Hat die SPD den richtigen Kanzlerkandidaten?: Steinmeier spielt doch nur auf Platz

Die Fragestellung von Martina Fietz, ob SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vielleicht doch der falsche sei, erscheint mir sehr provokativ (DT vom 6. August). Da die SPD keinen anderen und auch keinen besseren Kandidaten hat, ist Steinmeier zwangsläufig der richtige. Wenn auch die Wähler anscheinend in ihrer Mehrheit ihm die Plausibilität seiner Versprechungen nicht abnehmen, wie das jüngste ZDF-Politbarometer ergeben hat, so könnte sein Deutschlandplan dennoch dazu geeignet sein, seiner Partei bei der nächsten Bundestagswahl einen kleinen Stimmenzuwachs von drei bis fünf Prozent zu bringen. Dies würde immerhin schon ausreichen, Schwarz-Gelb in Berlin wie vor vier Jahren zu verhindern. Offensichtlich spielt Steinmeier doch nur auf Platz und nicht auf Sieg, will heißen auf eine Fortsetzung der großen Koalition unter einer Bundeskanzlerin Merkel.

Auch würde ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass die FDP, wenn sich keine andere Möglichkeit zur Regierungsbeteiligung ergäbe, als dann gestärkter Partner für eine sogenannte Ampelkoalition zur Verfügung stünde. Sollten CDU/CSU weiterhin bei ihren derzeitigen 36 bis 37 Prozent verharren und nicht in der Lage sein, von der Popularität der Kanzlerin zu profitieren, ist ein Wahlsieg der Union längst noch nicht ausgemacht. Vielleicht stellt sich für die CDU nach den Landtagswahlen vom 30. August, bei denen sie Gefahr läuft, sowohl im Saarland als auch in Thüringen die Regierungsmacht zu verlieren, die Lage schon viel „realistischer“ dar. Nur wenn es der Unionspartei gelingt, über die 40-Prozent-Hürde zu kommen, kann sie sicher sein, in Berlin einen Regierungswechsel herbeizuführen. Dazu bedarf es aber noch erheblicher Anstrengungen, vielleicht auch eines realistischeren Gegenentwurfs zum doch recht illusionären SPD-Deutschlandplan.