Gott die Ehre geben

Er schlug ein wie ein Blitz, der Vorschlag von Kardinal Sarah, man möge ab Advent doch bitte wieder ad orientem, also vom Volk hin zum Hochaltar, zelebrieren.

Kardinal Nichols, der Erzbischof von London, sah sich gezwungen, sofort einzuschreiten und seinen Priestern zu schreiben, dass das nur eine persönliche Sichtweise des Präfekten der Gottesdienstkongregation sei.

Ich finde es befremdlich, wie die Heilige Messe zum Schlachtfeld unserer Ideologien geworden ist. Übrigens nicht nur von der progressiven Seite, auch wenn sie damit angefangen haben könnte. In manchen Kreisen ist die Frage, was man denn zur Heiligen Messe anzieht, sogar eine alles Entscheidende geworden, wenn man die Diskussionen auf Facebook anschaut. Da wird einem unter dem Vorwand der Gottesverehrung so manches verkauft, was dieser zutiefst widerspricht. Umso dringlicher ist eigentlich das Ansinnen von Kardinal Sarah: Unsere Liturgie muss wieder wahrer Gottesdienst werden, Ihn verherrlichen, dem alle Herrlichkeit gebührt. Die Frage nach der liturgischen Ausrichtung hat sich eigentlich erledigt, wenn man sich fragt, für wen man das eigentlich feiert. Gute theologische Gründe hat man auf beiden Seiten. Auch nicht alle, die zum Volk zelebrieren, tun das aus „Showzwecken“, wie jenen manchmal allzu leicht vorgeworfen wird. Die aktuelle Debatte lädt dazu ein sich selbst zu fragen: „Wozu tue ich das eigentlich? Warum gehe ich in die Messe? Weil ich muss? Aus familiären Gründen? Weil es irgendwo festgeschrieben steht?“ Keinesfalls stelle ich, wie sogar mancher Geistlicher, das Sonntagsgebot in Frage. Aber wer nicht begreift, dass der Kardinal diese Bitte nicht geäußert hat, weil er alles besser fand, was früher war – sondern, weil es ihm um die Liebe zum Herrn geht, der möge sich das Wesentliche des Glaubens dann doch noch einmal anschauen.

Anders als im Theologiestudium manchmal gelehrt und gelernt, ist die Feier der Eucharistie nicht nur heiliges Spiel. Es geht nicht nur um die Darstellung irgendeines Mysteriums, um „heilige Zwecklosigkeit“, sondern sie ist auch Geheimnis: Geheimnis der präsenten Liebe Gottes. Und deswegen richten wir uns auf Ihn aus, der dieses Geheimnis nicht nur bis zur Vollendung ausgeführt hat, sondern der dieses Geheimnis selbst – ganz personal und präsent – ist. Wenn wir das begriffen und neu verinnerlicht haben, dann brauchen wir die Heilige Messe nicht mehr als unser Schlachtfeld, sondern dann haben wir schon gewonnen. Jeden Kampf der Welt.

Der Autor, 27, studiert Theologie in Salzburg und arbeitet im Seelsorgeamt der Erzdiözese