicht zu teilen. Wäre nicht eher zu fragen, wer ein System installiert hat, in dem meist empathielose Funktionsmasken Führungs-„Verantwortung“ bekommen und „Menschen an ihre Grenzen führen“ beziehungsweise „auf das nächste Level heben“ dürfen? In der gesamten Gesellschaft, ob Politik, Handel, Verwaltung oder Industrie? Sollte diese „Gefahr“ wirklich nur ein Zufall sein, der auch wieder vorübergeht? Sagt sie doch selbst richtigerweise, dass der Übermensch „im Dienste des Durcheinanders (steht), er hat Freude daran, alles, was ist, zu verwirren; er sagt, oben wäre unten und unten oben, gerecht wäre ungerecht und ungerecht gerecht, Trübes wäre klar und Klares trüb.“ Wer entfacht dieses Durcheinander? Der Diabolo (gr. Diábolos „der Durcheinanderwerfer, Verwirrer“). Das „Prinzip, an das er sich hält, das er in sein Leben lässt und das dort schließlich die Oberhand gewinnt“ ist das Prinzip Luzifer: Non Serviam.