Günter Grass und die Beichte: Das war reichlich übertrieben

Den Schriftsteller Günter Grass, der bereits vor Jahrzehnten aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und an dieser seither kein gutes Haar gelassen hat, schon deshalb in Ihrer Rubrik „Beim Namen genannt“ mit Konterfei zu feiern, nur weil er in einem Interview mit Radio Vatikan ein positives Sätzchen über die Beichte gesagt hat, finde ich reichlich übertrieben.

Hinzu kommt noch, dass Grass offenbar keine genaue Vorstellung von der Beichte hat. Denn diese ist nicht „etwas Menschliches“. Es ist vielmehr Gott selbst, der dem Menschen Verzeihung gewährt. Der Priester ist gleichsam nur Medium. Es sei die Frage erlaubt, ob es die katholische Kirche nötig hat, einen bekennenden Agnostiker und scharfen Kirchenkritiker wie Grass, der kein Verhältnis zur Moral hat, wie in vielen seiner Bücher nachzulesen ist, wegen seiner lapidaren Aussage über die Beichte nun so herauszustellen, wie es „Die Tagespost“ und auch Radio Vatikan auf seiner Homepage tun. Aber vielleicht halten sich beide an die bekannte Bibelstelle, dass im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder herrscht als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.