Herausforderungen des „Spirituellen Tourismus“: Eine große Chance für die Kirche

Vielen Dank für Ihren Artikel zum Thema „Spiritueller Tourismus“ (DT vom 24. Dezember), den ich mit großem Interesse gelesen habe und dem ich in vielen Punkten zustimmen kann. Das ehemalige Servitenkloster, das wir als geistliche Gemeinschaft bewohnen, liegt am Jakobsweg und so sind wir in den vergangenen Jahren sehr stark mit diesem Thema konfrontiert. Im Jahr 2001 waren es eine Handvoll Pilger, die an unsere Tür klopften. Inzwischen sind es im Jahr Hunderte, die wegen einer Übernachtungsmöglichkeit anfragen, sodass wir uns auf den Empfang dieser Personengruppe eingestellt haben. Bei den Begegnungen, die sich dadurch ergeben, stellen auch wir fest, dass neben dem Wunsch nach Erholung und Erlebnis ein großer Teil der Pilger mit Lebens- und Sinnfragen unterwegs sind. Viele brechen in besonderen Lebenssituationen auf und erhoffen durch das Unterwegssein einen klareren Blick für ihr Leben zu bekommen, aber auch Trost und Hoffnung. Selbst das Motiv, Buße für begangene Fehler tun, wie das in der Wallfahrertradition früher üblich war, ist mir schon begegnet.

Als geistliche Gemeinschaft sehen wir im Empfang der Jakobspilger eine große Chance als Kirche. Wir verstehen uns selbst dabei als Segnende am Wegesrand der Pilger, die versuchen, ihnen eine Haltung der Offenheit für Gespräch und Begegnung entgegenzubringen. Für viele ist das die Möglichkeit zu einem Kontakt mit Kirche, den sie sonst nicht mehr pflegen. Im übrigen bieten wir den Pilgern den „Reichtum“ an, den wir selbst besitzen: das heißt die Stille und die Schönheit unseres Klosters, unseren einfachen Lebensstil bei Unterbringung und Essen, die Liturgie, die wir in unserer Hauskapelle morgens feiern, und die Gemeinschaft, die wir untereinander pflegen. Das alles wird, wie wir immer wieder zu hören bekommen, mit großer Dankbarkeit und auch mit Staunen angenommen.

Etliche Pilger kommen ein zweites Mal, manche äußern den Wunsch, länger bleiben zu können und einige schreiben uns einen Kartengruß von ihrem Zielort. Ich denke, für viele ist der Jakobsweg ein Weg auf Gott zu, den wir als Kirche unterstützen und begleiten können.