Glaubenserneuerung: Zur Rolle der Laien in der katholischen Kirche: Laien als Partner gewinnen

Bischof Heinz Josef Algermissen hat in seinem Interview über die Austritte aus der katholischen Kirche das Schwinden von „gelebtem Glauben“ und damit einen „Gottesverlust“ als Grund genannt (DT vom 1. August), und Bischof Stefan Oster sieht die Ursache vor allem in einer falschen Verkündigung des Glaubens und zeigt Lösungen dazu auf (DT vom 18. August). Beide Hinweise erscheinen mir wesentlich und wertvoll.

Daneben aber möchte ich auf ein weiteres Problem hinweisen, das meines Erachtens einer Lösung bedarf: Es ist eine Klärung der Stellung der Laien in der „Kirche“ als dem sichtbaren Teil des Leibes Christi. Nach dem katholischen Kirchenverständnis sind die Laien zwar Glieder der Kirche. doch ist ihre Rolle in dieser sehr beschränkt.

Nun bemüht sich die katholische „Amtskirche“ im Zuge der Neuevangelisierung offensichtlich, die Laien stärker in die Verkündigung des Glaubens einzubinden. (Siehe dazu zum Beispiel vor allem den Brief der deutschen Bischöfe an die Priester in „Die Tagespost“ vom 10.10.2012, aber auch die Botschaft zum Abschluss der XIII. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode am 26. Oktober 2012 in „Die Tagespost“ vom 30.10.2012.)

So heißt es etwa in der erstgenannten Verlautbarung: „Durch die Taufe sind alle Christen sakramental in das Leben und in die Sendung Jesu Christi hineingenommen und haben auf ihre Weise Anteil am Priestertum Christi. Deswegen ist keiner nur Objekt der kirchlichen Pastoral, alle Getauften sind auch Subjekt in der Kirche und tragen füreinander Verantwortung. ,Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe, Kirche sind wir alle, wir, die Getauften‘ (Papst Benedikt XVI. im Konzerthaus in Freiburg am 25. September 2011)“. (Vgl. dazu Eph. 2,19 ff und 4,14 ff.)

Diese Einbindung der Laien in die Kirche ist richtig und gut, denn dadurch können ihr meines Erachtens neue Kräfte zuwachsen (indem etwa die Priester von Verwaltungsaufgaben entlastet mehr für ihre seelsorglichen Aufgaben befreit werden und das Leben einer Kirchengemeinde bereichert wird). Wenn dies aber nicht nur schöne Worte bleiben sollen, muss den Laien mit dieser Mitverantwortung auch die Möglichkeit einer Mitsprache und Mitgestaltung gegeben werden. Dies sieht auch Kardinal Kaspar, wenn er in einem Interview der „Rheinischen Post“ feststellt, dass die Mitverantwortung von Laien noch ausbaufähig sei und da „noch manches zu tun“ wäre (nach dem Artikel „Konzil sorgt für Diskussionen“ in „Die Tagespost“ vom 11.10.2012). Was ist also zu tun?

1. In den kirchlichen Verlautbarungen wird häufig der aus den griechischen Wörtern hierós = kräftig, heilig und árchein = der Erste sein, herrschen, abgeleitete Ausdruck „Hierarchie“ verwendet. Dieser Begriff bringt eine im Laufe der Geschichte ausgeprägte Rangordnung der kirchlichen Ämter zum Ausdruck, die auch als Führungsanspruch gegenüber den Laien verstanden werden kann. Dabei hat Jesus immer wieder die Aufgabe des Dienens seiner Jünger betont (Mt. 18,1–4; 23,11; Mt. 20–28; MK 10,43–45, Lk 22, 24–27), wie sie auch Papst Franziskus fordert und beispielhaft zeigt; und auch mit der Übertragung des Hirtenamtes an Petrus (Joh. 15–17) ist wohl weniger eine Führungs-, als Sorgefunktion ausgesprochen worden. Der Begriff „Hierarchie“ sollte daher nur im Sinne einer Dienst- oder Aufgabenordnung verstanden und gebraucht werden.

2. Wenn die Laien stärker in die Gestaltung der kirchlichen Struktur, des Gemeindelebens und die Glaubensverkündigung eingebunden werden sollen, ist es notwendig, sie auch in die dazu erforderlichen Entscheidungen einzubeziehen, zumindest aber keine solche ohne eine Aussprache mit den Betroffenen durchzuführen.

3. Manche Vertreter der „Amtskirche“, aber auch Gläubige, zeigen meines Erachtens eine gewisse Distanz zum Begriff des „Dialogs“ mit Laien und sehen darin einen Schritt zur „Demokratisierung“ der Kirche. Dabei wird ein Dialog mit anderen Kirchen ausdrücklich gewünscht. Meine Meinung dazu ist, dass der Dialog auch innerhalb der Kirche existenziell wichtig ist und dadurch nichts vom Wesentlichen der katholischen Kirche verloren geht, wenn es um eine argumentierende Wahrheitsfindung geht.

4. In den nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingerichteten Pfarrgemeinderäten unseres Erzbistums haben die Laien satzungsgemäß kein Entscheidungsrecht, sondern nur eine „beratende Funktion“, was bedeutet, dass ihre Ansichten und Vorschläge unter Umständen völlig unerheblich sind. Hier ist dringend eine Neuregelung erforderlich, die den Pfarrgemeinderäten ein Mitentscheidungsrecht einräumt, das zum Beispiel durch ein Vetorecht des Pfarrers oder des Kirchenvorstands begrenzt werden kann.

Ergebnis: Die Kirche tut meines Erachtens gut daran, die Laien wirklich als Partner auf dem Weg zu Christus anzuerkennen und anzunehmen.