Hat sich die Kirche im Krieg schuldig gemacht?: Der Wahnsinn war nicht zu stoppen

Die Tagespost brachte am 10. September 2009 eine Notiz, in der sich Bischof Mussinghoff in Krakau zur Schuld deutscher Bischöfe im Zweiten Weltkrieg äußert („Kirche hat sich im Krieg schuldig gemacht“, S. 6). Seine Sicht der damaligen Situation befremdet mich sehr. Er ist vielleicht zu spät geboren, um die Gräuel des Nazi-Regimes wirklich beurteilen zu können. Priester, die sich den Weisungen der Nazi-Bonzen, der NSDAP, widersetzt haben, konnten sich schnell im Konzentrationslager wiederfinden. Es sind viele dort gefoltert worden und zu Tode gekommen. Der Hass traf nicht nur Priester, auch nicht nur die Juden. Mein Vater wurde abgeholt, weil er keine Hakenkreuzfahne besaß und sich für warme Winterkleidung für unsere ausländischen Arbeitskräfte eingesetzt hat. Wer kann wohl ermessen, in welch schwerem Gewissenskonflikt die Bischöfe sich befanden? Sie waren ja auch verpflichtet, ihre Priester möglichst vor Verfolgung zu schützen. Ich habe berechtigte Zweifel daran, dass die Bischöfe diesen Wahnsinn hätten stoppen können. Ich bin 1929 geboren.