Geistliche Kommunion: Zum Beitrag von Kardinal Cordes „Christus mit dem Herzen aufnehmen“: Im analogen Sinn eine Option

Kardinal Cordes widerspricht in seinem Artikel „Christus mit dem Herzen aufnehmen“ (DT vom 4. Oktober) Kardinal Kasper. Und Kardinal Cordes hat Recht: Niemals kann ein Ehebrecher rechtmäßig das Sakrament der Eucharistie empfangen. Doch auch Kardinal Kasper hat Recht, wenn er ausführt, dass ein Ehebrecher dann auch nicht geistig kommunizieren könne. Die geistige oder besser geistliche Kommunion ist, verstanden im strengen Sinn des Wortes, in der Tat keine Lösung für die wiederverheirateten Geschiedenen.

Nach Thomas von Aquin, dem allgemeinen Lehrer der Kirche, ist beim Empfang des Altarssakraments Zweifaches zu unterscheiden: das Sakrament selbst (sacramentum tantum) und seine Frucht (res sacramenti). Letztere setzt Ersteres voraus. Nur das Sakrament, also das Sakrament ohne Frucht, empfängt der, der es nur sakramental empfängt. Mit Frucht empfängt es der, der es nicht nur „sakramentaliter“, sondern auch „spiritualiter“, also geistlich empfängt. Wer das Sakrament auch geistlich empfängt, empfängt es vollkommen. Er nimmt die Frucht dieses Sakramentes in sich auf: die Vereinigung mit Christus.

Von einer „nur“ geistlichen Kommunion kann also nach Thomas von Aquin zunächst keine Rede sein. Im Gegenteil: Wer die Kommunion „nur“ sakramental empfängt, empfängt das Sakrament unvollkommen, nämlich ohne dass der innerste Kern seiner Wirklichkeit im Empfangenden zur wesenseigenen Vollendung gelangt. Es ist die Weise, wie der Sünder das Sakrament empfängt. Wer aber so das Sakrament empfängt, der, wie es mit 1 Kor 11,29 heißt, „isst und trinkt sich das Gericht“.

Nach Thomas schließt die geistliche Kommunion die leibhaft sakramentale Kommunion mit ein. Sie wird vorausgesetzt. Sie ist, wie Kardinals Cordes richtig sagt, die Sinnspitze des sakramentalen Empfangs. Allerdings: Was in der allgemeinen Sakramentenlehre gilt, gilt auch in der speziellen Eucharistielehre: Gottes Gnade wirkt auch außerhalb des Sakraments. Konkret: Die Frucht des Sakraments vermag durchaus in sich aufzunehmen, wer das Sakrament selbst leibhaftig nicht empfangen kann, obwohl er es möchte. Dieser Wunsch, dieses Verlangen, diese Sehnsucht nach dem Sakrament kann dann – nach Thomas freilich nur in einem analogen, abgeleiteten Sinn – „geistliche Kommunion“ heißen. Das Verlangen nach diesem Sakrament äußert sich in dem festen Willen, so schnell wie möglich, den Grund dafür, dass der sakramentale Empfang unmöglich ist, zu beseitigen: „Verlangen und Absicht dieses Sakrament zu empfangen, wären sinnlos, wenn sie sich nicht verwirklichten, sobald sich dazu die Gelegenheit gibt“ (Thomas von Aquin, STh III q. 80 a. 11; in Ioh 6, lectio 7).

Mit anderen Worten: Die geistliche Kommunion, verstanden nicht im strengen, wohl aber im analogen Sinn des Wortes, könnte für die wiederverheirateten Geschiedenen eine Option sein; aber nur dann, wenn sie bereit sind, so schnell wie möglich den Hinderungsgrund für den sakramentalen Empfang zu beseitigen. Wenn sie dazu bereit sind, es aber faktisch nicht vermögen, dann ist nach Papst Benedikt XVI. die geistliche Kommunion im analogen Sinn immer noch möglich. Sie ist Ausdruck eines aus Liebe im Konflikt entstandenen Leidens: ein Leiden aus Liebe und um der Liebe willen, ein Leiden auch, „um die Stabilität der Liebe und der Ehe zu verteidigen“.