Gefährlicher Gesetzentwurf zur Hilfe bei Selbsttötung : Die Ausnahme wird zur Regel : Die Kirche muss laut dagegen protestieren : Die Gesellschaft wird immer inhumaner

Nach Ihrer Meldung „Suizid: Die Ärzte sollen es richten“ (DT vom 28. August) wird ein Gesetzesentwurf vorgestellt, wonach im neu einzuführenden § 217 StGB die Beihilfe zur Selbsttötung grundsätzlich unter Strafe gestellt werden soll (Abs 1). Jedoch soll die Beihilfe, wenn sie von Angehörigen oder dem Suizidenten nahestehenden Personen (Abs 2) oder von einem Arzt (Abs 3) geleistet wird, nicht strafbar sein. Damit wird der ärztlich unterstützte Suizid eingeführt. Abzusehen ist nämlich, dass das bislang entgegenstehende ärztliche Standesrecht dann angeglichen wird.

Ein bekanntes Schema: In der Musterberufsordnung für Ärzte (§ 14) heißt es, dass Ärzte grundsätzlich verpflichtet sind, das ungeborene Leben zu erhalten. Seit der Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes heißt es dort aber auch: „Der Schwangerschaftsabbruch unterliegt den gesetzlichen Bestimmungen.“ Und diese sehen in den §§ 218a, 219 StGB vor, dass Abtreibungen nur in besonderen „Ausnahmesituationen“ straffrei zulässig sind. Tatsächlich aber erfolgen rund 96 Prozent aller Abtreibungen als gesetzliche Ausnahme! Die Ausnahme ist also zur Regel geworden. Der ärztlich unterstützte Suizid wird eine ähnliche Entwicklung nehmen. In Holland, auch hierauf ist hinzuweisen, hat sich das ärztliche Tun schon in einem allgemeinen Euthanasiegesetz manifestiert. Dabei ist es ganz eindeutig: Soll der Arzt heilen oder Schmerzen lindern, kann weder das Abtreiben noch die Unterstützung eines Suizidenten ärztliche Aufgabe sein.

Man muss ja nun wirklich weder Prophet noch Politexperte sein, um zu wissen, was da auf uns zurollt. Nachdem der Kampf um den Schutz des menschlichen Lebens in seiner frühestens Phase weitgehend verloren ist, geht es nun um den Lebensschutz am Lebensende. Auch da zeichnet sich bereits die Niederlage ab. Ich hoffe und wünsche, dass unsere Kirche ihre Stimme noch viel lauter erhebt, als dies bisher geschehen ist. Es gibt ja nichts mehr zu verlieren.

Dank der „Tagespost“, dass sie sich so ausführlich und prominent diesem Thema widmet. Was da im Gewand warmer Worte daherkommt, ist schlicht entsetzlich. Unsere Gesellschaft wird immer inhumaner.